Hochrangiger Offizier wendet sich gegen Trump

Alexander Vindman war während des Ukraine-Telefonats des US-Präsidenten in der Leitung. Was er hörte, beunruhigte ihn.

Zuständig für die Beziehungen zur Ukraine: Oberstleutnant Alexander Vindman. Foto: Bill Clark (Getty Images)

Zuständig für die Beziehungen zur Ukraine: Oberstleutnant Alexander Vindman. Foto: Bill Clark (Getty Images)

Alan Cassidy@A_Cassidy

Noch bis vor wenigen Tagen war Alexander Vindman selbst in Washington nur wenigen Leuten ein Begriff. Nun ist er zu einer der Figuren im Zentrum des Impeachment-Dramas gegen den US-Präsidenten geworden.

Ein Held und Patriot für Donald Trumps Gegner – ein Doppelagent für einige seiner lautesten Unterstützer. Vindman arbeitet im Nationalen Sicherheitsrat des Präsidenten, jenem Gremium, das die Sicherheitspolitik der USA koordiniert. Er ist dort zuständig für die Beziehungen zur Ukraine.

Am Dienstag erschien der Oberstleutnant in Uniform vor einem Ausschuss des Repräsentantenhauses, um über die Ukraine-Affäre auszusagen – er wurde damit zum nächsten Mitarbeiter der Trump-Regierung, der den Präsidenten in dieser ­Sache belastet.

Beunruhigt über Trumps Telefonat

Vindmans Auftritt fand hinter verschlossenen Türen statt. Die Stellungnahme, die er verlas, hatte aber bereits am Vorabend den Weg in die US-Medien gefunden. Darin beschreibt Vindman, wie er mit anderen Beratern in der Leitung war, als Trump am 25. Juli mit dem ­ukrainischen Präsidenten Wolodimir Selenski telefonierte.

In dem Gespräch forderte Trump Selenski auf, gegen den demokratischen Präsidentschaftskandidaten Joe Biden und dessen Sohn Hunter eine Untersuchung wegen Korruption aufzunehmen. «Ich war über den Anruf beunruhigt», schreibt Vindman in der Stellungnahme. Eine fremde Regierung aufzufordern, gegen einen US-Bürger zu ermitteln, erschien ihm «nicht korrekt». Er machte sich auch Sorgen, dass die für die Ukraine wichtige Unterstützung durch die USA durch parteipolitische Manöver gefährdet würde.

Seine Bedenken teilte Vindman dem Chefjuristen des Nationalen Sicherheitsrats mit. Es war das zweite Mal, dass er sich an diesen wandte. Bereits am 10. Juli hatte eine Gruppe von Trump-Mitarbeitern unter der Führung von Gordon Sondland, dem US-Botschafter in Brüssel, eine ukrainische Delegation in Washington empfangen. Dabei habe Sondland den Ukrainern klargemacht, dass es einen von Selenski angestrebten Besuch im Weissen Haus nur geben werde, wenn dieser gegen die Bidens ­ermittle. «Ich habe Sondland ­anschliessend mitgeteilt, dass seine Aussagen unangebracht waren», schreibt Vindman. Und er habe auch diesen Vorgang dem Juristen der Behörde gemeldet.

Rückschlag für Trump

Grundlegend neu ist das zwar nicht, doch es verfestigt das Bild, das ein anonymer Whistleblower in seiner Beschwerde gezeichnet hatte, die das Impeachment-Verfahren losgetreten hat. Dass Mitarbeiter wie Vindman nun gegen den Willen des Weissen Hauses vor dem Kongress aussagen, ist ein Rückschlag für Trump.

In seiner Stellungnahme schreibt Vindman, der als Sohn ukrainischer Einwanderer in die USA kam und als Infanterieoffizier im Irak verwundet wurde, dass er aus Patriotismus handle. Es sei seine Pflicht, unabhängig von Parteipolitik für Amerika einzustehen. Konservative Kommentatoren zogen dagegen bereits seinen Charakter in Zweifel: Vindman sei aufgrund seiner Herkunft nicht zu trauen, so der TV-Sender Fox News.

Dem Zeugen, einem Offizier, sei wegen seiner ukrainischen Herkunft nicht zu trauen, so derSender Fox News.

So oder so sind die Demokraten daran, das Verfahren zu beschleunigen. Für Donnerstag haben sie erstmals eine Abstimmung im Repräsentantenhaus angesetzt, mit der die Untersuchungen formalisiert werden sollen. Die Opposition reagiert ­damit auf Kritik der Republikaner. Diese werfen den Demokraten vor, das Verfahren auf intransparente Weise durchzuführen, indem sie Zeugen hinter verschlossenen Türen vernehmen und deren Aussagen selektiv an die Medien durchstechen würden. An dieser Kritik hält Trumps Partei fest. Die Abstimmung ändere nichts daran, dass es sich um einen «Scheinprozess» handle, sagte der Abgeordnete Jim Jordan.

Die Demokraten planen nun ­offenbar, Trumps Anwälten eine Rolle im Verfahren einzuräumen, die diese bisher nicht hatten. Erwartet wird auch, dass die Demokraten bald zur nächsten Phase der Untersuchung schreiten werden, die aus öffentlichen Anhörungen mit prominenten Zeugen bestehen könnte. Das Weisse Haus könnte diese Auftritte jedoch gerichtlich anfechten und damit die Erarbeitung von Anklagepunkten gegen Trump verzögern. Das aber wollen die Demokraten offenbar vermeiden: Noch vor Weihnachten soll es im Repräsentantenhaus zur Abstimmung über eine Anklage gegen Trump kommen. Der von den Republikanern dominierte Senat würde dann wohl Anfang 2020 über einen Schuldspruch befinden.


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