Zum Hauptinhalt springen

Die Demokraten sorgen gerade für Party-Stimmung bei Donald Trump

Die US-Demokraten leiden unter Flügelkämpfen und Misstrauen. Für Unruhe sorgt besonders ein Kandidat.

Der ehemalige Vizepräsident Joe Biden, Senator Bernie Sanders und Pete Buttigieg, in der siebten Präsidentschaftsdebatte der Demokraten. Foto: Shannon Stapleton/Reuters
Der ehemalige Vizepräsident Joe Biden, Senator Bernie Sanders und Pete Buttigieg, in der siebten Präsidentschaftsdebatte der Demokraten. Foto: Shannon Stapleton/Reuters

«Ich bin kein Mitglied einer organisierten politischen Partei, ich bin Demokrat», witzelte der Komiker Will Rogers zu Zeiten Franklin Roosevelts vor fast einhundert Jahren über die grosse Volkspartei. Der Kommentar ist höchst relevant: Während Donald Trump dem Impeachment entkam und dank einer guten Konjunktur auf eine Wiederwahl zuzusteuern scheint, ist bei den Demokraten neun Monate vor dem Wahltag der Wurm drin.

Nach dem Auszählungsdebakel bei den Parteiversammlungen in Iowa schieben sich die Iowa-Demokraten und Tom Perez, der Vorsitzende des Demokratischen Nationalkomitees DNC gegenseitig den schwarzen Peter zu. Die demokratischen Kandidaten gehen unterdessen vor den heutigen Vorwahlen in New Hampshire zusehends aggressiv miteinander um. Statt sich auf Donald Trump zu konzentrieren, bietet die Partei ein Bild politischer Zerrissenheit und Inkompetenz.

Mit wachsendem Misstrauen beäugt das demokratische Establishment den neuerlichen Aufstieg des parteilosen Senators Bernie Sanders, der sich bereits 2016 um die Kandidatur beworben hatte. Der demokratische Sozialist aus dem neuenglischen Vermont könnte nach Iowa auch in New Hampshire Furore machen – und ängstigt viele Demokraten, die in ihm die US-Version des britischen Labour-Losers Jeremy Corbyn sehen.

«Bernie Sanders ist kein Demokrat, sondern immer ein Ideologe.»

James Carville, Alt-Stratege

Zusätzliche Gefahr droht der Partei, weil viele der überwiegend jungen Sanders-Anhänger laut Umfragen sämtliche andere demokratischen Bewerber ablehnen. Womöglich würden sie die Präsidentschaftswahl im Herbst aussitzen, wenn ihr Held nicht zum Präsidentschaftskandidaten gekürt wird – was wohl die Wiederwahl Donald Trumps bedeutete.

Vergangene Woche sprach Alt-Stratege James Carville, bekannt als Architekt von Bill Clintons Wahlsieg 1992, vielen Demokraten aus der Seele, als er Sanders live im TV niedermachte. «Wir müssen uns entscheiden, was wir sein wollen: Ein ideologischer Kult oder eine Partei, die Mehrheiten anzieht», erklärte Carville. Und weiter: «Bernie Sanders ist kein Demokrat, er war niemals ein Demokrat, sondern immer ein Ideologe».

«Niemand mag ihn.»

Hillary Clinton über Sanders

Carvilles Kritik an dem Senator aus Vermont wird von vielen gemässigten Demokraten geteilt. Besonders im Clinton-Lager wird Sanders noch immer vorgeworfen, sich 2016 nach seiner Vorwahl-Niederlage gegen Hillary Clinton nicht genügend für die Ex-Aussenministerin eingesetzt zu haben. Sanders trage daher Mitschuld an ihrer Niederlage gegen Donald Trump.

Erst kürzlich ging die gescheiterte Kandidatin neuerlich auf ihren einstigen Konkurrenten los: «Niemand mag ihn, niemand möchte mit ihm arbeiten, er kriegt nichts hin, und er war immer ein Karrierepolitiker», so Clinton. Was Sanders verbreite, sei «Blödsinn».

Zum Inhalt

Man kann sich tatsächlich fragen, ob die US-Wählerschaft bereit wäre, sich inmitten solider Wirtschaftsdaten einem Sozialisten anzuvertrauen, der das Gesundheitswesen verstaatlichen und Staat und Gesellschaft umkrempeln will. Sanders’ Unterstützer wenden ein, dass Clinton und der moderate Flügel der Partei 2016 nachweislich versagt hätten.

Ihnen zu Folge sind die Amerikaner angesichts grassierender sozialer Ungleichheit sowie der geballten Konzentration von Reichtum für drastische Massnahmen empfänglich. Zumal der Senator aus Vermont authentisch wie kein anderer im demokratischen Feld sei und jene Wähler aus den unteren Schichten anspreche, die den Demokraten 2016 den Rücken gekehrt und massgeblich zu Trumps Sieg beigetragen hätten.

Sanders gegen Republikaner und Demokraten

Die Feindseligkeit der Moderaten gegenüber Sanders wird von ihm und seinen Anhängern erwidert: Das Establishment kungele wie schon 2016 auch jetzt wieder mit der Parteizentrale, um die Kandidatur des Sozialisten zu verhindern. Zu diesem Zweck seien sogar die innerparteilichen Spielregeln plötzlich zugunsten des Milliardärs Mike Bloomberg verändert worden.

«Wir nehmen es nicht nur mit dem republikanischen politischen Establishment auf, wir nehmen es auch mit dem demokratischen Establishment auf», brüstete sich der Senator am Wochenende in New Hampshire. Sanders’ Wahl «zwischen dem Status quo und einer Revolution» aber sei «ein Bild, mit dem die meisten von uns nichts anfangen können», konterte sein Rivale Pete Buttigieg, ein Vertreter des gemässigten Flügels.

----------

Podcast «Entscheidung 2020»

Hören Sie sich die neuste Folge des Podcasts «Entscheidung 2020» mit USA-Korrespondent Alan Cassidy und Philipp Loser auch auf Spotify oder iTunes an.

----------

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch