Auch als Gruppendritter sieht es gut aus

Die Schweizer Chancen vor dem letzten Spiel der Qualifikation zur Handball-EM.

Notlösung im Mittelblock: Philip Novak (Zweiter von links). Foto: Freshfocus

Notlösung im Mittelblock: Philip Novak (Zweiter von links). Foto: Freshfocus

Am Sonntag in Novi Sad kann die Schweiz den letzten Schritt an die EM-Endrunde 2020 schaffen. Dank des 29:24-Heimsiegs über die Serben im Oktober reichen für die direkte Qualifikation: ein Sieg, ein Punkt, eine Niederlage mit vier Toren Differenz, oder – bei mindestens 24 Auswärtstoren – sogar eine Niederlage mit fünf Toren Differenz.

Und wenn die Schweizer all diese Vorgaben verpassen? Dann müsste schon alles Pech der Handballwelt zusammenkommen, würden sie nicht als einer der vier besten Dritten der acht Gruppen zum ersten Mal nach 2006 wieder an einem grossen Turnier auftreten. Zur Ermittlung der besten Gruppendritten zählen nur die Resultate des Dritten gegen die Nummern 1 und 2 der Gruppe. Vor dem letzten Spieltag ist klar: Sollte die Schweiz Dritte werden, hat sie Rumänien (Gruppe 6) und Italien (Gruppe 7) bereits jetzt definitiv hinter sich. Läuft in der Gruppe 1 alles normal, hat auch Israel keine Chancen. Gewinnt in der Gruppe 3 Island gegen die Türkei und Nord-Mazedonien gegen Griechenland, sind die Türken ohne Punkte Dritte.

Auch die Bosnier bleiben hinter der Schweiz, wenn sie in Tschechien nicht punkten (die Schweizer dürfen aber in Serbien nicht mit mehr als 7 Toren Differenz verlieren). Holland hat eine kleine Chance mit einem Heimsieg über die Letten. Sicher ist, dass entweder Montenegro oder die Ukraine aus der Gruppe 8 zu den vier besten Dritten zählt. Siegen die Griechen in Nord-Mazedonien, haben sie plötzlich 4 Punkte und wären vor der Schweiz. Serbien übrigens würde bereits ein knapper Sieg über die Schweiz für die Qualifikation als Gruppendritter reichen; die beiden Teams könnten sich also an die EM schaukeln.

Andy Schmid – der Beste

In Novi Sad haben es die Schweizer in der Hand, Rechnereien hinfällig zu machen. Ihnen ist zuzutrauen, dass sie die Ausgangslage gegen Serbien, den 18. der WM 2019, nutzen. Defensiv wirds gegenüber dem 28:33 am Mittwoch in Zug gegen Kroatien aber auf jeden Fall eine Steigerung brauchen. Vier taugliche 6-0-Verteidiger fehlen verletzt. Dass Philip Novak, der in dieser Saison wenig mehr Aufgebote fürs NLA-Team der Kadetten Schaffhausen (14) erhielt als fürs Nationalteam (8), von Beginn weg im Mittelblock verteidigte, sagt viel über die Kreativität von Nationaltrainer Michael Suter und über die personelle Lage.

Im Angriff, wo der angeschlagene Roman Sidorowicz nur kurz auftauchte, müsste Andy Schmid verstärkt Unterstützung erhalten. 15 der 28 Tore gegen die Kroaten erzielte er selbst. «Er hat gezeigt, dass er der Beste ist», erhielt der Spielmacher internes Lob von Rechtsaussen Cédrie Tynowski. «Was die Cleverness, das Spielverständnis und die Abgezocktheit angeht, gibts international keinen Zweiten.» Mit 48 Treffern ist Schmid überlegen Topskorer der EM-Qualifikation, vor Nord-Mazedoniens Kiril Lazarov (37 Tore) und Mikkel Hansen (33), dem Olympiasieger und Weltmeister aus Dänemark.

Schmid wie am Mittwoch, mehr Torgefahr der weiteren Leute im Rückraum und am Kreis, mehr Einfluss von Abwehr und Torhütern – dann wird die Schweiz in Serbien bestehen und die Platz-3-Kalkulation anderen überlassen dürfen. (jch/ust)

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