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Geldblog: WährungsrisikenAuf Fremdwährungen im Depot setzen?

Viele Privatinvestoren unterschätzen die Gefahren, die mit unterschiedlichen Währungen verbunden sind. Was unser Geldexperte empfiehlt.

Richtiger Markt, «falsche» Währung: Nicht selten machen Währungsverluste allfällige Buchgewinne wieder zunichte.
Richtiger Markt, «falsche» Währung: Nicht selten machen Währungsverluste allfällige Buchgewinne wieder zunichte.
Illustration: Christina Baeriswyl

Ich habe Exchange Traded Funds ETFs in verschiedenen Währungen. Gibt es einen Vorteil, wenn man den identischen ETF in unterschiedlichen Währungen im Depot hat? Und ist es empfehlenswert, Konten in verschiedenen Währungen zu führen? Leserfrage von U. B.

An der Schweizer Börse können Sie ETFs in verschiedenen Währungen erwerben. Aus meiner Sicht gilt es dabei mehrere Aspekte zu berücksichtigen. Für mich macht es aus Sicht eines Schweizer Anlegers allerdings keinen Sinn, einen identischen ETF in unterschiedlichen Währungen zu halten. Erstens tragen Sie dann mit dem gleichen ETF ein Klumpenrisiko, statt mehr zu diversifizieren. Sie haben dann einfach mehrere ETFs in unterschiedlicher Handelswährung. Für Sie als Schweizer Investor ist letztlich aber der Gegenwert in Ihrer Heimwährung – dem Franken – wichtig und nicht die fremde Handelswährung. Die Werte in der fremden Handelswährung werden einfach umgerechnet. Die Handelswährung bedeutet keineswegs eine Währungsabsicherung.

Wenn Sie einen ETF nutzen, der sich etwa auf europäische Aktien oder amerikanische Aktien fokussiert, tragen Sie automatisch ein Währungsrisiko, da die dem ETF zugrundeliegenden Aktien und der mit dem Instrument verbundene Index im konkreten Fall an den Euro oder den US-Dollar gebunden sind, weil die Basiswerte in diesen Währungen gehandelt werden. In einem international breit diversifizierten Depot kommen Sie nicht um Währungsrisiken herum. Ich würde aber darüber hinaus nicht noch zusätzlich bewusst Währungsrisiken eingehen.

Meines Erachtens unterschätzen viele Privatinvestoren die Gefahren, die mit Fremdwährungen verbunden sind. Fremdwährungen beinhalten grundsätzlich immer Chancen und Risiken. Natürlich können Sie, wenn Sie eine gute Nase oder Glück haben, mit einem ETF in Fremdwährung auch rein währungsbedingt einen schönen Buchgewinn machen, wenn etwa der Euro oder der Dollar zum Franken zulegen würde. Schmerzvoll sind aber Währungsverluste. Nicht selten hat man auf die richtigen Märkte gesetzt, die vielleicht deutlich steigen, doch genau dann machen Währungsverluste den Buchgewinn auf dem Instrument kaputt.

Währungsprognosen zu machen, ist extrem schwierig; selbst professionelle Prognosen sind oft falsch.

Darum sollte man sich immer genau darüber Rechenschaft ablegen, wie viel Währungsrisiken man eingehen will und kann. Wenn Sie für sich das Währungsrisiko vermindern möchten, können Sie dies mit einer Währungsabsicherung tun – oft wird dafür auch der angelsächsische Begriff Währungshedge verwendet. Einige ETFs werden mit einer solchen Währungsabsicherung zum Franken angeboten. Dies bietet Ihnen mehr Sicherheit, ist aber nicht gratis und hat höhere Gebühren zur Folge.

Währungsprognosen zu machen, ist extrem schwierig; selbst professionelle Prognosen sind oft falsch. Ein wichtiger Einflussfaktor für die Währungen sind die Zinsen. Wenn diese extrem tief sind oder sinken, sind Investments in dieser Währung für ausländische Investoren weniger attraktiv. Geld fliesst aus der Währung ab. Wenn die Zinsen in einer Währung steigen, fliesst mehr fremdes Geld in diese. Dazu kommt der Faktor Sicherheit. In unsicheren Zeiten fliehen viele in sichere Währungen – etwa in den Schweizerfranken.

Ich empfehle, die Wirkung des Wechselkursrisikos bei ETFs in einer anderen als Ihrer Heimwährung nicht zu unterschätzen und daher in erster Linie in der Heimwährung zu investieren. Für die Anlagen, die Sie aus Diversifikationsgründen oder weil es nicht anders möglich ist, in Fremdwährungen halten, würde ich soweit möglich und sinnvoll einen Währungshedge nutzen. Für den ungesicherten Rest sollten Sie sich bewusst sein, wie hoch Ihre Währungsrisiko im Depot ist und dieses realistisch einschätzen. Dann können Sie eher abschätzen, ob Sie dieses tragen können und wollen. Sobald Sie Anlagen in verschiedenen Währungen tätigen und handeln, benötigen Sie sinnvollerweise auch ein Konto in den entsprechenden Währungen. Doch auch dieses gibt es nicht kostenlos. Sie bezahlen für solche Konten in der Regel zusätzliche Gebühren und müssen sich kritisch fragen, ob sich dies für Sie wirklich lohnt.

5 Kommentare
    Greg Casalis

    Bitte schaut die Wertentwicklung über die letzten fünf Jahre des S&P 500 (z.B. das Kürzel SPY), die Wertentwicklungen des SMI u. SPI und die Entwicklung des Wechselkurses USD/CHF an. Es spricht meiner Meinung nach Bände...