FC Thun - YB: Nah und doch so fern

YB gewinnt das Derby in Thun 3:2. Die Situation der beiden Berner Klubs könnte sich zur Winterpause nicht unterschiedlicher präsentieren.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Am 9. Dezember 2013 verlor YB das letzte Mal gegen Thun. Seither gelangen ihm in zwölf Vergleichen mit den Oberländern zehn Siege. Womöglich hatten die YB-Verantwortlichen die Zahlen im Kopf, als sie das Weihnachtsessen in der Welle 7 beim Bahnhof Bern auf den Sonntagabend ansetzten.

Das Risiko, dass die Stimmung durch einen unliebsamen Spielausgang in Mitleidenschaft gezogen würde, war – zumindest statistisch gesehen – überschaubar.

Die Organisatoren behalten recht. Auch wenn sie im Verlauf der 90 Minuten mehr als einmal ins Zweifeln geraten. Thun führt 1:0, Thun führt 2:1, Thun dominiert, Thun kommt zu 12:4-­ Ecken, zu 23:8-Schüssen. Aber verliert 2:3. «Endlich haben wir auch mal nach einer wüsten Darbietung gewonnen», sagt Leonardo Bertone.

Der 22-jährige Mittelfeldspieler steht in den Katakomben der Stockhorn-Arena und lächelt. Während er spricht, schubst ihn der wiedergenesene Yoric Ravet von hinten in den Rücken. Die Stimmung ist gut. So wie sie vor einem Weihnachtsessen sein sollte.

Mit 35 Punkten blicken die Young Boys auf die beste Vorrunde seit sechs Jahren. Derweil stehen die Oberländer zur Winterpause so schlecht da wie seit 2006 nicht mehr. Die Situation der beiden Berner Klubs könnte sich nicht unterschiedlicher präsentieren.

Hier sind die Young Boys, die in der Super League letztmals Ende August verloren. Da die Thuner, die Mitte Oktober letztmals gewannen und punktgleich mit Vaduz am Tabellenende stehen. Und während YB nun teure Ersatzspieler wie Milan Vilotic und Milan Gajic loswerden will, versuchen die Oberländer nichts Geringeres, als zu überleben.

Am 16. Dezember stimmt der Thuner Stadtrat über ein Darlehen von einer halben Million ab. Es wird ein Resultat von deutlich grösserer Bedeutung als das sonntägliche sein. Immerhin: Der Spendenstand beträgt am Sonntag 711 162 Franken. Der Mindestbetrag von einer Million ist in Reichweite.

7240 Zuschauer sind am Sonntag in der Stockhorn-Arena zugegen. Es ist zwar der deutlich höchste Wert der Vorrunde, aber dennoch ein enttäuschender, wird be­denkt, dass ein volles Haus ein starkes Statement im Vorfeld der Abstimmung gewesen wäre. «Diese Partie hätte ein ausverkauftes Stadion verdient», sagt der Thuner Sportchef Andres Gerber.

Zumal die erste Halbzeit der Oberländer mit die beste in diesem Jahr ist. Dass es nach Toren von Matteo Tosetti (33. Minute) und – einmal mehr – Guillaume Hoarau (37.) zur Pause 1:1 steht, ist ein Hohn. YB macht aus wenig viel, Thun aus viel wenig. Die Partie wird fortan noch spektakulärer.

Tosetti bringt die Thuner mit einem schönen Tor mit 1:0 in Führung. Video: SRF

Der Ausgleich: Hoarau steht nach einem flachen Steilpass von Mbabu genau richtig und schiebt lässig zum 1:1 ein. Video: SRF

Sie ist der angemessene Schlusspunkt einer Vorrunde, in welcher in der Super League so viele Tore pro Spiel fielen wie in keiner anderen der höchsten Ligen Europas. Das 2:1 für das Heimteam durch Dejan Sorgic nach 58 Minuten gleicht Sékou Sanogo postwendend aus. Allerdings foulte der Ivorer zuvor Dennis Hediger, der Treffer hätte nicht zählen dürfen.

Sorgic trifft zum 2:1 gegen die überforderte YB-Abwehr. Video: SRF

Sanogo drückt den Ball nach dem Freistoss zum 2:2 über die Linie. Video: SRF

«Ich will gar nicht erst darüber reden. Die Bilder sprechen eine deutliche Sprache», meint der Thuner Captain, dem vor der Partie die Ehre zuteil wurde, als Einziger der Thuner Spieler von den Gästefans mit Pfiffen bedacht zu werden.

Es kommt für die Thuner, wie es im Derby für sie kommen muss. Eine Minute vor Anbruch der «YB-Viertelstunde» setzt sich Michael Frey gegen seinen Jugendfreund Marco Bürki durch und köpft zum 3:2 für die Young Boys ein.

Der Ball kommt zu Lecjaks und der Tscheche flankt in die Mitte, wo Michi Frey die Stadtberner erstmals in Führung bringt. Video: SRF

Auf der Gegenseite scheitert Christian Fassnacht am Knie von Guillaume Hoarau, Dejan Sorgic am Innenpfosten und dem vorzüglichen Goalie Yvon Mvogo. «So zu verlieren, ist schon sehr bitter», sagt Bürki. «So lässt sich in die Ferien gehen», meint Frey.

Während der YB-Stürmer spricht, läuft Thuns Trainer Jeff Saibene hastig in die Kabine. Beinahe hätte er vergessen, sich von seinen Spielern zu verabschieden. Das Derby ist der letzte Thuner Pflichttermin. Ihr Weihnachtsessen fand bereits letzten Mittwoch statt. (Berner Zeitung)

Erstellt: 11.12.2016, 22:44 Uhr

Artikel zum Thema

YB gewinnt das Derby in Thun

Thun führte gegen die Young Boys zwei Mal, aber jeweils nur kurz, in der 73. Minute geht YB erstmals in Führung, so bleibts bis am Schluss: Thun 2, YB 3. Bernerzeitung.ch/Newsnet berichtete live. Mehr...

YB-Noten: Hoarau, der Handballer

Die Young Boys bekunden gegen spielbestimmende Thuner Mühe, bestechen aber mit bemerkenswerter Effizienz im Abschluss. Mehr...

Noten FC Thun: Regisseur Lauper

Bei der 2:3-Niederlage gegen YB überzeugen die Thuner. Was fehlte, war die Effizienz im Abschluss. Mehr...

Kommentare

Blogs

Gartenblog Zwergengarten

Liebe, Sex und Mord

Service

Auf die Lesezeichenleiste

Hier lesen Sie unsere Blogs.

Die Welt in Bildern

Beinfreiheit einmal anders: Im sächsischen Niederwiesa machen riesige Frauenbeine auf die Ausstellung «High Heels - die hohe Kunst der Schuhe» aufmerksam, die im nahen Schloss Lichtenwalde zu sehen ist. (23. Mai 2017)
(Bild: Sebastian Willnow/DPA) Mehr...