Burgdorf

Immer wieder dienstags

Burgdorf Wenn 75 Senioren gemeinsam auf Wanderung gehen, ist einiges los. Die Dienstagswanderer zeichnen sich durch gute Laune und Ausdauer aus. Sie gelten als die aktivste Gruppe des Schweizer Alpen-Clubs.

Eine grosse Gruppe Senioren begibt sich von Hindelbank auf den Weg in Richtung Burgdorf. Bild: Thomas Peter

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Hier eine freudige Begrüssung, da ein Spässchen. «Hast du dir extra für die Zeitung die Haare gekämmt?», fragt einer den anderen. Beide lachen. Die Stimmung ist ausgelassen, der Geräuschpegel hoch. Wenn sich die Senioren zu ihrer wöchentlichen Wanderung treffen, geht es beinahe zu und her wie auf einer Schulreise.

Ganz wie ein Lehrer muss sich Fritz Adolf, Leiter der sogenannten Dienstagswanderer, erst Gehör verschaffen, bevor er etwas mitteilen kann. Dies tut er mit einem lauten Pfiff. Adolf gibt die Route bekannt. Sie führt von Hindelbank über Schleumen durch den Pleerwald zurück nach Burgdorf. Und schon geht es los. Genau in dem Moment reisst die Wolkendecke auf, und die Sonne kommt zum Vorschein: ideales Wanderwetter.

Doch die Dienstagswanderer sind keine Schönwetterspaziergänger. «Die Wanderung findet immer statt, auch bei Schnee, Wind und Regen», sagt Fritz Adolf. An rund 50 Dienstagen im Jahr sind sie unterwegs. Und das bereits seit 54 Jahren. Waren es zu Beginn deren sieben Männer, ist die Gruppe von Jahr zu Jahr gewachsen. Heute sinds 112 Mitglieder, und zwar nicht nur auf dem Papier. «Wir sind die aktivste Gruppe des Schweizer Alpen-Clubs», sagt Adolf mit Stolz. Es seien jede Woche zwischen 40 und 80 Wanderer unterwegs.

Zeit fürs Plaudern

An diesem Dienstag sind es 75 Männer. Aufgeteilt sind sie in zwei Gruppen. Jene, die in Hindelbank starten, sind gut zwei Stunden unterwegs. Eine kürzere Route für jene, die nicht mehr ganz so gut zu Fuss sind, führt von Lyssach nach Burgdorf.

Die Gruppe, die sich für die längere Wanderung entschieden hat, ist inzwischen beim Clubhaus der Hornussergesellschaft Hettiswil angelangt. Eine kurze Rast steht auf dem Programm. Die Männer plaudern mit den Hornussern oder gönnen sich eine Verschnaufpause. Nach knapp zehn Minuten geht es schon weiter.

«Die Dienstage sind für mich heilig.»

Walter Steiner

Trotz zackigem Tempo haben die Männer noch Zeit für Gespräche. Die einen unterhalten sich über die Erdbeeren, die man bereits jetzt im Supermarkt kaufen kann. Die seien gar nicht so sauer, wie sie aussehen würden, sind sie sich einig. Die anderen sprechen über das vergangene Osterwochen­ende. Immer wieder neu mischen sich die Gruppen.

«Die Kameradschaft steht im Vordergrund», sagt Walter Steiner. Der 84-Jährige ist schon seit mehr als 20 Jahren Mitglied der Dienstagswanderer. In jungen Jahren bevorzugte er jedoch andere Sportarten. «Früher habe ich Volleyball gespielt.» Die Wanderlust packte ihn erst nach der Pensionierung. Mit seinem Schwager plante er den Weg von Burgdorf nach Locarno zu Fuss zurückzulegen.

Dafür musste er erst trainieren. Rund um Burgdorf lief er weitere Strecken. Bei einem seiner Trainings traf er auf die Dienstagswanderer. «Sie meinten, ich sei ein schöner Joggel, so allein zu spazieren.» Gemeinsam mache es ja viel mehr Spass. Seither ist Walter Steiner bei fast jeder Wanderung dabei. «Die Dienstage sind für mich ­heilig.»

100 Wanderrouten

1990 wurde Steiner dann Leiter der Dienstagswanderer. Mit ihm hielten auch neue Technologien Einzug. Wurden die Teilnehmerlisten und Routen früher handschriftlich festgehalten, nutzte er, der bei verschiedenen Banken in der Informatik gearbeitet hatte, den Computer.

«Die Wanderung findet immer statt, auch bei Schnee, Wind und Regen.»

Fritz Adolf

Viele Wanderrouten konnte er so seinem Nachfolger weitergeben. Und dieser ergänzte das Repertoire fleissig. «Wir machen jede Wanderung höchstens einmal im Jahr», sagt Fritz Adolf. Über 100 Routen im Emmental, im Oberaargau oder in der Region Solothurn stehen zur Auswahl. Die grösste Herausforderung bei der Planung sei es, einen Ort zum Einkehren zu finden, so der 73-Jährige.

Denn am Ende jeder Wanderung treffen sich die Teilnehmer im Restaurant. Davon gibt es wegen des Beizensterbens bekanntlich immer weniger. Zudem muss die Ratsstätte genügend Platz bieten und das richtige Zvieri auf der Speisekarte haben. «Man nennt uns auch die Nussgipfelwanderer», sagt Adolf und lacht. Manche Restaurants würden gar extra für sie den Betrieb öffnen. Schliesslich würde man mit so einer grossen Gruppe einiges konsumieren.

Nussgipfel und Bier

Nach gut zwei Stunden ist auch an diesem Dienstag die Raststätte nicht mehr weit weg. Die Gruppe geht vorbei an einer Wiese, übersät mit leuchtend gelbem Löwenzahn, und schon biegt sie zur Burgdorfer Tennishalle ein. Dort warten bereits jene Männer, welche die kürzere Wanderung gemacht haben. Sie gönnen sich ein Bier oder einen Kaffee und natürlich einen Nussgipfel.

Frauen hingegen sind heute im Restaurant nebst den Serviererinnen keine anzutreffen. Die Gattinnen kommen nämlich nur einmal im Jahr mit. Doch das scheint ihnen ganz recht zu sein.

So steht es zumindest im Bericht, den die Dienstagswanderer anlässlich ihres 50-Jahr-Jubiläums verfasst haben: «Die Wandertage sind auch bei den Partnerinnen beliebt. Öffnen sich ihnen so Freiräume zum Besuch von Freundinnen und Bekannten oder zum Shoppen.»

(Berner Zeitung)

Erstellt: 21.04.2017, 10:20 Uhr

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