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Branche hofft auf baldige NormalitätAusländische Touristen warten mit Stornierungen

Internationale Feriengäste lassen die Schweizer Tourismusbranche auf eine baldige Rückkehr zur Normalität hoffen. Nicht alle sind allerdings optimistisch.

Viele in der Branche sind zuversichtlich, weil Stornierungen ausbleiben. Touristen besuchen Ende Januar das Schloss Chillon bei Montreux.
Viele in der Branche sind zuversichtlich, weil Stornierungen ausbleiben. Touristen besuchen Ende Januar das Schloss Chillon bei Montreux.
Foto: Jean-Christophe Bott/Keystone
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Der Schweizer Tourismus hofft, dass er mit der Sommersaison zu einer neuen Normalität zurückkehren kann. Denn Mitte Juni sollen die Grenzen zum benachbarten Ausland wieder aufgehen. Airlines wie Swiss und Edelweiss fliegen wieder und können so ausländische Gäste in die Schweiz bringen.

Für die Tourismusbranche würde dies während der Corona-Krise eine weitere dringend benötigte Einnahmequelle bedeuten. Bislang gingen die Touristiker davon aus, dass sie vor allem mit den inländischen Gästen das Geschäft wieder zum Laufen bringen müssen.

Doch wie gross ist die Lust der ausländischen Touristen überhaupt, ihre Sommerferien in der Schweiz zu verbringen? Die wichtigen Gäste aus Deutschland zögern noch, wie eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey zeigt: Mehr als zwei Drittel der Deutschen geben an, dass sie nicht oder «eher nicht» planen, diesen Sommer ins Ausland zu fahren. Nur gerade 15,5 Prozent wollen «auf jeden Fall» ihre Sommerferien innerhalb Europas verbringen.

Weit weniger deutlich sind die Signale, welche die einzelnen Wirtschaftszweige innerhalb des Tourismus seit der bundesrätlichen Bekanntgabe der Grenzöffnungen erhalten haben: So stellen die Verantwortlichen der Tourismusgebiete fest, dass die ausländischen Gäste mit Stornierungen ihrer Buchungen zuwarten.

«Die ausländischen Gäste rechnen damit, dass sie bei uns im Sommer ihre Ferien verbringen können.»

André Wellig, Marketingchef der Jungfrau Region Tourismus AG

«Das zeigt, dass die Gäste damit rechnen, dass sie bei uns im Sommer ihre Ferien verbringen können», sagt André Wellig, Marketingchef der Jungfrau Region Tourismus AG. «Die Zugriffe auf unseren Websites lassen auch darauf schliessen, dass die Nachfrage an touristischen Dienstleistungen allmählich wieder gefragter ist.»

Aufs Internet allein verlässt sich das Tourismusgebiet im Berner Oberland aber nicht. Wie Tamedia weiss, war Direktor Marc Ungerer im Mai in Hamburg unterwegs, um die Rückkehr der norddeutschen Gäste vorzubereiten.

Zuversicht herrscht ebenfalls bei der Engadin St. Moritz Tourismus AG. «Wir haben von einigen Hoteliers und Ferienwohnungsanbietern sehr positive Rückmeldungen hinsichtlich des Vorbuchungsstands für den Sommer erhalten», sagt Markenchefin Marijana Jakic, ohne jedoch konkrete Zahlen zu nennen.

Pessimistischer ist dagegen die Hotellerie. «Wir gehen davon aus, dass die Gäste aus den Fernmärkten diesen Sommer grösstenteils wegbleiben werden», heisst es beim Dachverband Hotelleriesuisse. Ausländische Gäste sorgen in der Schweiz für 45 von 100 Übernachtungen. Ihre wichtigsten Herkunftsländer sind Deutschland, die USA und Grossbritannien.

Eine am Freitag vorgestellte Studie der Credit Suisse kommt zum Schluss, dass darunter vor allem die Städtehotels in Zürich, Basel und Genf leiden werden. Bessere Aussichten haben im Gegensatz dazu die Hotels in den Berggebieten, die gemäss CS-Untersuchung seit je beliebte Ausflugsziele der Einheimischen waren.

Die Hotellerie als Rückgrat des Tourismus erwirtschaftet einen jährlichen Umsatz von 8,1 Milliarden Franken und beschäftigt über 63000 Vollzeitangestellte. Hotelleriesuisse wird im Juni eine Umfrage bei den Mitgliedern starten, um mehr über das Buchungsverhalten der Gäste für die Sommersaison zu erfahren.

Reisebüros erwarten Flaute im Sommer

Auch die Reisebüros befürchten, dass ihnen diesen Sommer die wichtige Badeferiensaison buchstäblich ins Wasser fällt. Der Grund: Der Mittelmeerraum von Frankreich und Italien allein genügt nicht, um das Geschäft wieder anzukurbeln.

Länder wie Spanien und Griechenland müssten ihre abschreckenden Einreisebeschränkungen lockern. Griechenland und Spanien verlangen aktuell von einreisenden Ausländern, dass sie sich in Quarantäne begeben.

Touristen aus Europa verbringen ihre Ferien in den Schweizer Bergregionen: Dieses Bild möchten die Touristiker diesen Sommer wieder sehen.
Touristen aus Europa verbringen ihre Ferien in den Schweizer Bergregionen: Dieses Bild möchten die Touristiker diesen Sommer wieder sehen.
Foto: Peter Klaunzer / Keystone

«Ob die Schweizer im Sommer zu Hause bleiben, hängt stark von den Grenzöffnungen ab», sagt Walter Kunz, Geschäftsführer des Schweizer Reise-Verbands. «Reisen ins benachbarte Ausland werden sie nur vereinzelt unternehmen.»

Er rechne deshalb damit, dass die Reisebüros diese Sommersaison «höchstens» 20 Prozent des Umsatzvolumens von 2019 erwirtschaften würden. Kunz: «Die Schweizer setzen sich zwar wieder mit dem Thema Reisen auseinander, die Reisebüros dürften davon aber erst im Herbst profitieren.»

Zweiter Tourismusgipfel am Sonntag

Die Touristiker warten gespannt auf den Sonntag und den Mittwoch. Am Wochenende soll in Bern der zweite Tourismusgipfel stattfinden, bei dem sich Bundesrat und Branchenvertreter über das weitere Vorgehen austauschen.

Erwartet wird, dass der Bundesrat am Mittwoch über weitere Öffnungen ab dem 8. Juni entscheidet. Ab diesem Zeitpunkt sollen auch Bergbahnen und die Schifffahrt ihren Betrieb wieder aufnehmen können. Gerade die Hotellerie ist darauf angewiesen, dass die touristischen Angebote in ihrer Gesamtheit zugänglich sind.