Krokusblüte: Der Verkehr wird zum Problem

Eggiwil

Kaum kursieren die ersten Fotos von blühenden Krokussen auf Rämisgummen, treibt das Wanderer, aber auch Autofahrer auf die Alp – und der Verkehr wird zum Problem.

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Susanne Graf

Jetzt ist der Hügel wieder mit blühenden Krokussen übersät. An sonnigen Tagen wie diesen entfalten sie auf der Alp Rämisgummen ihre volle Pracht. Täglich bezeugen das neue Bilder in den sozialen Medien. Jeder scheint die Blumen sehen und die Zuhausegebliebenen an ihrem Entzücken teilhaben lassen zu wollen.

So kommt es, dass laut Isabelle ­Simisterra, Leiterin von Emmental Tourismus, immer mehr Leute die Alp als Ausflugsziel ins Auge fassen. Doch wer dies von Trubschachen oder Eggiwil her wandernd oder Velo fahrend tut, wird spätestens beim letzten steilen Aufstieg stöhnen, wenn nicht gar fluchen.

Vor allem an sonnigen Wochenenden werden sie alle paar Sekunden von einem Auto überholt oder müssen entgegenkommenden Platz machen. Denn nicht nur die Sportlichen und Bewegungsfreudigen wollen die Krokusse in natura sehen, sondern auch Ältere, die weniger gut zu Fuss sind. Und auch die Bequemeren. Die Parkplätze auf dem Hoger, die für die Besucher der Alpwirtschaft Erika vorgesehen sind, reichen dann jeweils nirgends hin.

Parkverbot – na und?

Doch wer schon mal da ist, mag nicht umkehren, ohne die Blumen gesehen zu haben. Also wird parkiert, wo es gerade passt: auf Alpwegen, im Land, vor Zufahrten, kreuz und quer – ungeniert auch unmittelbar neben den nicht spärlich aufgestellten Parkverbotstafeln. Die betroffenen Landwirte nervts. Ab und zu trübt denn auch ein kritischer Kommentar die Krokusfreude, die sich über die sozialen Medien ergiesst.

Vorschlag: Transportdienst

Verena Zürcher versteht den Ärger nicht ganz. Der Langnauerin, die das Tourismusbüro Hogerland führt, ist zwar bewusst, dass die Situation für die Bewohner im zugeparkten Gebiet jeweils unbefriedigend ist. Trotzdem, findet sie, stehe es jedem zu, sich an der Blütenpracht zu erfreuen.

Auch jenen, die den Hoger nicht wandernd erreichen können. Sie würde sich wünschen, dass die Betroffenen – damit meint sie nebst den Landwirten auch die Gemeinden Trubschachen und Eggiwil – den Besucheransturm als Chance nutzen würden. «Sie könnten Parkplätze zur Verfügung stellen, Transportdienste anbieten und gleichzeitig am Strassenrand Bauernbrote oder Ähnliches verkaufen.»

Verena Zürcher sähe durchaus Möglichkeiten, wie das Gebiet auf nachhaltige Weise einen wirtschaftlichen Nutzen aus den Krokussen ziehen könnte. «Und nach zwei Wochen ist der Spuk ja ohnehin vorbei, und die Leute haben wieder ihre Ruhe.»

Ein runder Tisch

So einfach sei das nicht, gibt Isabelle Simisterra zu bedenken. Man könne eine öffentliche Strasse nicht plötzlich für den Verkehr sperren und erwarten, dass die Leute für einen Transportdienst bezahlen würden. Auch sei es nicht Ziel von Emmental Tourismus, mit den Krokussen Geld zu verdienen. «Wir wollen, dass die Leute ins Emmental kommen und die Blumen betrachten können, dass es aber gleichzeitig auch für die Einheimischen stimmt.»

Deshalb hat Isabelle Simisterra dieser Tage die Initiative ergriffen und alle Beteiligten zu einem runden Tisch eingeladen. Dazu zählt sie nebst den Landeigentümern auch den Wirt der Alpwirtschaft und Vertreter der Gemeinden ­Eggiwil und Trubschachen. Die Touristikerin ist optimistisch: «Gemeinsam werden wir eine Lösung finden.»

Berner Zeitung

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