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Ex-Pentagon-Chef: «Obama zögerlich, Bush naiv»

Es war damals ein ungewöhnlicher Schritt: Der Demokrat Obama übernahm 2008 den Republikaner Robert Gates als Verteidigungsminister. Jetzt legt Gates seine Memoiren vor.

Zeigt mit dem Finger auf seine ehemaligen Vorgesetzten: Ex-Pentagon-Chef Robert Gates.
Zeigt mit dem Finger auf seine ehemaligen Vorgesetzten: Ex-Pentagon-Chef Robert Gates.

US-Präsident Barack Obama muss sich von seinem früheren Verteidigungsminister Robert Gates deutliche Kritik anhören. In seinen Memoiren wirft Gates dem Präsidenten Zaudern und Frust beim Afghanistan-Krieg vor. Noch schärfer rechnet Gates mit Vizepräsident Joe Biden ab. Der Mann sei zwar – wie auch Obama – persönlich integer, liege in Fragen der Aussen- und Sicherheitspolitik aber fast immer falsch.

Das Werk «Duty: Memoirs of a Secretary at War» (dt. Pflicht: Erinnerungen eines Ministers im Krieg) kommt nächste Woche in den USA heraus. Am Dienstag veröffentlichten die Zeitungen «New York Times», «Washington Post» und «Wall Street Journal» vorab Auszüge. Gates stand viereinhalb Jahre an der Spitze des Pentagons: Der republikanische Präsident George W. Bush setzte den Republikaner ein, dessen demokratischer Nachfolger Obama beliess ihn für weitere zweieinhalb Jahre im Amt.

«Kontrollierenden Art»

In seinem Buch erinnert sich Gates an eine Sitzung zu Afghanistan im sogenannten Situation Room im Weissen Haus im März 2011: «Ich sass da und dachte: Der Präsident vertraut seinem Kommandeur nicht, kann den (afghanischen Präsidenten Hamid) Karzai nicht ausstehen, vertraut seiner eigenen Strategie nicht und betrachtet den Krieg nicht als seinen eigenen. Für ihn geht es nur darum, aus dem Ganzen herauszukommen».

Kritik übt Gates an der «kontrollierenden Art» von Obamas Regierungsmannschaft, die sich bis in kleinste Kleinigkeiten einmische. Über Vizepräsident Biden schreibt der ehemalige Pentagon-Chef, dieser «lag bei nahezu jedem grossen Thema der Aussenpolitik und der nationalen Sicherheit in den vergangenen vier Jahrzehnten daneben».

Wöchentliches Mittagessen

In einer Reaktion verteidigte das Weisse Haus den Vizepräsidenten und erklärte, Biden sei «einer der führenden Staatsmänner seiner Ära», und Obama verlasse sich auf seinen Rat. Für heute liess das Weisse Haus ausnahmsweise Fotografen zum wöchentlichen Mittagessen Obamas mit Biden zu, was Beobachter als Schulterschluss werteten.

Gates beschreibt auch das aus seiner Sicht taktische Verhalten von Obama und dessen späterer Aussenministerin Hillary Clinton im Streit über den Irak-Krieg. Beide hätten vor seinen Ohren darüber gesprochen, dass ihre Ablehnung der Truppenaufstockung im Irak durch die Bush-Regierung 2007 innenpolitische Gründe im Wahlkampf gehabt habe. «Dieses Geständnis der beiden zu hören – in meiner Anwesenheit -, war sowohl überraschend als auch ärgerlich», schrieb Gates.

«Effekt wie der Vollmond auf einen Werwolf»

Auch die Behandlung durch Kongress-Abgeordnete trieb Gates nach eigenen Angaben so auf die Palme, dass er bisweilen an Rücktritt dachte. Im Zwiegespräch seien die Abgeordneten oft vernünftig gewesen. «Aber wenn sie in eine öffentliche Anhörung gingen und das kleine rote Licht auf den Fernsehkameras aufleuchtete, hatte das einen Effekt wie der Vollmond auf einen Werwolf», heisst es in einem Auszug aus den Memoiren.

Expräsident Bush nimmt er von der Kritik nicht aus. Dieser habe die frühen Erfolge in Afghanistan und Irak mit falscher Politik verspielt. Dafür hat Gates für eine Aktion Obamas uneingeschränktes Lob: Die Tötung von Osama bin Laden in einem Haus in Pakistan sei «eine der mutigsten Entscheidungen, die ich je im Weissen Haus gesehen habe».

AP/bru

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