«Ich schaue immer vorwärts»

Wilderswil

Am Jungfrau-Pararace-Gönnerabend erzählte Paralympics-Siegerin Sandra Graf aus ihrem Leben. Sie beeindruckte das Publikum mit ihrem Optimismus.

Sandra Graf mit Jungfrau-Pararace-Rennleiter Walter Hintermeister (links), Jungfrau-Marathon-OK-Präsident Christoph Seiler (2. von rechts) und dem Spiezer Juniorenhandbiker Fabian Recher am Gönneranlass in Wilderswil.

Sandra Graf mit Jungfrau-Pararace-Rennleiter Walter Hintermeister (links), Jungfrau-Marathon-OK-Präsident Christoph Seiler (2. von rechts) und dem Spiezer Juniorenhandbiker Fabian Recher am Gönneranlass in Wilderswil.

(Bild: Sibylle Hunziker)

Sport hat der Bauerntochter aus Gais schon immer viel bedeutet. «In der Jugend fuhr ich zwar nicht so erfolgreich Skirennen wie meine beiden Schwestern», erinnerte sich Sandra Graf am Freitag in Wilderswil. «Aber ich verbrachte meine ganze Freizeit mit Sport.»

Doch am 17.September 1992, beim ganz gewöhnlichen Turnen im Damenturnverein, fiel Sandra Graf bei einer Übung von den Ringen und konnte nicht mehr aufstehen. «Als ich nach der Operation auf der Intensivstation aufwachte, wusste ich sofort, was passiert war.» Von da an war ihr Ziel klar: Wieder selbstständig werden. «Ich hatte Riesenglück: Meine Familie und mein Umfeld haben mich immer unterstützt; ich bin Optimistin; und ich habe nur eine Paraplegie davongetragen und konnte meine Arme und Hände nach wie vor brauchen.»

Kraft für den Alltag

Schon in der Rehabilitation in Nottwil begann sie zu trainieren, lernte schon bald wieder Skifahren. Ihre Leidenschaft wurden aber der Rennrollstuhl und das Handbike. Beide Sportarten konnte sie vereinbaren mit ihrem privaten Glück, der Familiengründung und der Geburt ihrer beiden Töchter. «Und das Training gab mir Kraft, die ich auch im Alltag gut brauchen konnte.»

«Vorwärts schauen» ist das Motto, nach dem Sandra Graf ihr Leben gestaltet und nach dem sie an internationalen Marathons und Olympiaden nicht nur regelmässig Spitzenplätze eroberte, sondern auch Enttäuschungen überwand – bis an den Paralympics in London 2012 mit der Goldmedaille im Handbike-Zeitfahren ein Traum in Erfüllung ging.

Emotionen verbinden

Ruhig und doch packend erzählte die Olympiasiegerin, die schon seit dem ersten Jungfrau-Pararace 2008 immer wieder am Jungfraumarathon teilnimmt und auch am kommenden 13.September wieder am heute grössten Marathon der Schweiz erwartet wird. Organisiert wird der Pararace wie üblich von den Initianten Bea und Walter Hintermeister und dem Kiwanis-Club.

Dank den Freiwilligen und zahlreichen Sponsoren ist der Anlass selbsttragend; und mit Rahmenprogrammen während des Jungfraumarathons und mit dem Gönnerabend im Frühling betreiben Sportler und Sportbegeisterte auch gemeinsam Fundraising für die Unterstützung des Breitenbehindertensports in der Region und darüber hinaus. Walter Hintermeisters Ziel ist die Gleichberechtigung, ob die Menschen nun mit oder ohne Handicap starten. Beim Sport macht er noch Nachholbedarf aus – aber auch ein grosses Integrationspotenzial: «Freude und Emotionen im Sport verbinden uns alle.»

Allerdings scheint die Sportbegeisterung im Berner Oberland auch besonders gross zu sein, wie Christoph Seiler, OK-Präsident des Jungfraumarathons, mit Blick auf die ohne Werbung bereits ausverkauften Plätze und die 1700 Helferinnen und Helfer feststellte. Und nach Sandra Grafs Auftritt am Freitag und den anschliessenden Gesprächen mit der ungewöhnlichen Sportlerin und dem Spiezer Juniorenhandbiker Fabian Recher kamen wohl etliche neue Enthusiasten dazu.

Berner Oberländer

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