Der Tiger und das Edelweiss

Langnau

Tassen, Fahnen und Pullover gehören ins Fanartikelsortiment jedes Eishockeyklubs. Ein Edelweisshemd mit lauter kleinen Tigern, das gibt es allerdings nur bei den SCL Tigers. Produziert wird das Hemd mit Kultpotenzial vom Familienbetrieb Jenni in Brienzwiler.

Markus Zahno

Entstanden ist die Idee vor dem 100-Jahr-Jubiläum-Fest der Viehzuchtgenossenschaft Herbligen. Bauernsohn Christoph Bärtschi half dort im OK mit und suchte etwas Passendes zum Anziehen. Schliesslich kaufte er ein Edelweisshemd, der Grundstoff in Grau, die aufgestickten Alpenblumen in Schwarz mit kleinen roten Punkten in der Mitte. Von weitem hätten ihn die Edelweisse an «unser Tigerli» erinnert, berichtet Bärtschi, der bei den SCL Tigers als Leiter Spielbetrieb arbeitet. «Aber das war bloss ein Gedanke – mehr nicht.»

Im darauffolgenden Jahr veränderte sich bei den Tigers vieles. Es kam eine neue Führung, die auf Bescheidenheit setzte und alte Werte wieder aufleben liess. Das gefiel Christoph Bärtschi, und er fragte sich, ob es wohl möglich wäre, ein – zum Image des Traditionsklubs passendes – Hemd mit Tigerköpfen statt Edelweissen ins Fanartikelsortiment aufzunehmen. Er griff zum Telefon und wählte Therese Jennis Nummer.

«Cool», finden die Spieler

Therese Jenni führt mit ihrem Mann das Märithüsli, einen Familienbetrieb in Brienzwiler, der die Original-Edelweisshemden herstellt und an 450 Jahrmärkten im ganzen Land verkauft. Dass es die SCL Tigers und den SC Bern gebe, habe sie gewusst, «ansonsten hatte ich keine Ahnung vom Eishockey», sagt die Frau. Die Idee vom Tigers-Hemd gefiel ihr aber auf Anhieb, und sie begann, Muster in verschiedenen Farben zu entwerfen. Jenes in Anthrazit gefiel den Tigers-Verantwortlichen am besten. Man wurde handelseinig, liess in Österreich den entsprechenden Stoff weben – «in der Schweiz macht das niemand mehr» – und vernähte ihn daheim in Brienzwiler zu Hemden.

So kommt es, dass das Langnauer Eishockeyunternehmen in seinem neuen Fanartikelkatalog erstmals «Original-Edelweisshemden im Tigers-Look» präsentiert, mit oder ohne Kragen, von Kindergrösse 80 bis XXL. Und obschon das exklusive Bekleidungsstück (92 oder 95 Franken für Erwachsene) etwas mehr kostet als die üblichen Edelweisshemden (80 Franken), sind bereits etliche Bestellungen eingegangen. «Die ersten Reaktionen waren sehr positiv», berichtet Christoph Bärtschi, «auch die Spieler finden es eine coole Idee.» Verteidiger Jörg Reber übernahm sogar den Job als Hemdenmodel.

Schweizweit geschützt

Tradition ist trendy. Das lässt sich nicht nur an den Zuschauerzahlen bei den Schwingfesten ablesen, sondern auch an den Absatzzahlen der Edelweisshemden. «Wir erleben im Moment einen Boom», sagt Therese Jenni. Irgendwann dürfte dies aber ändern, weshalb das Märithüsli immer wieder neue Ideen umsetze. Zum Beispiel jene der Tigers. «So etwas gibt es sonst noch von keinem Sportklub», erklärt Jenni. Und so einfach macht es auch kein anderer nach: Das Tigers-Edelweisshemd ist nämlich schweizweit geschützt.

Am Saison-Kick-off am Samstag gibt es das Hemd zum ersten Mal zu kaufen. Christoph Bärtschi ist gespannt, wie es beim Publikum ankommt. Würde er in nächster Zeit wieder eine Jubiläumsviehschau mitorganisieren – er wüsste jedenfalls, was anziehen

Berner Zeitung

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