Wo die Alpen hügelig sind

Alte Buchen, kleine Bäche, Einschnitte und natürlich die berühmten Kreidefelsen. Das alles ist auf dem Wanderweg von Sassnitz nach Lohme zu sehen. Doch Rügen hat noch viel mehr zu bieten als diese viel begangene Strecke.

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Der Wanderfrühling ist zwar gelaufen auf der Insel Rügen, aber der Wanderherbst kommt bestimmt. Zweimal im Jahr stehen dort jene Gäste im Mittelpunkt, die mit Wanderschuhen und Outdoorkleidern im Gepäck anreisen. Auf Rügen ist Wandern Volkssport Nummer eins, dicht gefolgt von Velofahren oder Radeln, wie man im Norden Deutschlands sagt.

Da ist einmal der Wanderweg, den alle Rügen-Gäste wenigstens einmal gemacht haben müssen. Von Sassnitz hoch über die Kreidefelsen in Richtung Lohme. Obschon sehr viel begangen, ist er die Mühe wert: Weitblicke über die Ostsee, die an manchen Tagen fast südseefarbig leuchtet. Die weissen Kreidefelsen, die sich dauernd verändern, der geschützte alte Buchenwald, die Waldhalle, welche zur Einkehr einlädt, und nicht zuletzt das Besucherzentrum unterhalb des Königsstuhls.

Dort gibt es eine sehenswerte multimediale Ausstellung, die sich mit der geologischen Entwicklung dieser Küste gefasst. Weil die Kreidefelsen nicht selten abbrechen und ins Wasser donnern, kann das Ufer unterhalb des Felsens momentan nur an einem Ort erreicht werden: Mittels einer Treppe bei der Einmündung des Brisnitzer Bachs. Der Abstieg lohnt sich, um die weissen Kreidefelsen einmal von unten zu ­sehen.

Auf der Wanderkarte der Insel ist dieses Stück Hochuferweg Bestandteil einer Rundwanderung mit Start in Sassnitz oder Hagen (wo sich auch ein grosser Parkplatz befindet). Der Rundweg ist etwas über 24 Kilometer lang und als Tageswanderung angelegt.

Die Berge Rügens

Die spezielle Rügen-Wanderkarte hält elf Wandervorschläge bereit. Eine davon tönt fast wie hierzulande: Der 16 Kilometer lange Weg durch die Zicker Berge. Mit Start im kleinen Ostseebad Thiessow, ganz im Südosten der Insel, geht es entlang des Rügischen Boddens, also dem Wasser zwischen Festland und Insel, auf den Bakenberg, einem Hügel mitten auf der Halbinsel mit der Ortschaft Gross Zicker.

Und wie das tönt, so ist es auch: etwas abgelegen, aber mit einer einzigartigen Hügellandschaft, die ganz entfernt ans Emmental erinnert. Nur eben immer wieder mit Sicht aufs Wasser.

Das Pfarrwitwenhaus

Weil die Wanderung nicht allzu lang ist und die «Berge» nicht allzu hoch sind, bleibt die Zeit, in Gross Zicker am Wegrand das Pfarrwitwenhaus zu besuchen und sich dort von Roswitha Steckowski die komische Geschichte des Hauses erzählen zu lassen. Also: Wenn im 17. Jahrhundert ein Pfarrer starb, musste sein Nachfolger dessen Witwe oder dessen Tochter heiraten.

Nur so konnten Frau und Kinder im Pfarrhaus bleiben. Als dies wohl zum Wohle der Witwen nicht mehr Pflicht war, wurde eben dieses Haus gebaut und Witwe und Kinder dorthin «ausgelagert». Die ganz konkreten und persönlichen Geschichten kennt die Frau an der Kasse. Sie erzählt so lebendig, dass sich die Zuhörer in die Vergangenheit zurückversetzt fühlen. Ein Erlebnis.

Und danach zurück auf den Wanderweg, der hinter dem Pfarrwitwenhaus ein wenig ansteigt. Genug, um den Blick über das kleine Dorf hinweg aufs Wasser des Boddens zu öffnen. Noch ein wenig aufwärts neben weidenden Schafen vorbei – und schon ist der höchste Punkt der Zicker Berge erreicht. Im Ernst, es gibt auch Leute, die das Gebiet «Zicker Alpen» nennen. Aber nichtsdestotrotz, die Wanderung bietet einmalige Aussichten.

Ein reichhaltiges Angebot

Wanderfrühling im April und Wanderherbst im Oktober. In diesen Monaten gibt es zahlreiche Angebote, die alle gratis sind. Viele der Wanderungen sind von Fachleuten begleitet. So wird eine Kräuterwanderung durchgeführt, auf der nicht nur geschaut, sondern auch gesammelt wird. Oder: Ranger führen im Nationalpark Jasmund sowie im Biosphärenreservat Südostrügen Wandergruppen.

Eine Wohnung in einer alten Villa im Bäderstil oder in einem Hotel direkt an der Uferpromenade, über den Tag eine Wanderung und danach einen guten Fisch auf dem Teller: So kann der Urlaub auf Rügen aussehen. Und dann sind da noch die kilometerlangen Sandstrände, die übers ganze Jahr zu ausgedehnten Spaziergängen einladen. Die Füsse im Wasser, lässt es sich stundenlang gehen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 19.05.2017, 13:26 Uhr

Tipps & Infos

Rügen ist die grösste Insel Deutschlands. Im Osten befinden sich die Seebäder Binz, Sassnitz, Sellin, Baabe und Göhren mit zum Teil kilometerlangen Uferpromenaden, die immer einen Sparziergang wert sind.

Zweimal im Jahr ist auf der Insel Wandern Trumpf. Die Tourismuszentrale Rügen organisiert während 9 Tagen im April und im Oktober (13. bis 22.) geführte Wanderungen. Man kann sehr gut auch alleine unterwegs sein.

Die Wege sind gut ausgeschildert. Bei den Infostellen sind Wanderkarten erhältlich. Im Übrigen führt auch der Europä­ische Fernwanderweg E 10 vom Süden ganz in den Norden der Insel. Bei Kap Arkona ist vorerst fertig mit Wandern. Die Fortsetzung findet der Weg nach einer Schifffahrt in Schweden.

www.ruegen.de

www.auf-nach-mv.de

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