Fenaco sucht die Frau

Die Diskussion um Frauen in der Führung hat nun auch den Berner Agrarkonzern Fenaco erreicht. Der Präsident will mehr Frauen in der Chefetage. Doch den Tatbeweis konnte er noch nicht erbringen.

Dreizehn Männer und eine Frau: Der erweiterten Geschäftsleitung der Fenaco gehört nur eine Frau an.

Dreizehn Männer und eine Frau: Der erweiterten Geschäftsleitung der Fenaco gehört nur eine Frau an. Bild: Esther Michel / zvg/Keystone

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Im Schweizer Agrarbereich gibt es einen Riesen, der oft etwas unter dem Radar der öffentlichen Wahrnehmung durchgeht: Es handelt sich um den Agrarkonzern Fenaco. Die geringe Exponiertheit hat zur Folge, dass der Konzern meist auch später als andere Unternehmen gewisse Themen aufnimmt. Zum Beispiel dasjenige von Frauen in der Chefetage. «Es ist mir ein Anliegen, dass bei der Fenaco vermehrt Frauen in verantwortungsvolle Positionen gewählt werden», sagte nun aber am Mittwoch Pierre-André Geiser, Fenaco-Präsident, bei der Präsentation der Jahreszahlen.

Zwei Einzelkämpferinnen

Der Handlungsbedarf ist offensichtlich: Der sechsköpfigen Geschäftsleitung gehören ausschliesslich Männer an. Und in der erweiterten Geschäftsleitung mit vierzehn Mitgliedern sitzt mit Geneviève Gassmann nur eine Frau.

Gleich präsentiert sich die Sache im Aufsichtsgremium, welches die Fenaco Verwaltung nennt. Dem neunzehnköpfigen Gremium gehört gerade mal eine Frau an. Es ist die Wirtschaftsprüferin Karin Perraudin.

In diesem Jahr treten zwei Verwaltungsräte zurück. Doch für die Vakanzen sind wieder zwei Männer zur Wahl vorgeschlagen. «Es war leider nicht möglich, eine geeignete Frau zu finden», erklärte Pierre-Alain Geiser. Um Mitglied des Aufsichtsgremiums zu werden, müsse man die DNA der Fenaco kennen, fügte er an. Dabei meint er, dass Neumitglieder in der Regel zuvor ihre Sporen in einer regionalen landwirtschaftlichen Genossenschaft abverdient haben müssen. Und in diesen ist der Frauenanteil immer noch sehr gering. Beispielsweise werden nur 5 der 172 operativ ­tätigen Landi-Genossenschaften von einer Frau präsidiert.

An der Entschädigung kann es im Übrigen nicht liegen, dass sich keine Frauen finden lassen: Die Mitglieder des Aufsichts­gremiums erhalten für einen überschaubaren Aufwand von einer Sitzung im Monat eine ­Jahresentschädigung von rund 40'000 Franken.

Ein paar Lichtblicke

Immerhin konnte der Fenaco-Präsident Pierre-André Geiser darauf hinweisen, dass es weiter unten in der Hierarchie mehr Frauen gibt. Auf der zweiten Führungsebene sind 12 der 166 Kadermitglieder Frauen. 18 der 158 Landi-Filialen werden von einer Frau geführt. Fast ausgeglichen ist das Verhältnis dagegen in der ganzen Gruppe: Von 9800 Mitarbeitern sind 4600 Frauen.

Der operative Fenaco-Chef Martin Keller ist sich bewusst, dass es intern auch einen Kulturwandel braucht, damit sich Kaderfrauen bei der Fenaco wohl fühlen. Auch der Präsident will dranbleiben: «Wir werden auf Landwirtinnen zugehen, um ihnen ihre Möglichkeiten in den Landis aufzuzeigen.» Doch Illusionen macht er sich keine: «Es braucht Zeit, den Frauenanteil in den Führungspositionen nachhaltig zu erhöhen.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 17.05.2017, 11:28 Uhr

Wieviel Gewinn soll es sein?

Der Agrarkonzern Fenaco hat im vergangenen Jahr einen Umsatz von 5,9 Milliarden Franken erzielt, was einer Abnahme um 100 Millionen entspricht. Dies ist laut Fenaco-Chef Martin Keller vor allem auf die tiefen Erdölpreise zurückzuführen.

Ein weiterer Grund für den sinkenden Umsatz war der nasskalte Frühling: «Lange Zeit herrschte kein Landi-Wetter», erklärte Keller in Anspielung auf die Detailhandelskette Landi, die zur Gruppe gehört.
Dennoch stieg der Gewinn um eine Million auf 97 Millionen Franken. Das von den Bauern oft vorgebrachte Argument, bei der Fenaco werde die Gewinnorientierung immer wichtiger, konterte Keller wie folgt: «Mit einer Umsatzrendite von knapp zwei Prozent könnte ich mich bei einem börsenkotierten Unternehmen nicht zeigen.»
Die Fenaco ist als Genossenschaft organisiert und gehört 202 landwirtschaftlichen Genossenschaften. Ihre bekanntesten Tochterfirmen sind Landi, Volg, Ramseier, Suttero, UFA und Melior. Der Hauptsitz befindet sich im Länggassquartier in Bern. Das Unternehmen beschäftigt knapp 10'000 Mitarbeiter. sny

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