Langnau

Hintendrein wie die alte Fasnacht

LangnauIn Langnau ist am Mittwoch Fastnachtsmärit. Wie bitte, mag man sich fragen, jetzt noch Fasnacht? Aber ja. Die Langnauer wissen, was sie tun. Und sie haben die Geschichte auf ihrer Seite.

Nichts bringt die Fasnacht und den Markt so schön zusammen wie das Manndli, dessen Aufgabe es eigentlich ist, für den Langnau-Märit zu werben. Und das von den Fasnachtsverantwortlichen eine rote Nase aufgesetzt bekam.

Nichts bringt die Fasnacht und den Markt so schön zusammen wie das Manndli, dessen Aufgabe es eigentlich ist, für den Langnau-Märit zu werben. Und das von den Fasnachtsverantwortlichen eine rote Nase aufgesetzt bekam. Bild: zvg

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Die Luzerner haben sie längst hinter sich, die Oberaargauer ebenfalls, und sogar in Basel sind die «drey scheenschte Dääg» 2016 Geschichte. Die Fasnacht ist zu Ende, die Narren ruhen. Könnte man meinen. Aber ohalätz, der Blick in den Veranstaltungskalender von Langnau belehrt einen eines Besseren: Mittwoch, 24. Februar, Fasnachtsmärit.

Die Frage sei erlaubt: Was soll das? Erstens ist die Zeit für närrisches Treiben definitiv vorbei, wer nach den Baslern kommt, ist sprichwörtlich wirklich hintendrein wie die alte Fasnacht.

Und zweitens: Wie kommt Langnau dazu, einen Fastnachtsmarkt zu organisieren? Ein Dorf, in dem Narren und Konfetti einen ziemlich schwierigen Stand haben? In dem man seit Mitte der 1990er-Jahre versucht, eine Fasnacht auf die Beine zu stellen, mit – sagen wir – mässigem Erfolg?

Erstes Licht ins Dunkel bringt Gemeindeschreiber Samuel Buri: Der Fastnachtsmärit habe immer schon so geheissen, weiss er. «Bereits im Märitreglement von 1924 ist er verankert.» Dann macht Buri auf ein kleines, aber feines Detail aufmerksam: In Langnau heisst es eben nicht Fasnachtsmärit, sondern Fastnachtsmärit. Haben Sie es bemerkt? Es ist das t im Wort Fastnacht, das darauf schliessen lässt, dass der Markt am Ende gar nichts mit dem närrischen Treiben, sondern mit der Fastenzeit zu tun hat.

Natürlich werden gut Informierte jetzt einwenden, dass Fastenzeit und Fasnacht seit eh und je zusammengehören. Recht haben sie. Und seit eh und je gibt es auch den Fastnachtsmärit in Langnau. Madeleine Ryser vom Regionalmuseum Chüechlihuus verweist auf das Buch «Die alten Dorfmärkte des Emmentals» von Fritz Häusler. Dort ist zu lesen, dass in der ersten schriftlichen Erwähnung des Langnauer Marktrechtes schon anno 1467 ein Märit am «Mittwoch vor der alten Fasnacht» bewilligt wurde.

So weit, so gut. Der Fastnachtsmarkt in Langnau hat also eine sehr, sehr lange Tradition. Wie ist das aber mit dem Fasten? Hier kann Hansueli Hofer weiterhelfen. Der Langnauer gehörte in den 1990er-Jahren zu den Gründervätern der «neuen» Fasnacht.

Er hat damals zur Geschichte des närrischen Treibens recherchiert und ist fündig geworden. Nicht nur kann er berichten, dass um 1600 sehr wohl Fasnacht gefeiert wurde im Dorf, sondern auch, dass es Chorgerichtsurteile gibt, wonach Langnauer bestraft wurden, weil sie am Sonntag in der Beiz waren und damit das Fasten gebrochen hatten.

Man kannte also – auf der Grenze vom reformierten ins katholische Gebiet – die Fasnacht und das Fasten. Dabei hat nicht nur Letzteres Anlass zu Ungehorsam gegeben. Die Fasnacht, sagt Hofer, habe auch dazu gedient, ihren Unmut gegenüber den Pfarrherren kundzutun. Überliefert ist, dass während der närrischen Tage die Scheune eines Pfarrers abgebrannt ist.

So wild geht es heute nicht mehr zu. Mitte der 1980er-Jahre gab es in Langnau erste scheue Anzeichen einer neuen Fasnachtsbewegung. Mit der Gründung der Guggenmusik Hirsebrätscher nahm das närrische Treiben immer mehr Fahrt auf, und 1995 fand in Langnau die erste Fasnacht statt. So richtig freute man sich im Dorf nicht darüber.

Es kam vor, dass den Guggenmusiken beim Betreten eines Lokals ein Besen in die Hand gedrückt wurde. «Damit sie die Konfetti beim Verlassen der Beiz zusammenwischen konnten», erinnert sich Hofer. Trotzdem besteht die Fasnacht bis heute, am kommenden Samstag sind die Narren und Guggen wieder unterwegs.

Die Zweiflerin sieht ein: Es gab und gibt Fasnacht in Langnau, und so hat auch der Fastnachtsmärit seine Berechtigung. Der Termin ist zwar gewöhnungsbedürftig, aber halt so überliefert. Wie übrigens auch jener des Maimarktes: Der findet am letzten Mittwoch im April statt. Das war schon immer so – und wird auch so bleiben. (Berner Zeitung)

Erstellt: 22.02.2016, 06:42 Uhr

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