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«In Venezuela regiert die Mafia»

«Sie könnten mich fragen, weshalb ich überhaupt noch lebe»: María Corina Machado. Foto: Federico Parra (AFP)

Warum ist Nicolás Maduro noch an der Macht?

Und weil die Opposition unfähig ist, ihn zu besiegen.

Inwiefern?

«Dieses Regime hat unzählige Übergriffe gegen mich begangen, aber die Rolle des Opfers sagt mir nicht zu.»

Vor einem Jahr hat der oppositionelle Interimspräsident Juan Guaidó sein Amt angetreten. Die Hoffnungen, er werde das Regime beenden, das Hugo Chávez und Nicolás Maduro errichtet haben, waren offensichtlich trügerisch. Hat die Opposition Fehler begangen?

Sie gehören zu den wenigen namhaften Oppositionellen, die nicht verhaftet wurden oder ins Ausland geflüchtet sind.

Erzählen Sie trotzdem.

Verspüren Sie Hass?

«Allenfalls werden auch einige punktuelle, gezielte Militäraktionen notwendig sein, um ­Venezuela zu befreien.»

Die USA haben gegenüber dervenezolanischen Regierung harte Wirtschaftssanktionen ergriffen. Reicht Ihnen das nicht?

Sie fordern eineMilitärintervention der USA. Das würde Venezuela wahrscheinlich in einen Bürgerkrieg stürzen.

Donald Trump wird sich hüten, in einem Wahljahr einen militärischen Konflikt in Venezuela anzuzetteln, sei er konventionell oder nicht.

In Chile und Kolumbien protestieren die Menschen, weil sie Korruption, Ungleichheit und Armut satthaben.

«Mit Kriminellen zu verhandeln, ist sinnlos.»

Maduro erzählt genau dasselbe,einfach mit umgekehrten Vorzeichen. Für ihn stecken CIA-Agenten hinter den Protesten in Venezuela.

Was ist mit ihm?

Seit Jahren ist Venezuelas Opposition zerstritten und zersplittert. Das frühere oppositionelle Bündnis MUD bestand aus etwa zwei Dutzend Parteien. Ihr seid euch nicht einig, ob ihr mit der Regierung verhandeln sollt oder nicht, ob ihr eine US-Intervention fordern sollt oder nicht, ob ihr euch an Wahlen, die vom Regime organisiert sind, beteiligen sollt oder nicht. Mit solchen Feinden kann Maduro ruhig schlafen.

Was denken Sie?

Stehen Sie noch hinter Juan Guaidó?

«Wenn wir Oppositionellen alle unsere Aufgaben erfüllt haben, werde ich Venezuelas Präsidentin sein.»

Guaidó wollte die Angehörigen der Armee dazu bewegen, in Scharen zu ihm überzulaufen. Das ist missglückt.

Der sogenannte Chavismus regiert Venezuela seit zwanzig Jahren. Hat er auch etwas Gutes bewirkt?

So habe ich das nicht gemeint. Ich dachte etwa an die Sozialprogramme, die kostenlosen Universitäten, die Beseitigung des Analphabetismus.

Wollen Sie nach Maduros Sturz Präsidentin werden?