Was die neuen SBB-Züge bieten

Die neuen SBB-Doppelstockzüge rollen mit vierjähriger Verspätung doch noch an. Der Hersteller Bombardier hat zu einer Testfahrt eingeladen. Den Bahnreisenden winken ab Ende Jahr mehr Sitzplätze und guter Komfort, aber kein Luxus.

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An seiner schnittigen schwarz-roten Front werden ihn die Bahnfahrer gut erkennen. Drinnen im neuen SBB-Doppelstockzug des Herstellers Bombardier stechen zuerst die weissen Wände, die hell beleuchteten Decken und die Bildschirme ins Auge.

Die Passagiere erfahren darauf nicht mehr nur, welches die nächsten Haltestellen sind, sondern sehen auch, wo sich ihr Zug gerade befindet oder wie hoch die Geschwindigkeit ist. Bombardier fuhr gestern mit Journalisten auf einer Testfahrt von Bern nach Interlaken-Ost und zurück.

Kein Ohrendruck mehr

Mit etwas Verspätung setzt sich der Achtwagenkoloss in Bewegung. Es geht gemächlich los, denn der Testzug mit einer Maximalgeschwindigkeit von 200 Kilometern in der Stunde muss dem Fahrplanverkehr die Vorfahrt überlassen. Durch das Aaretal sind dann aber dennoch bis zu 160 km/h möglich.

Man hört auch so fast nichts vom Zug, ausser der Lüftung. «Dieser Zug ist als absolut druckdicht», sagt Stéphane Wettstein, Chef von Bombardier Schweiz, sichtlich stolz. Das heisst für die Passagiere, dass sie bei Zugkreuzungen oder der Einfahrt in Tunnel keinen Druck auf die Ohren mehr bekommen.

Anfänglich bereitete aber genau die Druckfestigkeit des Zuges Probleme. Bombardier musste die Wagenkasten neu konstruieren. «Das nehmen wir auf unsere Kappe», sagt Wettstein. Bekanntlich wird Bombardier deshalb den SBB 3 Gratiszüge liefern, zusätzlich zu den für 1,9 Milliarden Franken bestellten 59 Zügen.

Die Schuld für die beiden anderen Gründe der vierjährigen Lieferverspätung weist der Hersteller aber von sich: Behindertenverbände erhoben Einsprache dagegen, dass die SBB für Rollstuhlfahrer nur im Untergeschoss der Speisewagen spezielle Plätze vorgesehen hatten.

Nun gibt es auch in anderen Wagen solche Plätze. Dritter Grund für die Verspätung sind 2500 Änderungswünsche der SBB am Twindexx Swiss Express von Bombardier, den die Bundesbahnen nun «FV Dosto» nennen.

Die Züge werden mehr Kapazität auf der West-Ost-Achse von Genf nach St. Gallen bieten. Konkret sind es 606 Sitzplätze, das sind zehn Prozent mehr als in den alten IC-2000-Doppelstöckern.

Schneller fertig

Die Auslieferung der Züge sollte ursprünglich von 2013 bis 2019 dauern. Wettstein bestätigte am Donnerstag, dass die Typentests erfolgreich verliefen. «Wir gehen davon aus, dass wir im Sommer die Zulassung kriegen.»

Bis Ende Jahr könne Bombardier 23 Kompositionen liefern. Dies sei mit den 775 Angestellten in der Produktion in Villeneuve VD möglich. Mit dieser Kapazität könnten die 62 Züge bis Mitte 2019 fertig gebaut sein, sagte Wettstein im Gespräch mit dieser Zeitung. Das wäre früher, als zuletzt erwartet.

SBB-Projektleiter Manfred Brennwald rechnet aber noch mit Kinderkrankheiten. Speziell anspruchsvoll sei die Anpassung des Zugsicherungssystems ETCS. Auch das Personal muss noch geschult werden. Gegen Ende Jahr scheinen erste Fahrten möglich.

Die Bahnreisenden können sich freuen. Die Sitze sind bequem, und die Beinfreiheit ist auch in der 2. Klasse gut. Mehrere Wagen bieten Ständer für Velos und Skis. Im oberen Stock fehlt die Lounge beim Aufgang, dafür hat es mehr Gepäckablagen.

Ein Tipp für die 2.-Klass-Pendler: Doppelstecker mitnehmen! Denn lediglich in der 1. Klasse hat jeder Platz unter dem Sitz eine Steckdose; in der 2. Klasse gibt es dagegen pro Doppelsitz nur eine. (Berner Zeitung)

Erstellt: 11.05.2017, 21:16 Uhr

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