Die Apotheke wird zum Hanfladen

Bis zu 1000 Kiffern möchte die Stadt Bern einen Ausweis aushändigen, damit sie legal in der Apotheke Cannabis kaufen können. Kritik gibts aus dem Grossen Rat.

Realität in Colorado, USA: Cannabis aus der Apotheke.

Realität in Colorado, USA: Cannabis aus der Apotheke.

(Bild: Getti Images)

Kiffer weltweit warten auf die grosse Drogenrevolution und zählen Beispiele auf: Colorado, Washington State, Uruguay. Sie alle haben kürzlich Cannabis legalisiert. In diese Liste möchte sich nun auch die Stadt Bern einreihen. Geht es nach Gemeinde- und Stadtrat, soll hier Cannabis legal werden.

Gemeinderätin Franziska Teuscher (GB) präsentierte am Montag ein Pilotprojekt, welches vorsieht, dass Stadtberner Apotheken versuchsweise Cannabis verkaufen. Die lange diskutierte Variante mit sogenannten «Social Clubs» in denen gekifft wird, ist vom Tisch. «Apotheken haben eine bestehende, professionelle Infrastruktur», so Teuscher. Das Modell werde breiter akzeptiert.

Ob das Projekt gestartet werden kann, entscheidet das Bundesamt für Gesundheit (BAG). Eine Bewilligung kann möglich sein, wenn das Projekt mit einer wissenschaftlichen Studie verbunden wird. Zu diesem Fazit kommt ein externes Rechtsgutachten, das die Firma Pharmalex der Stadt erstellt hat (siehe Kasten). Das Institut für Sozial- und Präventivmedizin der Universität Bern wird nun das Forschungsprojekt erarbeiten.

Bis vier Monate wird das dauern und 20'000 Franken kosten. Als Nächstes stellt Bern ein Gesuch an die kantonale Ethikkommission. In der zweiten Jahreshälfte 2016 will sie beim BAG ihr definitives Gesuch einreichen – zusammen mit anderen Städten, darunter Basel, Zürich und Genf.

Registrieren vor dem Kiffen

Mindestens 18-jährig, Wohnsitz in Bern und Erfahrung im Cannabiskonsum – wer mitmachen will, muss einige Kriterien erfüllen. Auch gewisse Medikamente, eine Schwangerschaft oder psychia­trische Betreuung seien Ausschlussgründe, so Matthias Egger von der Uni Bern. Er rechnet mit 100 bis 1000 Teilnehmern. Nach der Registrierung erhalten sie einen Ausweis, der sie als Probanden kennzeichnet. Der Konsum soll nur in den eigenen vier Wänden erlaubt sein. «Wir wollen ­niemanden zum Cannabiskonsum verleiten», so Teuscher. Bern solle nicht zum Kifferparadies werden.

Wo die Stadt das Marihuana beziehen wird, steht noch nicht fest. Im Gespräch sind die Produzenten für medizinische Zwecke sowie Importe aus dem Ausland, etwa aus Holland. Maximal 5 Gramm sollen pro Besuch bezogen werden dürfen, das Limit sind 15 Gramm im Monat. Preislich will sich die Stadt dem Schwarzmarkt anpassen. Auch soll beobachtet werden, wie dieser reagiert.

Für das Projekt wird die Stadt in 18 Studienbezirke aufgeteilt. Eine bis drei Apotheken pro Bezirk sollen mitmachen. Auch wollen die Behörden überprüfen, ob in den 30 Monaten des Pilots mehr Bussen, Notfälle oder derlei Dinge im Zusammenhang mit Marihuana vorkommen.

Apotheker wollen Geld

«Ich bin der Studie gegenüber positiv eingestellt. Ich hoffe, dass es die anderen Apotheker auch so sehen», sagt Martin Emch, Präsident des Stadtbernischen Apothekervereins: Der Grossteil seiner Kollegen wusste bis jetzt noch nichts von seinem Glück. Die Sache sei vertraulich behandelt worden. «Im Vorstand gab es unterschiedliche Meinungen», so Emch. Die Herausforderung werde sein, abzuschätzen, wie viele Leute vom Angebot Gebrauch machen werden. Auch die Frage der Entschädigung für die teilnehmenden Apotheken gelte es zu klären. Die Stadt kann noch nicht sagen, wie viel das Projekt kosten wird, schielt aber bereits auf eine Mitfinanzierung durch den Nationalfonds.

Eine Cannabisabgabe für einen kontrollierten Markt sei überfällig, sagt GLP-Grossrätin Barbara Mühlheim, die die heroingestützte Behandlung Drogensüchtiger Koda in Bern leitet. Bedenken hat die Suchtexpertin allerdings, ob das BAG unter der heutigen Gesetzgebung dem Pilotprojekt überhaupt zustimmen wird.

Berner Zeitung

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