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Erst entgleisen, dann über Boykott klagen

Mit einer Schimpftirade über Migranten und Linke hat Fox-News-Moderator Tucker Carlson Werbekunden verärgert. Der TV-Sender spricht von «Einschüchterungsversuchen».

Einwanderer würden die USA ärmer und schmutziger machen, sagte Tucker Carlson in seiner Sendung auf Fox News. (Keystone)
Einwanderer würden die USA ärmer und schmutziger machen, sagte Tucker Carlson in seiner Sendung auf Fox News. (Keystone)

Punkt 21 Uhr meldete sich Tucker Carlson wie jeden Wochentag am vergangenen Donnerstag zu Wort. Auf Rupert Murdochs rechtem Radaukanal Fox News widmete sich der erfolgreiche TV-Moderator seinem Lieblingsthema: dem Zustrom von Migranten. Stets vertritt Carlson dabei eine extrem harte Linie, so hart, dass ihn Donald Trumps Unvermögen, die Mauer an der Grenze zu Mexiko zu bauen, regelmässig ärgert.

Am Donnerstag zeigte Carlson seinen Zuschauern Aufnahmen von Müll, den Migranten aus Zentralamerika angeblich an der Grenze hinterlassen hatten. Dann schoss er sich ein – auf Linke und Einwanderer. Die Linken behaupteten, die USA hätten «eine moralische Verpflichtung, die Armen der Welt hereinzulassen, sogar wenn das unser Land ärmer und schmutziger macht und uns spaltet», sagte Carlson.

Das Sendesegment endete mit einem Werbespot des Lebensversicherers und Finanzdienstleisters Pacific Life. Dort war man nicht erbaut: Nach Carlsons Bemerkung über schmutzige Migranten werde man «in den kommenden Wochen» keine Werbung mehr in seiner Sendung platzieren und zwischenzeitlich «unsere Beziehung zu seiner Sendung untersuchen». Bereits im Oktober hatte der Onlinestellenanbieter Indeed.com seine Werbung bei Carlson mit der Begründung storniert, die Sendung polarisiere «zu sehr», jetzt folgten andere Unternehmen.

16 Firmen wollen Carlson nicht mehr

Carlson zeigte sich unbeeindruckt und schob am Montag zur gewohnten Sendezeit nach: Er werde sich nicht den Mund verbieten lassen von den Linken. «Wir lassen uns nicht einschüchtern, wir haben auch weiter und bis zum letzten Tag vor, die Wahrheit zu sagen», wetterte der Moderator. Angeheizt hatten den Boykott tatsächlich liberale Medienbeobachter, auch Promis wie der Hollywoodproduzent Judd Apatow waren empört. Carlsons Bemerkung über den Migrantenschmutz sei «verletzend, entmenschlichend und rassistisch», twitterte Apatow.

Der Fox-Moderator wiederum empfand die Kampagne gegen ihn als Angriff auf die Meinungsfreiheit: «Wenn sie dich zwingen können, den Mund zu halten, werden sie das tun», twitterte er.

Am Mittwoch aber waren es bereits 16 Firmen, die nicht mehr bei Carlson werben wollten, darunter die Pfannkuchen-Restaurantkette IHOP. «Wir heissen Menschen verschiedenster Abstammungen und Glaubensrichtungen in unseren Restaurants willkommen und achten dauernd darauf, dass unsere Werbung unsere Werte widerspiegelt», begründete das Unternehmen den Rückzug.

Fox News stellt sich hinter Carlson

Zwar konnte Fox News die stornierten Spots bislang in anderen Sendungen unterbringen, sodass dem Kabelkanal vorerst keine finanziellen Verluste entstehen. Doch Carlson ist gewarnt: Zwei bei konservativen Zuschauern beliebte Fox-News-Sendungen der Moderatoren Glenn Beck und Bill O’Reilly wurden auch deshalb abgesetzt, weil sich die Sponsoren zurückgezogen hatten. Und als Fox-News-Talkerin Laura Ingraham im März einen Überlebenden des Massakers an der Parkland-Schule in Florida verhöhnte, verlor sie massiv Werbespots, bis sie sich für die Entgleisung entschuldigte.

Fox News stellt sich bis auf weiteres hinter Carlson: «Wir werden nicht zulassen, dass Stimmen wie Tucker Carlson durch Einschüchterungsversuche linker Organisationen zensiert» würden, so der Sender.

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