Langenthal

Wenn «Spränzu» auf «Fätze» trifft

LangenthalIn der Markthalle Langenthal zeigten am Sonntag 226 Jungschwinger aus dem ganzen Bernbiet ihr Können im Sägemehl.

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Hände drücken vor dem Kampf, Rücken säubern nach dem Kampf: Die Jungschwinger halten es bei der Ausübung ihrer Leidenschaft sportlich fair wie die grossen «Bösen». Bei den Emotionen gibt es aber noch gewisse Unterschiede.

Bei den jüngsten Jahrgängen sieht man nach einem verlorenen Kampf auch immer wieder mal eine Träne über die Wange kullern. Sei es wegen eines schmerzhaften Sturzes auf den Rücken, einer Handvoll verschluckten Sägemehls oder natürlich auch wegen einer besonders bitteren Niederlage.

Oft muss ein «Spränzu» gegen einen «Fätze» antreten. So auch in diesem Kampf. Bereit machen sich der Lokalmatador vom Schwingklub Langenthal, Severin Staub (12-jährig), und Nils Oester (13-jährig) vom Schwingklub Adelboden. Ihre Brillen deponieren sie beim Ringrichter, wo auch schon ihre Notenblätter bereitliegen.

Beide sind mit einem Sieg und einer Niederlage in den Tag gestartet. Auch wenn die Schwinger den gleichen Jahrgang haben, rein optisch ist es ein ungleiches Duell, denn Staub übertrifft seinen Kontrahenten sowohl beim Gewicht als auch in der Grösse deutlich. Und so überrascht es nicht, dass der Kampf bereits nach kurzer Dauer zu Ende ist.

Zwar kann Oester gekonnt eine Zehnerverwertung seines Gegners verhindern, indem er sich beim Sturz ins Sägemehl um die eigene Achse dreht. Aber im Bodenkampf bleibt er gegen den körperlich überlegenen Gegner chancenlos. Nach einigem Ziehen, Drehen, Murksen und Drücken ist Oesters Rücken im Sägemehl.

Wachstum spielt grosse Rolle

Der unterlegene Schwinger aus dem Berner Oberland nimmt die Niederlage gelassen: «Me muess ou chönne iistecke», sagt er trocken. Auf die unterschiedlichen körperlichen Voraussetzungen angesprochen, macht er klar, dass er schon vieles probiert hat: «Das mitem viu Ässe hani ufgäh. Äs het nüt gnützt», so Oester.

Essen so viel man will, ohne zuzunehmen, das klingt für viele nach einem genetischen Segen. Für einen Schwinger ist es aber ein Wettbewerbsnachteil. So muss Oester halt versuchen, den Nachteil mit einer überlegenen Technik wettzumachen. Gegen einen Schwinger wie Severin Staub, der neben einer «Schwinger-Genetik» auch eine feine Technik mit ins Sägemehl bringt, bedeutet das aber meist eine Niederlage.

Der junge Melchnauer Staub ist eines der grössten Talente seines Vereins. Für Larifari zu Beginn eines Kampfes ist er nicht zu haben. «Aagriff isch die beschti Verteidigung», gibt Staub sein Motto bekannt. Und so erstaunt es nicht, dass seine Kämpfe jeweils eher von kurzer Dauer sind.

Lorbeeren kriegt Staub auch vom Präsidenten seines Vereins. Ueli Widmer stellt vor Ort mit gut 40 Helfern die reibungslose Durchführung des Anlasses sicher. Auch er weiss, dass es manchmal zu ungleichen Duellen im Sägemehl kommt. «Bei den Jungschwingern spielt es eine grosse Rolle, wie sich das Wachstum entwickelt. Aber man kann auch viel mit Technik erreichen», sagt Widmer.

Er und sein Team haben auch den Gabentempel zusammengestellt, wo am Schluss des Wettkampfs jeder Schwinger einen Preis holen kann. Dort zieht vor allem ein Preis die Blicke auf sich: zwei Hühner.

Der Preis wurde von den Organisatoren des Langenthaler Fasnachtsmarkts gesponsert. Mit Jan Tschudin und Michael Lüdi sind auch gleich zwei Vertreter selbst vor Ort. Es sei mittlerweile das zweite Jahr, dass man so einen «Lebendpreis» beitrage, erklärt Tschudin.

Einen guten Grund, auch dieses Jahr eine Spende an den Gabentempel zu geben, lieferte der letztjährige Gewinner der Hühner. «Er hat uns einen seitenlangen Dankesbrief geschrieben inklusive Fotos von ihm und seinen Hühnern», erinnert sich Lüdi.

Korrekt auch abseits des Rings

Das zeigt einmal mehr: Schwinger wissen nicht nur, wie man sich im Sägemehl sportlich und korrekt verhält, sondern auch ausserhalb.

Rangliste: www.esv.ch (Berner Zeitung)

Erstellt: 23.03.2015, 06:14 Uhr

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