Kann es überall zum Drama kommen?

Das tödliche Drama vom Bielersee schlägt Wellen bis ins Oberland. Fast jeder Bootshafen verfügt über Strom­anschlüsse. Aber könnte sich ein derart tragischer Zwischenfall auch fast überall ereignen?

Fast jeder Bootshafen verfügt über Stromanschlüsse: In den allermeisten Fällen sind die Steckdosen mit Fehlerstrom-Schutzschaltern gesichert.

Fast jeder Bootshafen verfügt über Stromanschlüsse: In den allermeisten Fällen sind die Steckdosen mit Fehlerstrom-Schutzschaltern gesichert. Bild: Marc Imboden

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Bootsbesitzer brauchen Strom, um Batterien zu laden, für Licht, Staubsauger, Wasserkocher oder Kühlboxen. Viele Stege sind zudem in der Nacht beleuchtet. Die Frage ist: Kann sich das tödliche Drama in La Neuveville von Anfang Woche überall wiederholen? Dort ist am Montag ein Hund ins Wasser gefallen.

Die Besitzerin will ihn retten, gerät selber in Probleme, worauf eine zweite Frau ins Wasser steigt, um zu helfen. Die beiden Frauen und der Hund sterben. Mit grösster Wahrscheinlichkeit sind alle aufgrund eines Stromschlags gestorben.

Kein Strom in Brienz

Segelschulleiter Stefan Rathgeb, der selber Elektriker ist, sagt zur Situation in Spiez: «Am Hafen gibt es nur eine Steckdose, die wird für ein Boot mit Elektro­antrieb verwendet.» Die Dose sei mit einem Fehlerstrom-Schutzschalter, einem sogenannten FI-Schalter, ausgerüstet. Zudem gebe es eine Beleuchtung am Handlauf vom Seegarten bis zum Schlosspintli, diese LED-Leuchten würden jedoch lediglich mit einer niedrigen Spannung von 12 Volt betrieben.

Anders präsentiert sich die Situation in Brienz. Wie Gemeindeschreiberin Linda Stauffer auf Anfrage erklärt, gibt es beim Bootshafen bei der Schiffländte keine Stromanschlüsse, der neue Hafen wurde erst 2013 eingeweiht.

Die Anlegestelle beim ­Hotel Bären verfüge hingegen über einen Stromanschluss mit Schutzschalter. Ebenfalls keine Stromanschlüsse gibt es an der Ländte in Bönigen, wie Simon Hirter von der Jetboat Interlaken AG sagt, die neu die Schiffländte für die BLS bewirtschaftet.

Regelmässige Kontrolle

Bei der Hafenanlage Hünegg am Thunersee sind Fehlerstrom-Schutzschalter installiert. Sie sollen dafür sorgen, dass es keine Stromunfälle gibt. Sobald eine Stromleitung das Wasser berührt, unterbricht der FI-Schalter den Strom. «Die Installationen werden regelmässig gewartet und kontrolliert», sagt Josef Zuppiger, Präsident der Hafen Hünegg AG.

«Die Installationen werden regelmässig gewartet und kontrolliert.»Josef Zuppiger, Präsident der Hafen Hünegg AG

Die Stadt Thun verfügt über zehn Hafenanlagen mit mehreren Hundert Wasserplätzen. Doch deren Mieter seien nicht verwöhnt, sagt Stadtingenieur Rolf Maurer. Denn es gibt genau einen Stromanschluss: Er befindet sich am Strandbadweg, also auf der südlichen Seite des Lachenkanals.

Doch benutzen können ihn nur jene Bootsbesitzer, deren Schiff in der Nähe liegt. Der Kasten mit den Steckdosen befindet sich an einem Kandelaber, kann nur mit einem Schlüssel geöffnet werden und ist mit einem FI-Schalter geschützt. (fl/mi/rop)

Erstellt: 19.05.2017, 07:43 Uhr

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