Dreister Putzer verlangt einen Finderlohn

Langenthal

Damit sie ihr Handy wieder bekommt, zahlte ein Mädchen nach der Fasnacht Geld. Der Finder, ein Werkhof-Mitarbeiter verlangte einen Finderlohn.

Ein Werkhof-Mitarbeiter verlangte nach der Fasnacht einen Finderlohn für ein gefundenes Handy. Rechtens war das nicht.

Ein Werkhof-Mitarbeiter verlangte nach der Fasnacht einen Finderlohn für ein gefundenes Handy. Rechtens war das nicht.

(Bild: Thomas Peter)

Julian Perrenoud@bernerzeitung

In den frühen Morgenstunden des letzten Fasnachtstags sucht ein Mädchen mit einer Freundin verzweifelt nach ihrem in der Nacht verlorenen Mobiltelefon. Sie konnten dieses bereits in der Langenthaler Marktgasse orten, allerdings fehlt dort vom Gerät jede Spur.

Zwei Jugendliche helfen auf der Gasse bei der Suche mit, die sie zu einer Putzequipe des Werkhofs führt. Und siehe da, sie haben Glück: Einer der Männer hatte doch tatsächlich das Handy am Boden gefunden. Laut den Aussagen der Mutter eines der Mädchen verlangt der Werkhof-Angestellte jedoch Gebühren von 20 Franken in bar, ehe er das Telefon herausrückt. Dies sei für gefundene Gegenstände üblich. Nach langer Diskussion legen die Jugendlichen ihr letztes Geld zusammen– 18 Franken. Das reicht, und das Handy geht zurück an seine Besitzerin.

Tags darauf meldet sich die Mutter des Mädchens, das bei der Suche mitgeholfen hat, bei dieser Zeitung. Das nächste Langenthaler Fasnachtsmotto müsse wohl «Jede Franke zöut» heissen. Ob diese Gebühr denn wirklich rechtens sei, will sie wissen.

Ist sie nicht. Ein Blick ins städtische Gebührenreglement zeigt: Die Vermittlungsgebühren für Fundgegenstände betragen lediglich 5 Franken. Zudem wird die Gebühr nur fällig, wenn ein Gegenstand auf dem Fundbüro des Polizeiinspektorats abgegeben wird und die betroffene Person diesen dort abholt.

Leiter reagiert umgehend

«Der Finder hat Anspruch auf einen angemessenen Finderlohn», sagt Judith Voney, Vorsteherin des Amtes für öffentliche Sicherheit. Aus Datenschutzgründen vermittelt das Polizeiinspektorat diesen zwischen den beiden Parteien. Ein Verfahren, bei dem städtische Mitarbeitende die Vermittlungsgebühr direkt einziehen würden, ist Voney nicht bekannt.

Gar keine Freude am Vorfall hat Werkhof-Leiter Hanspeter Zingg. Auf Anfrage teilt er mit, dass er sich sehr geärgert, den Fehlbaren ausfindig gemacht und ihm das Geld abgenommen habe. «Ich kann dieses Vorgehen eines mir unterstellten Mitarbeitenden nicht nachvollziehen», sagt er. Ob nun ein Verweis fällig wird, muss er erst mit seinem Vorgesetzten besprechen. Zingg will nun dem Mädchen das Geld zurückerstatten – mit einem Zustupf seinerseits. Als Wiedergutmachung für den Ärger.

Langenthaler Tagblatt

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