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Der gefährlichste Mann Amerikas

Der brasilianische Regierungssprecher Fábio Wajngarten hat das Coronavirus und bewegte sich mitten unter den Mächtigen.

Fábio Wajngarten mag die Öffentlichkeit. Auf Instagram inszeniert sich der Pressechef der brasilianischen Regierung gerne als glamouröser Familienvater, der sich ganz nah an der Macht bewegt. Doch nun ist Wajngarten auf eine Weise weltberühmt geworden, die der Kommunikationsprofi kaum geplant hat. Er könnte als jener Mensch in die Geschichte eingehen, der gleichzeitig einen Teil der brasilianischen sowie der amerikanischen Staatsführung lahmgelegt hat.

Wajngartens Aufgabe ist es, die Politik des ultrarechten Präsidenten Jair Bolsonaro gut aussehen zu lassen. Das gelingt derzeit nicht besonders gut. Bolsonaro und seine Berater sehen ziemlich unbedarft aus. Noch Anfang Woche warf der Präsident den Medien Panikmache vor, viele Berichte über Corona seien Fantasie. Am Donnerstag trat er plötzlich mit Mundschutz im Fernsehen auf, am Freitag erhielt er laut Medienberichten ein positives Testergebnis. Sein Sohn dementierte dies allerdings. Der Gesundheitszustand des 64-Jährigen gilt seit einem Mordversuch 2018 als angeschlagen.

Falls Bolsonaro tatsächlich mit dem Coronavirus infiziert ist, hat ihn wahrscheinlich Fábio Wajngarten angesteckt. Und Bolsonaro könnte nicht der Einzige geblieben sein. Am Samstag trafen sich der brasilianische Präsident und sein Amtskollege ­Donald Trump in dessen Mar-a-Lago-Resort in Florida an einer Geburtstagsparty. Wajngarten bewegte sich mittendrin. Auf Instagram lud er ein Bild hoch. Darauf steht er direkt neben Trump, stolz lächelnd, sein Baseballcap trägt die Aufschrift «Make Brazil Great Again». An der Party nahm auch Vizepräsident Mike Pence teil. Mit Bolsonaro und dessen Familie sass Wajngarten stundenlang zusammen in der Präsidentenmaschine. Die Amerika-Reise dauerte bis Dienstag.

Rechtsanwalt und Unternehmer

Am Donnerstagmorgen wurde Wajn­garten positiv auf Corona getestet. Seine Frau teilte dies in einer Whatsapp-Gruppe aus Müttern mit. Die Nachricht wurde einer Zeitung zugespielt, die Regierung bestätigte das Resultat. Gemäss Medienberichten hatte Wajngarten schon in den USA Symptome gezeigt, liess sich aber erst in Brasilien testen. Am Tag der Heimkehr machte er auf Twitter einen Witz über die Möglichkeit, die Krankheit in den USA verbreitet zu haben. Unklar ist, ob er das Virus in den USA oder vorher in Brasilien aufgelesen hat.

Auch Donald Trump hatte Corona-Meldungen noch am Montagmorgen als Fake News verharmlost. Seine Sprecherin teilte am Freitag mit, Trump habe kaum Kontakt gehabt zu Wajngarten. Ein Corona-Test sei nicht notwendig. Gemäss CNN macht sich Trump aber Sorgen um seine Gesundheit, auch wegen der Brasilianer.

Der 44-jährige Wajngarten ist Rechtsanwalt und Unternehmer. Vor knapp einem Jahr ernannte ihn Bolsonaro zum Kommunikationsminister. ­Kürzlich warf ihm die Zeitung «Folha de São Paulo» vor, eine eigene Firma mit Regierungsgeldern unterstützt zu haben. Bolsonaros Ethikkommission fand hingegen kein Verschulden, Wajngarten behielt sein Amt.

Nach den ersten Berichten schimpfte Wajngarten auf Twitter über die «Bande» von der Presse. Diese ­schreibe ständig Müll über ihn. Ihm gehe es gut. Seither ist er verstummt.

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