Nach Grossbrand in Zürich: Gebäude wird gesichert

Die nach dem Brand am Zürcher Bahnhofquai von der Polizei angeordneten Sperrungen konnten wieder aufgehoben werden.

Grossbrand am HB: Drohnenaufnahmen des Brandes und Augenzeugenvideos der Explosionen zeigen das Ausmass. (Tamedia)

Das Wichtigste in Kürze:

  • Am Zürcher Bahnhofquai ist am frühen Samstagmorgen ein leer stehendes Geschäftshaus in Brand geraten.
  • Die meterhohen Flammen waren weitherum sichtbar, es gab zwei Explosionen von Gasflaschen, ein Trümmerteil flog 200 Meter weit bis auf die Bahnhofstrasse. Gegen vier Uhr brachten die Rettungskräfte das Feuer unter Kontrolle.
  • Am Gebäude entstand ein immenser Sachschaden, es ist einsturzgefährdet.
  • Ein Polizist zog sich bei den beiden Explosionen ein Hörtrauma zu.
  • Eine grossräumige Sperrung konnte am Sonntagmorgen wieder aufgehoben werden.

Nachdem die Statiker den betroffenen Gebäudekomplex untersucht und ihre Einschätzung der Polizei mitgeteilt haben, konnten die angeordneten Sperrungen und Verkehrsbeschränkungen nach und nach aufgehoben werden. Somit kann auch die Unterführung vom Landesmuseum in Richtung Rudolf-Brun-Brücke wieder in beide Richtungen befahren werden.

Weiterhin komplett gesperrt bleibt der für den Fliessverkehr nicht wichtige Strassenabschnitt direkt vor dem Gebäude am Bahnhofquai, wie die Stadtpolizei Zürich am Sonntagmorgen mitteilt. Der Bahnhofplatz und die Bahnhofbrücke im Bereich Central bis Hauptbahnhof wurden in der Nacht auf Sonntag wieder für Autos, Busse und Trams freigegeben.

Sperrung wegen Einsturzgefahr

Neben dem Zürcher Hauptbahnhof ist am frühen Samstagmorgen ein leer stehendes Geschäftsgebäude in Brand geraten. Die meterhohen Flammen waren weitherum sichtbar. Die Rettungskräfte brachten das Feuer im Dachstock mit einem Grossaufgebot gegen vier Uhr unter Kontrolle.

Drohnenaufnahmen der Stadtpolizei Zürich zeigen das Ausmass des Grossbrandes. (Video: Tamedia mit Material der Stadtpolizei Zürich)

Das Haus galt am Samstag als einsturzgefährdet, weshalb das Gebiet grossräumig für jeglichen Verkehr gesperrt wurde. Der Sachschaden ist laut Polizei immens. Am Samstagnachmittag wurde mit dem Abbau des Baugerüsts am Gebäude begonnen. Zudem wurde die Fassade gesichert, wie Schutz & Rettung mitteilte.

Unter anderem wegen der instabilen Bausubstanz im betroffenen Gebäudekomplex blieb die Unterführung vom Landesmuseum bis zur Rudolf-Brun-Brücke zuvor länger als andere Orte für jeglichen Autoverkehr gesperrt.

Alarm um 2.16 Uhr

Der Brand brach am frühen Samstagmorgen aus. Die Rettungskräfte wurden um 2.16 Uhr alarmiert, wie ein Sprecher von Schutz & Rettung Zürich vor Ort der Nachrichtenagentur SDA sagte. Die Flammen schlugen meterhoch aus dem Dach und waren in der Stadt von weither zu sehen. Innert kurzer Zeit gingen bei der Polizei über 50 Notrufe ein, einer auch aus der Nachbargemeinde Kilchberg.

Als die Feuerwehr vor Ort eintraf, stand der Dachstock des Eckhauses am Bahnhofplatz und am Bahnhofquai in Vollbrand.

Die Rettungskräfte standen nach eigenen Angaben mit einem Grossaufgebot im Einsatz, um das Feuer einzudämmen und ein Übergreifen auf andere Gebäude zu verhindern. Die Feuerwehrleute bekämpften den Brand von Drehleitern und Hubrettern von mehreren Seiten aus. Noch am Morgen löschten sie Glutnester.

«Schaden ist immens»

Im Einsatz standen neben der Berufs- und Milizfeuerwehr Zürich sowie Schutz & Rettung auch die Stützpunktfeuerwehren von Wallisellen und Kloten. Hinzu kamen Polizei, Elektrizitätswerk und Verkehrsbetriebe.

Nach Ausbruch des Feuers waren noch viele Passanten und Nachtschwärmer unterwegs. Als die Feuerwehr vor Ort eintraf, stand der Dachstock des Eckhauses am Bahnhofplatz und am Bahnhofquai in Vollbrand. Die Flammen breiteten sich rasch vom Dachstock her aus. Insbesondere der Hausteil am Bahnhofquai wurde schwer beschädigt. Der Sachschaden ist gemäss Schutz & Rettung immens.

Die Brandursache sei noch unklar, sagte Polizeisprecher Marco Cortesi der Nachrichtenagentur SDA. «Die Brandermittler der Kantonspolizei waren schon im Gebäude, es wird aber noch längere Zeit dauern, bis wir etwas Genaueres sagen können», so Cortesi. Was man wisse, sei, dass kurz nach 2.15 Uhr erste Meldungen bei der Polizei eingegangen seien und in der Folge zwei heftige Explosionen stattgefunden hätten. «Es sind Trümmerteile bis zu 200 Meter weit davongeflogen. Glücklicherweise wurde dabei niemand verletzt.»

«Trümmerteile flogen 200 Meter weit»: Polizeisprecher Marco Cortesi über das Feuer beim Hauptbahnhof. (Video: SDA)

Eine Mitarbeiterin der SDA berichtete von zwei deutlich hörbaren Explosionen in der Stadt. Diese ereigneten sich gegen 2.30 Uhr. Laut Angaben des Behördensprechers ist beim Brand mindestens eine Gasflasche explodiert. Man habe entsprechende Trümmer gefunden. Ein Leserreporter von «20 Minuten» hat die zweite Explosion auf Video festgehalten.

So heftig waren die Explosionen. (Video: Tamedia/Leserreporter)

Polizist wurde verletzt

Beim Brand explodierte mindestens eine Gasflasche. Ein Trümmerteil wurde nach Behördenangaben rund 200 Meter durch die Luft geschleudert. Bei ersten Abklärungen fand die Polizei an der Bahnhofstrasse ein zwei Kilogramm schweres Metallteil einer Gasflasche. Hinweise auf ein Delikt gibt es nicht.

Bei den beiden Explosionen zog sich ein Polizist ein Hörtrauma zu. Er musste sich im Verlauf des Samstags einer ärztlichen Untersuchung unterziehen. Von Verletzten ausser dem Polizisten hatten die Rettungskräfte am Morgen nach eigenen Angaben keine Kenntnis. In dem betroffenen Gebäude fanden seit einiger Zeit Bauarbeiten statt. Es war unbewohnt.

Polizei sucht Zeugen

Das Haus wurde durch den Brand weitgehend zerstört. Wegen der Grösse des Schadenplatzes und zur Sicherheit der Bevölkerung sperrte die Polizei den Bahnhofplatz und umliegende Strassenabschnitte grossräumig ab. Strassen und auch Geschäfte in der Nähe bleiben für längere Zeit gesperrt, weil das Gebäude einsturzgefährdet ist. Der Tram- und Busverkehr am Bahnhofplatz wurde eingestellt. «Die Innenstadt sollte gemieden werden», sagt Cortesi.

Die Unterführung vom Landesmuseum zur Rudolf-Brun-Brücke wurde wegen der Einsturzgefahr gesperrt. Die Coop-Filiale in einem Nachbargebäude blieb vorerst geschlossen. Zudem wurde der Tram- und Busverkehr am Bahnhofplatz eingestellt.

Die Brandursache ist Gegenstand von Ermittlungen. Diese führen die Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl, Detektive der Stadtpolizei sowie Brandermittler der Kantonspolizei durch. Die Polizei sucht Zeugen.

NN/sda

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