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Langenthals Torhüter Philip WüthrichAbgang durch die Hintertür

Durch den vorzeitigen Saisonabbruch konnte sich Langenthals Torhüter Philip Wüthrich nicht auf dem Eis von den Fans verabschieden.

Philip Wüthrich (links) war auch in der zu Ende gegangenen Saison ein sicherer Rückhalt für den SCL.
Philip Wüthrich (links) war auch in der zu Ende gegangenen Saison ein sicherer Rückhalt für den SCL.
Foto: Leroy Ryser

Wie stellt sich ein Playoff-Held den Abschied bei einem Club vor, mit dem er einen Meistertitel gewinnen konnte? «Anders», ist die erste Antwort von Philip Wüthrich, beim Swiss-League-Titel 2019 einer der wichtigsten Spieler im Team des SC Langenthal. «Eigentlich hätte ein normales Spiel genügt. Egal ob Sieg oder Niederlage», sagt der Torhüter weiter. Der 22 Jahre junge Eishockeyspieler wird in der nächsten Saison beim SC Bern das Tor hüten und verlässt deshalb nach dem Saisonabbruch Langenthal ohne Standing Ovations der Fans durch die Hintertür. «Die letzten zwei Wochen waren seltsam. Das Spiel ohne Zuschauer, dann die Pause, das Hin und Her und zuletzt der Abbruch. Das alles war sehr speziell», erzählt Wüthrich. Immerhin habe er eine Playoff-Serie spielen können, den National-League-Clubs sei dies ja sogar gänzlich verwehrt geblieben. Umso mehr würden für ihn jetzt aber offene Fragen dastehen, die keine Antwort mehr finden. Wie weit hätte es der SC Langenthal noch geschafft? «Wir hatten viel Selbstvertrauen. Das hätte uns gegen Kloten helfen können», findet der Torhüter. Die letzten beiden Spiele in den Viertelfinals gegen Olten habe man sehr solid gespielt und kaum Chancen zugelassen. «Wir haben gewusst, dass wir gegen alle Teams bestehen können – auch gegen Topteams. Und genau das haben wir nun auch noch bewiesen.» Auch das hätte ein Indikator sein können, dass man auch gegen Kloten erfolgreich hätte sein können.

Familiärer Umgang

Dass für ihn zugleich die Zeit beim SC Langenthal endet, sei ein zusätzlicher Wermutstropfen. Die Zeit im Oberaargau will er aber in bester Erinnerungen behalten, zweifellos sei der Meistertitel das ganz grosse Highlight darin gewesen. «Aber auch sonst habe ich mich hier im Team und im Verein sehr wohlgefühlt. Der Club hat einen sehr familiären Umgang», sagt Wüthrich. Dazu kommen mit dem überraschenden Erfolg in der Serie in diesem Jahr gegen Olten und dem Sieg in der dritten Verlängerung vor heimischem Publikum weitere Höhepunkte. «All diese Erinnerungen werde ich nicht vergessen, ich hatte hier eine tolle Zeit», sagt der Schlussmann. Er sei dankbar, dass er in Langenthal die Chance erhielt, sich zu beweisen, zudem habe er zwei sehr lehrreiche Jahre erlebt.

16 Siege in 20 Playoffspielen

Obwohl sich Wüthrich damit durch die Hintertür verabschieden muss, passt das Ende dieser zweijährigen Ära dennoch irgendwie. Der 22-Jährige gewann sein letztes Spiel in Gelb-Blau und demonstrierte in den Viertelfinals ein weiteres Mal seine Klasse. Über die letzten 20 Playoff-Duelle gesehen gewann Wüthrich mit dem SCL 16 Mal (!) bei einer Fangquote von durchschnittlich über 94 Prozent. Da scheint es, als wäre der SC Langenthal eine richtig gute Playoff-Mannschaft. «Wir kamen im letzten Jahr in einen Lauf, und ähnlich hat es auch in diesem Jahr ausgesehen», sagt er. Auch wenn die Frage nie beantwortet wird, ob dieser Lauf den SCL gar erneut zum Titelgewinn geführt hätte, so hätte man mit Philip Wüthrich im Tor zumindest davon träumen können. Auch wenn er einen Abgang durch die Hintertür erlebte; auf meisterlichem Niveau hat sich der Goalie aus dem Oberaargau verabschiedet.