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Iranischer Atomforscher kehrt den USA den Rücken

Der unter mysteriösen Umständen in die USA gelangte iranische Atomforscher Shahram Amiri hat nach Angaben aus Teheran das Land wieder verlassen.

Einmal hin und wieder zurück: Der iranische Wissenschaftler Shahram Amiri in einer Fernsehaufnahme des iranischen TV-Senders «PressTV».
Einmal hin und wieder zurück: Der iranische Wissenschaftler Shahram Amiri in einer Fernsehaufnahme des iranischen TV-Senders «PressTV».
Keystone

Gut ein Jahr nach seinem Verschwinden ist der angeblich vom US-Geheimdienst entführte iranische Atomphysiker Schahram Amiri aus den USA in sein Heimatland ausgereist. Amiri habe die USA verlassen, erklärte das Aussenministerium in Teheran laut der iranischen Nachrichtenagentur Isna am Mittwoch. Amiri drohte mit Enthüllungen über seine angebliche Entführung durch den US-Geheimdienst, die Washington wiederholt dementierte.

Er werde über ein Drittland in den Iran zurückkehren, erklärte der Sprecher des Aussenministerium in Teheran, Ramin Mehmanparast, laut Isna. Teheran werde «seine Bemühungen auf rechtlicher und diplomatischer Ebene» gegen die USA wegen ihrer «Verantwortung bei der Entführung» Amiris fortsetzen.

Kurz vor seinem Heimflug sagte Amiri nach Angaben des iranischen Senders Press-TV, er werde nach seiner Heimkehr die Umstände seiner Entführung aufdecken. «Die Geschichte meiner Entführung ist voller Details. (...) Wenn ich hoffentlich in meinem geliebten Land Iran bin, kann ich mit Ruhe mit den Medien und meinem eigenen Volk sprechen», wurde Amiri zitiert. Ausserdem wolle er sich gegen die Anschuldigungen von US-Medien und der US-Regierung zur Wehr setzen, die seinen «Ruf angegriffen» hätten.

«Vom Geheimdienst geflohen»

Das iranische Staatsfernsehen hatte am Dienstag berichtet, Amiri sei in die Interessenvertretung des Iran in Washington geflohen, die in der pakistanischen Botschaft untergebracht ist. Die iranische Regierung wirft den USA vor, Amiri entführt zu haben. Der Physiker war vor gut einem Jahr nach der Ankunft zu einer Pilgerreise in Saudiarabien verschwunden. Nach Angaben iranischer Medien erforschte er Radioisotope für medizinische Zwecke.

Anfang Juni dieses Jahres strahlte das iranische Fernsehen ein Video aus, in dem ein Mann, der sich als Amiri ausgab, beteuerte, vom US-Geheimdienst entführt worden zu sein und im Bundesstaat Arizona festgehalten zu werden. Wenige Wochen später wurde ein zweites Video veröffentlicht, in dem derselbe Mann angab, «aus den Händen der Agenten des amerikanischen Geheimdienstes» geflohen zu sein und sich im US-Bundesstaat Virginia aufzuhalten.

US-Aussenministerium dementiert

Der US-Fernsehsender ABC hatte hingegen im März berichtet, Amiri sei übergelaufen und arbeite mit der CIA zusammen. Die US-Regierung wies die Entführungsvorwürfe zurück. Am Dienstag sagte US-Aussenamtssprecher Philip Crowley, Amiri sei «aus freien Stücken» in den USA und könne jederzeit ausreisen.

Er habe ursprünglich am Montag in den Iran zurückkehren wollen, die Reise aber aus organisatorischen Gründen nicht antreten können. Crowley wollte sich nicht dazu äussern, was Amiri in den USA machte.

Ein Fehler der Regierung?

Der einflussreiche iranische Abgeordnete Alaeddin Borudscherdi sagte laut Isna, die US-Behörden hätten versucht, Informationen von Amiri zu erhalten, diese seien aber auf dessen Arbeitsbereich beschränkt gewesen. «Als die Amerikaner gemerkt haben, dass sie einen Fehler begangen haben, hat sich die Lage schnell geändert.» Dass Amiri gegen US-Gefangene im Iran ausgetauscht wurde, schloss der Abgeordnete aus.

Die USA und der Iran unterhalten seit gut 30 Jahren keine diplomatischen Beziehungen. Der US-Regierung ist das iranische Atomprogramm ein Dorn im Auge. Sie befürchtet, dass Teheran heimlich am Bau von Atomwaffen arbeitet. Mit anderen westlichen Staaten setzte sie daher Anfang Juni weitere UN-Sanktionen gegen den Iran durch.

AFP/jak

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