Jetzt ist die Standortfrage geklärt

Seeberg

In Grasswil will der Gemeinderat den Schulbetrieb konzentrieren. Den per 2019/2020 zusätzlich benötigten Schulraum stellt er vorerst mit einem Container sicher.

Die Schulanlage im Ortsteil Grasswil soll erweitert werden.

Die Schulanlage im Ortsteil Grasswil soll erweitert werden.

(Bild: Thomas Peter)

Sebastian Weber

Die Gemeinde Seeberg sieht sich mit steigenden Schülerzahlen konfrontiert und muss deshalb zusätzlichen Schulraum schaffen. Weshalb der Gemeinderat letzten November eine Schulraumplanung in Auftrag gegeben hat.

Mittlerweile liegt der Schlussbericht der IC Infraconsult AG aus Bern vor. Dieser zeigt, was bereits vermutet wurde: Die Eröffnung einer zusätzlichen Primarklasse wird zwingend nötig. So steigen die Schülerzahlen auf der Primarstufe gemäss Prognose mittelfristig an. «Längerfristig stagnieren sie auf höherem Niveau», sagt Gemeindepräsident Roland Grütter (BDP). Nach kantonalem Richtplan wird für Seeberg mit einem Bevölkerungswachstum von vier Prozent in fünfzehn Jahren gerechnet.

Kommt hinzu, dass die aktuellen Schülerzahlen die Eröffnung einer Primarklasse eigentlich bereits auf das Schuljahr 2018/2019 hin verlangen würden. Darauf hat der Gemeinderat aber verzichtet. «Einige Klassen werden derzeit im oberen Überprüfungsbereich geführt», bestätigt Grütter auf Nachfrage. «Wir können dies vorläufig unter anderem mit Zusatzlektionen auffangen.» Auf das Schuljahr 2019/2020 hin ist eine Klasseneröffnung allerdings unumgänglich. Gemäss Schulraumplanung sind kurzfristig ein Klassenzimmer und ein Gruppenraum erforderlich. Es handelt sich hierbei um den «Mindest­bedarf».

Organisation wird erleichtert

Diese Räumlichkeiten, auch dies hat der Gemeinderat entschieden, sollen am Standort Grasswil entstehen. Es ist dies ein Entscheid gegen den Schulstandort Seeberg, wo im Dorfschulhaus nur noch eine Kindergartenklasse unterrichtet wird. Der ordentliche Schulbetrieb wurde dort bereits 2002 eingestellt.

Der Gemeinderat teilt mit, dass er sich intensiv mit den Varianten zur Schaffung zusätzlichen Schulraums auseinandergesetzt habe. Seinen Entscheid, den Schulbetrieb mittelfristig in Grasswil zusammenzulegen und den Schulstandort Seeberg aufzuheben, begründet er in seiner Pressemitteilung wie folgt: «Die Konzentrationauf einen Schulstandort erleichtert die gesamte Schulorganisation massgeblich und ermöglicht eine flexiblere Klassenbildung und Raumzuteilung.» Weiter seien keine zusätzlichen Schülertransporte unter den Standorten innerhalb der Gemeinde nötig. Allenfalls zukünftig nötige ausserschulische Betreuungsangebote wie eine Tagesschule müssten ausserdem nur an einem Standort organisiert werden.

«Mit der Schaffung des zusätzlich nötigen Schulraums im Schulhaus Seeberg wäre der Betrieb aus pädagogischer und organisatorischer Hinsicht aufwendiger.» Zudem würden damit die engen Platzverhältnisse in der Schulanlage Grasswil nicht gelöst beziehungsweise fände keine Entlastung statt, und es wäre dort nach wie vor zusätzlicher Raumbedarf vorhanden.

In Grasswil werden aktuell eine Kindergartenklasse sowie zwei Unterstufen- und zwei Mittelstufenklassen unterrichtet.

Kindergarten bleibt vorerst

Der Gemeinderat hat aber auch entschieden, die Kindergartenklasse im Schulhaus Seeberg vorerst beizubehalten. «Es macht keinen Sinn, diese zu schliessen, solange wir noch keine Nachfolgelösung haben», sagt Grütter. So ist für das Schulhausareal zwar das Projekt «Generationen Wohnen Seeberg» entstanden. Dieser Neubau bezieht sich aber in einer ersten Etappe nur auf die unüberbaute Fläche des Areals. Das Schulhaus selbst ist nicht eingebunden, die Zukunft des Gebäudes daher noch offen. Die Liegenschaft weist einen erheblichen Sanierungsbedarf auf.

Die Stimmbürger entscheiden

Die Unterbringung eines weiteren Klassenzimmers und eines Gruppenraums ist am Standort Grasswil ohne einen entsprechenden Erweiterungsbau nicht möglich. Damit dieser realisiert werden kann, reicht die Zeit bis bis zum Beginn des Schuljahres 2019/2020 nicht aus. «Ausserdem können wir zum heutigen Zeitpunkt noch nicht sagen, wie der Bedarf nach einer Tagesschule aussehen wird und wie viele Kindergärten wir benötigen werden», sagt Grütter. «Die genauen Schülerzahlen unterliegen wegen der Zu- und Wegzüge starken Schwankungen.»

Daher soll der zusätzliche Schulraum nun vorerst mittels einer Containerlösung auf der Schulanlage Grasswil sichergestellt werden. Laut Roland Grütter wird für den Kauf mit Kosten von ungefähr 250'000 bis 300'000 Franken gerechnet. «Es gibt aber auch die Möglichkeit, den Container nur zu mieten.» Der nötige Verpflichtungskredit wird den Stimmberechtigten spätestens im Dezember zur Genehmigung vorgelegt.

1,2 Millionen Franken

«Der Container wird voraussichtlich zwei bis drei Jahre genutzt», sagt der Gemeindepräsident. Für die Zeit danach wäre der Bezug des Erweiterungsbaus angedacht. Weshalb der Gemeinderat, parallel zur Bereitstellung des Containermoduls, nun auch Abklärungen für einen solchen Bau treffen wolle, so Grütter. Hierfür werde das Gespräch mit der Gemeinde Wynigen gesucht, mit welcher Seeberg sich 2014 zu einem gemeinsamen Schulbetrieb zusammengeschlossen hatte. «Die Schulraumerweiterungen in den Gemeinden müssen gut aufeinander abgestimmt sein», so Grütter. «Wir müssen uns für die Planung genügend Zeit nehmen.»

Gemäss einer ersten groben Schätzung müsste die Gemeinde für den Erweiterungsbau mit Kosten in Höhe von rund 1,2 Millionen Franken rechnen. Dies würde zwei Klassenzimmer sowie zwei Gruppenräume beinhalten. Ob die Kindergartenklasse im Schulhaus Seeberg anschliessend noch gebraucht und in den Erweiterungsbau verlegt werde, sei zum heutigen Zeitpunkt noch offen, sagt Roland Grütter.

Langenthaler Tagblatt

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