Eine tolle Karriere für das Kind lässt sich nicht erzwingen

Der ­Einfluss der ­Erziehung ist letztlich beschränkt; auch Gene sind ­wichtig.

Armin Müller@Armin_Muller

Eltern wollen überall auf der Welt nur das ­Beste für ihr Kind. In reichen Gesellschaften ist es für Eltern das wichtigste «Investitionsobjekt». Kein Aufwand zu gross, um dessen Erfolgs­chancen zu erhöhen.

Das hat manchmal verrückte Folgen. So hat das amerikanische FBI letzte Woche einen ­Betrugsskandal aufgedeckt: Reiche Eltern haben mit Bestechungsgeldern dafür gesorgt, dass ihre Kinder trotz fehlender Eignung an Eliteuniversitäten studieren dürfen. Die Studienplätze an den privaten Unis sind begehrt, weil sie beste Voraussetzungen für die spätere Berufskarriere bieten.

Seit langem bekannt ist die legale Variante der Förderung des eigenen Nachwuchses: ­Reiche Absolventen unterstützen ihre ehemalige Ausbildungsstätte mit grosszügigen Spenden – und sorgen so dafür, dass die Uni das Auf­nahmegesuch ihres Sohnes oder ihrer Tochter sehr wohlwollend behandeln wird.

Eltern verbringen heute im Durchschnitt etwa doppelt so viel Zeit mit ihren Kindern wie vor 60 Jahren.

So weit sind wir in der Schweiz zum Glück noch nicht. Die Tendenz ist aber ähnlich. Je grösser die Ungewissheit über die Arbeitswelt von ­morgen, je grösser die Angst vor den Folgen der ­Automatisierung und Digitalisierung, desto schwerer wiegt der Druck auf die Eltern. Der Aufwand, den vor allem selber gut ausgebildete Eltern betreiben, um ihren Kindern zu helfen, hat gegenüber früher stark zugenommen. Sie kaufen lehrreiches Spielzeug, zahlen für teure Betreuungsplätze, helfen bei den Haus­aufgaben, intervenieren bei der Lehrerin, zahlen Vorbereitungskurse für Prüfungen. Der Abstand zwischen bildungsnahen und bildungsfernen ­Familien wird grösser.

Eltern sollten sich jedoch nicht verrückt ­machen lassen. Der Einfluss der Erziehung ist letztlich beschränkt. Wie die Zwillingsforschung zeigt, spielen die Gene eine wichtige Rolle für den schulischen Erfolg.

Eltern verbringen heute im Durchschnitt etwa doppelt so viel Zeit mit ihren Kindern wie vor 60 Jahren. Auch Väter nehmen sich viel mehr Zeit für ihre Kinder. Zudem zählt die durchschnittliche Familie nur noch ein oder zwei Kinder, während es in den 1960er-Jahren noch drei waren. So konkurrieren weniger Kinder um die knappe Zeit ihrer Eltern.

Wem die Familienzeit mehr Freizeit als Arbeit ist, braucht sich deswegen kein schlechtes ­Gewissen zu machen. Den späteren Erfolg seiner Kinder kann man letztlich nur bis zu ­einem ­gewissen Grad beeinflussen. Aber das Verhältnis zu unseren Kindern, das prägen wir weitgehend selber.

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