Eine Frage der Perspektive

Die umstrittene Umfahrungsstrasse ist ausgesteckt. Gegner und Befürworter unterstellen sich derweil gegenseitig, falsche Fakten zu verbreiten. Eine Begehung vor Ort.

Im Bützbergtäli, wo ein  Abzweiger in Richtung  Aarwangen  vorgesehen ist, besahen sich gut 40 Leute die ausgesteckte Führung der Umfahrungsstrasse.

Im Bützbergtäli, wo ein Abzweiger in Richtung Aarwangen vorgesehen ist, besahen sich gut 40 Leute die ausgesteckte Führung der Umfahrungsstrasse. Bild: Thomas Peter

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Rot-weisses Absperrband markiert den Verlauf der geplan­ten Umfahrungsstrasse zwischen Bützberg und Aarwangen, genauer: zwischen Spichigwald und Hardwald. Hier, im Idyll des grünen Bützbergtäli, wollen Landwirte und/oder Mitglieder des Referendumskomitees «Nein zur Luxusstrasse im Oberaargau» die Dimension der Verkehrssanierung Aarwangen–Langenthal-Nord sichtbar machen.

Vom Spichigwaldtunnel soll die 3,8 Kilometer lange und zweispurige Umfahrungsstrasse ins Täli und weiter bis zur Einmündung in die Zürich-Bern-Strasse führen. Viereinhalb Fussballfelder Land würden dafür verbaut, rechnet Samuel Jenzer, Landwirt und Präsident der Thunstetter Burgergemeinde, vor. Vorausgesetzt, die Stimmberechtigten bewilligen nächsten Monat an der Urne 6,6 Millionen Franken für die Projektierung des 136-Millionen-Projekts.

Züpfe, Tee und Alternativen

Zur Begehung des ausgesteckten Strassenverlaufs sind nicht nur die zu erwartenden Vertreter von VCS, den Grünen, der GLP, der SP und Umweltverbänden gekommen, sondern primär Bützbergerinnen und Bützberger, Bewirtschafter des Kulturlands und Ansässige.

Erst werden an diesem Mittwochabend Abstimmungsinfos, später Züpfestücke und warmer Tee verteilt. Es fallen Begriffe wie Mogelpackung und Etikettenschwindel, weil es der Gegnerschaft zufolge ja gar nicht um eine Sanierung geht – sondern um ein gigantisches Bauprojekt, das die Verkehrsprobleme verschiebe.

Auch, weil es durchaus alternative Varianten gebe und stets gegeben habe, erzählt Fredy Lindegger, der das «lokale Management» der Nein-Kampagne verantwortet. Er deutet auf die aufgehängten Skizzen am Strassenrand. Der Pulk nickt, murmelt. Die Meinungen sind längst gemacht.

Beide Seiten werfen sich vor, es mit der Wahrheit nicht so genau zu nehmen. So stimme die Behauptung von Baudirektorin Barbara Egger nicht, dass mit 16'000 Fahrzeugen täglich in Aarwangen gleich viel Verkehr herrsche wie auf der Gotthard-Autobahn, moniert die Gegnerschaft. Das sei höchstens ausnahmsweise so, behauptet Lindegger: Dann, wenn der Tunnel zuvor gesperrt gewesen sei und in Aarwangen gerade «sehr viel» laufe.

Unken im Tal, Kinder im Dorf

Unter den Engagierten und Zuhörenden sind auch einzelne, die dem Befürworterlager angehören. Aarwangens Gemeindepräsident Kurt Bläuenstein (FDP), Alt-Wirtschaftsverbandspräsident Bernhard Meyer etwa. Dass sie sich auch zu Wort melden und die Plattform nutzen, kommt nicht gut an.

Für «mangelnde Verhandlungsbereitschaft» und «Arroganz» werde er bei der Abstimmung die Quittung erhalten, schleudert einer Bläuenstein entgegen. Der neue Co-Präsident des Smaragdgebiets legt nach den Ausführungen von WWF-Vertreterin Simone Baumgartner aber doch Wert darauf, dass der gleichnamige Verein selbst eine neutrale Haltung einnimmt. Smaragd-Vertreter hätten im Vorfeld mit den Behörden zusammengearbeitet, damit die Natur möglichst wenig tangiert werde.

Während die einen um die Gelbbauchunken-Vorkommen im Täli fürchten, argumentieren die anderen mit den Schulkindern im verkehrsgeplagten Aarwangen. Es trennt sie mehr als nur rot-weisses Band. (Berner Zeitung)

Erstellt: 21.04.2017, 06:46 Uhr

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