Ausschaffung nach über 10 Jahren

Wangen

Die Wangener Dorfbevölkerung macht sich für eine serbisch-kosovarische Familie stark. Mit einer Petition fordert sie bei Karin Keller-Sutter Asyl.

Hat Post aus Wangen erhalten: Justizministerin Karin Keller-Sutter.

Hat Post aus Wangen erhalten: Justizministerin Karin Keller-Sutter.

(Bild: Urs Jaudas)

Die Familie Fetahi soll ausgeschafft werden. So hat es das Bundesverwaltungsgericht entschieden. Dagegen hat nun ein Wanger Ehepaar eine Petition lanciert. In ihrem Schreiben wenden sich Christian und Esther Kuhle direkt an Bundesrätin Karin Keller-Sutter (FDP).

Im Appell wird die Lebensgeschichte von Redzep und Alltane Fetahi aufgerollt: Als serbischer Staatsbürger mit albanischer Herkunft ist er bereits im August 2008 in die Schweiz gereist. In Serbien drohe ihm eine langjährige Haftstrafe, da ihm die Regierung vorwerfe, nach dem Kosovokrieg aufseiten der albanischen Freiheitskämpfer weitere Gefechte geführt zu haben. Sie – eine Kosovarin – folgte ihrem Gatten 2011. Ein Leben in Kosovo sei für die Familie ebenfalls nicht möglich. Da Redzep Fetahi nicht zum kosovarischen Clan gehöre, sei seine Frau aus ihrer Familie verstossen und er mit dem Tod bedroht worden.

«Eine Katastrophe»

Seit über zehn Jahren lebt er inzwischen in der Schweiz, sie deren acht. Das Ehepaar hat zwei Söhne, die den Kindergarten in Wangen besuchen. Die Familie sei im Städtli bestens integriert und habe sich noch nie etwas zuschulden kommen lassen. Das Ehepaar Kuhle kennt die Fetahis aus der evangelischen Freikirche Wiedlisbach. «Müssen sie zurück, ist das für sie eine Katastrophe», sagt Christian Kuhle. Zumal er nicht verstehen kann, wieso erst jetzt die Ausschaffung beschlossen wurde.

Ins selbe Horn stösst Gemeindeschreiber Peter Bühler. Zwar stelle sich die Gemeinde nicht grundsätzlich gegen die Handhabung des Kantons und des Bundes. «Es kann aber nicht sein, dass Leute so lange hingehalten werden.» Über die unzumutbaren Zustände, welche die Fetahis laut den Petitionären in der Heimat erwarten, will sich Bühler nicht äussern. «Die zuständigen Stellen sind diesbezüglich besser im Bild.»

Im Dezember 2014 wurde dem Ehepaar das Asyl erstmals verweigert – über sechs Jahre nach Redzep Fetahis Einreise und Gesuch. Daraufhin stellte die Familie ein Härtefallgesuch beim zuständigen Migrationsamt des Kantons Bern – dieses wurde bewilligt. Das Staatssekretariat für Migration verweigerte jedoch die nötige Zustimmung. Gegen diesen Entscheid erhob die Familie Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht. Ohne Erfolg. Ihre Unterstützer haben die Hoffnung aber noch nicht aufgegeben und schon über 100 Unterschriften gesammelt. Neben der Gemeinde und Schule sowie der evangelischen Freikirche steht auch der Fussballclub Wangen hinter den Fetahis.

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt