Trump krebst zurück: IS nur «weitgehend besiegt»

Ein verbaler Rückzug und ein Rücktritt: Der US-Präsident erntet für den geplanten Abzug der Truppen aus Syrien heftige Kritik.

Vor kurzem hiess es noch, der IS sei «komplett besiegt»: Trump verkündet Abzug aus Syrien. (20. Dezember 2018) Video: Reuters

Nach heftiger Kritik am geplanten Abzug der US-Truppen aus Syrien hat US-Präsident Donald Trump seine Wortwahl mit Blick auf die Terrororganisation IS in dem Bürgerkriegsland geändert. Der IS sei «weitgehend besiegt», schrieb Trump am Samstag auf Twitter. Andere Länder in der Region, darunter die Türkei, könnten nun problemlos mit dem fertig werden, was noch von der Terrororganisation übrig sei.

Zuvor hatte Trump erklärt, die IS-Miliz sei in Syrien komplett besiegt – die amerikanischen Soldaten könnten daher abgezogen werden. Trumps Entscheidung vom Mittwoch, alle 2000 US-Soldaten aus Syrien heimzuholen, war national wie international auf Unverständnis gestossen und hatte grosse Irritationen ausgelöst.

Trump soll den Beschluss gegen den Rat wichtiger Kabinettsmitglieder gefasst haben. Experten mahnen, die IS-Miliz sei keineswegs komplett besiegt, und ein Abzug habe fatale Folgen.

US-Verteidigungsminister James Mattis hatte wegen grundlegender Meinungsverschiedenheiten mit Trump in dieser wie auch in anderen Fragen am Donnerstag seinen Rücktritt angekündigt.

Auch US-Gesandter tritt zurück

Wie mehrere US-Medien am Samstag übereinstimmend berichteten, erklärte auch der US-Sonderbeauftragte für die Anti-IS-Koalition, Brett McGurk, wegen der Differenzen in der Syrien-Frage seinen vorzeitigen Rückzug. Regulär wäre er im Februar ausgeschieden. Das US-Aussenministerium war wegen des teilweisen Stillstands der Regierungsgeschäfte in den USA nicht für eine Stellungnahme zu der Personalie zu erreichen.

Räumt seinen Posten: Brett McGurk. (Archiv) Bild: Reuters/Stephanie McGehee

Die «Washington Post» berichtete, Trump habe seinen Beschluss zum Truppenabzug aus Syrien, mit dem er schon länger geliebäugelt hatte, bei einem Telefonat mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan vor gut einer Woche gefasst. Erdogan habe sein Unverständnis über das fortdauernde US-Engagement in Syrien geäussert, daraufhin habe Trump gesagt, die USA zögen sich zurück.

Die Türkei beklagte sich vor allem über die US-Kooperation mit der Kurdenmiliz YPG in Syrien. Die Türkei sieht in ihr einen Ableger der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK und bekämpft sie deshalb.

mch/sda

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