Migros setzt auf ein Eigengewächs

Der Romand Fabrice Zumbrunnen wird neuer Migros-Boss. Der 47-Jährige kann auf eine 21-jährige Karriere beim orangen Riesen zurückblicken. Seine Laufbahn startete er allerdings beim Erzrivalen Coop.

Fabrice Zumbrunnen wird am 1. Januar 2018 der Nachfolger von Migros-Chef Herbert Bolliger.

Fabrice Zumbrunnen wird am 1. Januar 2018 der Nachfolger von Migros-Chef Herbert Bolliger. Bild: Keystone

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Mit der Ernennung Fabrice Zumbrunnens zum neuen Chef schreibt die Migros Geschichte: Bislang war noch kein Lenker des orangen Riesen so jung. Zudem ist er erst der zweite Romand auf diesem Posten – nach Pierre Arnold, der dem Genossenschaftsbund von 1976 bis 1984 als Chef vorstand. Diese Tatsache ist auch deshalb bemerkenswert, da mit dem Migros-Präsidenten und Tessiner Andrea Broggini bereits ein Vertreter der lateinischen Schweiz an der Konzernspitze steht.

Andererseits ist Fabrice Zumbrunnens Ernennung keine Überraschung. Er wurde neben dem Chef der Migros Zürich, Jörg Blunschi, stets als Favorit genannt. Dass er sich durchgesetzt hat, dürfte daran liegen, dass er über eine starke Lobby in der Migros-Zentrale verfügt. Zudem gilt Blunschi einigen als zu risikofreudig. Er war unter anderem mitverantwortlich für die gescheiterte Deutschland-Expansion der Migros Basel. Für Wirbel sorgte Blunschi auch, indem er den deutschen Bio-Supermarkt Alnatura in die Schweiz holte und die Migros Zürich die angeschlagene deutsche Supermarktkette Tegut übernehmen liess.

Neuer Markt: Gesundheit

Zumbrunnen ist ein typisches Migros-Eigengewächs. Seit 21 Jahren ist er in verschiedenen Positionen für den Konzern tätig. Unter anderem führte er während 7 Jahren die Genossenschaft Neuenburg-Freiburg. In den vergangenen 5 Jahren leitete er in der Zürcher Zentrale des Migros-Genossenschaftsbundes (MGB) den Bereich Personal, Kulturelles und Soziales, Freizeit und war Mitglied der Generaldirektion.

In dieser Zeit war er unter anderem für die Expansion im Gesundheitsbereich zuständig, wo die Migros auf starkes Wachstum hofft. Der orange Riese verfügt über ein weitverzweigtes Netz an Fitnesszentren, zudem übernahm seine Tochter Medbase im Herbst 2015 die Mehrheit an den Santémed-Gesundheitszentren des Krankenversicherers Swica.

Er begann bei Coop

Zumbrunnen ist mit einer Musikerin verheiratet und hat zwei Kinder. Seine lange Karriere bei der Migros war nicht vorgezeichnet: Ursprünglich hatte er seine Berufslaufbahn beim Konkurrenten Coop gestartet. Nach seinem Lizenziat in Wirtschaftswissenschaften an der Universität Neuenburg leitete er von 1993 bis 1994 die Coop-Filiale in La Chaux-de-Fonds. Später machte er einen Abstecher in die Medizinaltechnikbranche.

Nun soll er am 1. Januar 2018 sein neues Amt an der Spitze des Migros-Konzerns antreten. Die offizielle Bezeichnung seiner Funktion lautet «Präsident der Generaldirektion des Migros-Genossenschaftsbundes». Er löst damit den langjährigen Chef Herbert Bolliger ab. «Fabrice Zumbrunnen verfügt über alle Fähigkeiten, um Herbert Bolligers Erfolgskurs weiterzuführen», sagt Migros-Präsident ­Andrea Broggini. «Er wird die in der Migros-Gruppe stark verankerten Grundwerte hochhalten, sich für die Anliegen der Konsumenten einsetzen und gleichzeitig klare betriebswirtschaftliche Ziele verfolgen.»

Mit 64 ist Schluss

Bolliger muss wegen der Altersguillotine gehen, die beim Unternehmen gilt. Diesen November wird er 64 Jahre alt. Er war 13 Jahre lang Migros-Chef – und sehr erfolgreich. Unter seiner Leitung stieg der Umsatz von 20 auf fast 28 Milliarden Franken. Bolliger fällte einige strategisch wegweisende Entscheide. So übernahm der orange Riese unter seiner Ägide den Discounter Denner sowie den heute grössten Schweizer Onlineshop, Digitec Galaxus.

Letztes Wort haben Delegierte

Der Migros-Chef wird von der 23-köpfigen Verwaltung ernannt. Sie ist das Pendant zu einem Verwaltungsrat. Dem Wahlgremium gehören Konzernchef, Präsident, die regionalen Migros-Genossenschaften, zwei Mitarbeitervertreter sowie neun externe Vertreter an. Definitiv den neuen Konzernchef wählen wird die Delegiertenversammlung am 25. März.

Wer Zumbrunnens Nachfolger in der Generaldirektion und als Leiter Personal, Kulturelles und Soziales, Freizeit wird, soll in den nächsten Monaten bekannt ­werden. (Berner Zeitung)

Erstellt: 17.03.2017, 09:15 Uhr

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