Thun

Am Thuner Fahnenverbot scheiden sich die Geister

ThunDer Thuner Sicherheitsvorsteher Peter Siegenthaler verfügte am Samstag für die Fans des FC Luzern ein Fahnenverbot. Die FCL-Fans boykottierten deshalb das Spiel. Und auch FCT-Präsident Markus Lüthi wird mit dem Entscheid nicht warm.

Fans des FC Luzern durften am Samstag in der Stockhorn Arena nicht die Fahnen schwingen. Unter anderem deshalb boykottierten sie die Partie. (Symbolbild)

Fans des FC Luzern durften am Samstag in der Stockhorn Arena nicht die Fahnen schwingen. Unter anderem deshalb boykottierten sie die Partie. (Symbolbild) Bild: Keystone

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«Kollektivstrafen bringen nichts», sagt FCT-Präsident Markus Lüthi. Sie seien nur dann sinnvoll, wenn auch das Kollektiv Ursache sei. Er geht noch weiter: «Durch Kollektivstrafen steigt nur die Gefahr, dass eine Situation eskalieren kann.» Lüthi spricht dabei konkret das Fahnen- und Transparentverbot an, welches die Fans des FC Luzern am vergangenen Samstag davon abgehalten hat, ihr Team im Super-League-Spiel gegen den FC Thun zu unterstützen.

Es wäre viel zielführender, die schwarzen Schafe konsequent rauszupicken und sie zu bestrafen, sagt Lüthi. «Die Mittel dazu sind für die Polizeibehörde vorhanden.» Lüthi befürchtet – sollten sich die Kollektivstrafen mehren –, dass sich der Konflikt zwischen Fans, Behörden und Klubs raufschaukeln könnte. «Das müssen wir verhindern», sagt ­Lüthi.

«Ein richtiges Signal»

Es liegt in der Natur der Sache, dass der Thuner Sicherheitsvorsteher Peter Siegenthaler (SP) die Sache anders taxiert. «Ich bin der Meinung, dass wir ein richtiges Signal gesendet haben.» Es gehe nicht an, dass sich Matchbesucher in der grossen Masse um Regeln foutieren könnten. «Es gibt unter dem Strich zwei Möglichkeiten: Entweder wir schauen zu, oder wir machen etwas.» In diesem Zusammenhang sei der Vorwurf von FCT-Präsident Markus Lüthi nicht gerechtfertigt, man unternehme zu wenig. Es gelänge dem FC Thun bei den Eingangskontrollen auch nicht, die Störenfriede auszusortieren.

«Oder wieso konnten die FCL-Fans beim letzten Aufeinandertreffen mit Thun in der Arena insgesamt 37 Pyros zünden?», fragt Siegen­thaler rhetorisch. Unter anderem aufgrund dieser Pyrovorfälle im Spiel vom vergangenen November hat Siegenthaler das Fahnenverbot verfügt. Weiter verschärfte er die Eingangskontrollen und liess im Gästesektor keinen Alkohol ausschenken. «Wir beurteilen die Situation immer im Zusammenhang mit der letzten Partie der involvierten Teams», sagte Siegenthaler. Neben den besagten Pyrovorfällen sei die Grundstimmung der FCL-Fans damals die ganze Zeit sehr aggressiv gewesen. Bereits am Bahnhof seien Knallpetarden gezündet und Flaschen geworfen worden.

Auf dem Rückmarsch hätten zudem FCL-Supporter ein Auto beschädigt, und es sei zu Scharmützeln mit FCT-Fans gekommen. «Ein Dialog war damals schlicht nicht möglich», sagt Siegenthaler. Nach dem insgesamt vorbildlichen Verhalten vom vergangenen Samstag stünden die Chancen gut, dass beim nächsten Spiel Thun gegen Luzern keine Auflagen verfügt werden.

Noch unschlüssig ist Siegen­thaler, wie er die Rahmenbe­dingungen um das Derby vom 28. Mai gestalten will. Vor dem letzten Spiel gegen YB verbot er den Fanwalk. Ohne Erfolg. Die Berner marschierten trotzdem (wir berichteten). Für ihn ist ein Punkt zentral: «Es kann nicht sein, dass einzelne Fans diktieren, wie etwas abläuft.»

FC Rot-Schwarz als Profiteur

Zurück zu letztem Samstag: Nach Anpfiff überschlugen sich die ­Ereignisse. Die frustrierten FCL-Fans – der FC Thun spricht von 500, Gemeinderat Siegenthaler von 315 – marschierten unverrichteter Dinge von der Stockhorn-Arena wieder Richtung Bahnhof. Auf dem Rückweg entdeckten sie das Clubhaus des FC Rot-Schwarz. Zwischen 200 und 250 Supporter statteten dem ­verdutzten Clubhauswirt Heinz Feller spontan eine Visite ab. «Für derart viele Leute sind wir nicht eingerichtet. Es galt zu handeln», sagt Feller. Er fackelte nicht lange, stellte zwei FCL-Fans an die Bierzapfsäulen. Er selber organisierte bei umliegenden Beizen Nachschub. «Es funktionierte einwandfrei», sagt Feller.

Die Fans hätten sich vorbildlich benommen. Rund 300 Liter Bier, 40 Hamburger, 50 Bratwürste und unzählige Portionen Pommes frites konnte Feller an den Mann bringen. Nach zwei Stunden war der Spuk vorbei. Nach Abpfiff der Super-League-Partie verliessen die FCL-Fans das Gelände des Viertligisten friedlich. Eine Scheibe sei zu Bruch gegangen, und der Putzeinsatz sei intensiver gewesen, sagt Feller. «Das war aber auch schon alles.» (Thuner Tagblatt)

Erstellt: 08.05.2017, 17:46 Uhr

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20.05.FC Lausanne-Sport - FC Thun0 : 0
20.05.FC Lugano - FC Vaduz2 : 1
21.05.FC Sion - FC Luzern2 : 3
21.05.FC St. Gallen - Grasshopper Club4 : 1
21.05.BSC Young Boys - FC Basel 18932 : 1
Stand: 21.05.2017 17:51

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NameSpSUNG:EP
1.FC Basel 189334248285:3380
2.BSC Young Boys34198770:4465
3.FC Lugano341481250:5950
4.FC Sion341541558:5349
5.FC Luzern341371459:6446
6.FC Thun3410111355:6241
7.FC St. Gallen341171641:5240
8.Grasshopper Club341071745:5737
9.FC Lausanne-Sport34981750:5835
10.FC Vaduz34781942:7329
Stand: 21.05.2017 17:53

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