Skandale (fast) ohne Folgen

Trotz medialen Gewittern schafften Margret Kiener Nellen und Christa Markwalder recht souverän die Wiederwahl. Ganz folgenlos blieben die negativen Schlagzeilen aber nicht.

Wurden trotz Negativschlagzeilen wiedergewählt: FDP-Nationalrätin Christa Markwalder (links) und SP-Nationalrätin Margret Kiener Nellen.

Wurden trotz Negativschlagzeilen wiedergewählt: FDP-Nationalrätin Christa Markwalder (links) und SP-Nationalrätin Margret Kiener Nellen. Bild: Keystone/Andreas Blatter

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Federn gelassen, Wiederwahl geschafft: So lässt sich die Situation von Margret Kiener Nellen umschreiben. Im Vergleich zur Wahl 2011 büsste sie 21 Prozent Wählerstimmen ein. Parteiintern wurde sie von Matthias Aebischer, Corrado Pardini und auch Nadine Masshardt überflügelt.

Die Bolligerin ist erleichtert, sie hatte Respekt vor der Wahl. Offen gibt sie zu: «Die perfide Medienkampagne der ‹Weltwoche› hat mir stark geschadet, auch innerhalb der Partei.» Sie habe eine sehr gute Amtszeit hinter sich. «Aufgrund meiner Erfolge hätte ich eigentlich viel mehr Stimmen holen müssen.»

Hetze hat Spuren hinterlassen

Zur Erinnerung: Die «Weltwoche» hatte im Herbst 2014 öffentlich gemacht, Kiener Nellens Ehemann, ein Unternehmer, habe mit einem Einkauf in seine Pensionskasse Steuern optimiert. Die SP-Nationalrätin hatte sich zunächst öffentlich entschuldigt, später aber immer wieder betont, ihr Mann habe keinen «Steuertrick» angewandt, sondern einzig die Wegleitung zur Steuererklärung befolgt. Die Hetze habe Spuren hinterlassen, auch bei der Familie. «Es ist traurig, wenn man für etwas diffamiert wird, das gesetzmässig ist.»

Kurz vor den Wahlen wurde Kiener Nellen auch noch zur Zielscheibe einer teuren Kleber-aktion politischer Gegner. «Diese Aktion hat mehr gekostet, als ich selber für die ganze Wahlkampagne zur Verfügung hatte», sagt Kiener Nellen. Viele Wähler hätten diese Antiwerbung nicht goutiert, sie habe viel Zuspruch erhalten. «Innerhalb der Partei wurde die alte Geschichte aber wieder aufgewärmt.»

Nach der Wahl will die fitte 62-Jährige («Ich bin sehr leistungsfähig») die leide Geschichte nun endgültig abhaken und sich endlich wieder der Politik zuwenden – zum Beispiel innerhalb der beiden internationalen Delegationen OSZE und IPU, denen sie angehört.

«Es war ein Medien-Tsunami»

Christa Markwalder erreichte – wie vier Jahre zuvor – den zweiten Platz auf der FDP-Liste, und holte mit 63716 fast doppelt so viele Stimmen wie die drittplatzierte Claudine Esseiva auf dem Ersatzplatz. Im Vergleich zu 2011 verlor die Burgdorferin bloss rund 6 Prozent Stimmen.

Angesichts des «Medien-Tsunamis» (O-Ton Markwalder), der im letzten Mai durch einen Artikel in der NZZ losgetreten wurde, konnte dieses Resultat nicht unbedingt erwartet werden. Markwalder war unter anderem vorgeworfen worden, sie habe das Kommissionsgeheimnis verletzt, als sie die Antwort auf eine Interpellation zu Kasachstan einer Lobbyistin weiterreichte.

«Es war eine surreale Situation.» Die Wiederwahl sieht sie deshalb als «Belohnung für zwölf Jahre politisches Engagement, verbunden mit sehr viel Arbeit». Eine nächste Belohnung folgt voraussichtlich in zwei Monaten mit der Wahl zur Nationalratspräsidentin. Es wäre die mutmassliche Krönung der politischen Karriere Markwalders. (Berner Zeitung)

Erstellt: 19.10.2015, 15:25 Uhr

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