Glücklich ohne Social Media

Eine neue Studie belegt: Wer sein Facebook-Konto deaktiviert, fühlt sich besser.

Facebook aus, glücklich sein? Das blaue F spiegelt sich in einem Auge.<p class='credit'>(Bild: Keystone Gaëtan Bally)</p>

Facebook aus, glücklich sein? Das blaue F spiegelt sich in einem Auge.

(Bild: Keystone Gaëtan Bally)

Mathias Möller@mmmatze

Vier Wissenschaftler der Universitäten von New York und Stanford haben herausgefunden, dass sich eine Facebook-Abstinenz positiv auf das Wohlbefinden auswirkt. Für ihre Studie warben sie 2844 Facebook-Nutzer an, die ihr Konto vier Wochen lang deaktivierten. Diese wurden dann in eine Test- und eine Kontrollgruppe eingeteilt.

Vor, während und nach dieser Zeit massen die Forscher verschiedene Parameter. Das Ergebnis: Das Stilllegen des Facebook-Kontos hatte zwar nur kleine, aber relevante Verbesserungen des Wohlbefindens zur Folge. Vor allem in den Bereichen Glücksempfinden, Zufriedenheit, Depression und Angstzustände waren sie messbar.

Die Probanden verbrachten während der Testphase darüber hinaus nicht nur weniger Zeit auf anderen Social-Media-Plattformen, sondern grundsätzlich weniger Zeit online. Die frei gewordene Zeit nutzten sie für anderweitigen Medienkonsum wie Fernsehen oder Treffen mit Freunden und Familie.

Der Enthaltsamkeits-Effekt hält an

Auch die politische Polarisierung liess für den Zeitraum der vier Wochen leicht nach – die zunehmende Radikalisierung von politischen Einstellungen ist ein oft zitierter negativer Effekt von Social-Media-Nutzung, speziell auf Facebook.

Auch nach Beendigung des Experiments hielt der Enthaltsamkeits-Effekt an: Die Studienteilnehmer gaben zu Protokoll, dass sie Facebook auch künftig weniger nutzen wollten – die Probanden aus der Testgruppe deutlich öfter als die der Kontrollgruppe. Einige Wochen nach dem Ende der Studienphase wurden die Teilnehmenden erneut befragt.

Es zeigte sich, dass ihre Facebook-Nutzung tatsächlich fast um ein Viertel (23 Prozent oder 12 Minuten) zurückgegangen war. 5 Prozent der Probanden hatten ihr Facebook-Konto auch neun Wochen nach der freiwilligen Auszeit noch nicht wieder aktiviert.

Wer Facebook fernbleibt, ist auch schlechter informiert

Das Experiment zog allerdings auch negative Folgen nach sich: Der Nachrichtenkonsum der Teilnehmenden hatte sich in der Testzeit quantitativ um 15 Prozent verringert. Das Abstellen von Facebook hatte zur Folge, dass die Studienteilnehmer schlechter über die allgemeine Nachrichtenlage informiert waren und weniger auf das politische Geschehen achteten.

Die Akademiker sind sich durchaus bewusst, dass ihre Studie Schwächen hat. So könne sich bei einem längeren Facebook-Verzicht das Wohlbefinden stärker verändern – im Positiven wie im Negativen. Wer länger nicht auf Facebook ist, wird für Nachrichten und Tagesgeschehen andere Quellen finden.

Darüber stelle das Sample der Teilnehmenden keinen verlässlichen Durchschnitt der Bevölkerung dar – die Probanden waren eher jung, überdurchschnittlich gut gebildet, politisch eher links eingestellt und hatten angegeben, Facebook täglich länger als 15 Minuten zu nutzen. Eine Verallgemeinerung der Ergebnisse ist also mit Vorsicht zu geniessen – und doch bestätigt die Studie das, was man seit längerem geneigt ist, zu glauben.

Redaktion Tamedia

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