Hinterkappelen

SVP-Grossrat gegen Migros geht in die nächste Runde

HinterkappelenDie Migros hatte eigentlich für ihr Ladenprovisorium schon alles eingefädelt. Doch dann tauchte ein alter Bekannter auf.

Stefan Hofer kämpft gegen das Migros-Provisorium auf der grünen Wiese am Kappelenring. In den Wohnblöcken rechts besitzt der SVP-Grossrat eine Wohnung.

Stefan Hofer kämpft gegen das Migros-Provisorium auf der grünen Wiese am Kappelenring. In den Wohnblöcken rechts besitzt der SVP-Grossrat eine Wohnung. Bild: Andreas Blatter

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Sie werden wohl keine Freunde mehr: die Migros Aare und der Gross- und Stadtrat Stefan Hofer (SVP). Seit Jahren schon bekämpfen sie sich. Bislang führte die Migros nach Punkten, nun aber holt Hofer zum Schlag aus.

Es ist der Zufall, und für die Migros ein ganz blöder, der Hofer dieses Comeback ermöglicht. Die Migros reisst in Hinterkappelen den Chappelemärit ab und will 25 Millionen in einen Neubau investieren.

Während dessen Baus errichtet sie ein Ladenprovisorium auf der Wiese schräg vis-à-vis dem heutigen Standort. Dafür braucht es eine Ausnahmebewilligung, der Kanton hat diese in Aussicht gestellt (siehe Infobox).

Und genau hier will es der Zufall, dass ausgerechnet Hofer im Wohnblock gegenüber der Pro­visoriumswiese Stockwerkeigentümer ist. Es handle sich um die elterliche Wohnung, so Hofer. Dieser ist also Anrainer und damit zur Einsprache berechtigt. Ein Schlag, der sitzt.

Der Streit fing schon früher an

Die Gemeinde Wohlen bestätigt, dass eine Einsprache eingegangen ist. Namen will sie keine nennen. Hofer bestätigt aber auf Anfrage, dass er der Einsprecher ist. Die Migros sah das Unheil nicht kommen. Die Gemeinde habe sie am Dienstag über die Einsprache in Kenntnis gesetzt.

Noch liege nichts schriftlich vor, man müsse abwarten, so eine Migros-Sprecherin zurückhaltend. Bis dahin will der überrumpelte Gross­verteiler nichts zur Sache sagen. Auch nicht dazu, wie sehr die Einsprache ihren Zeitplan verzögert.

Wer die Eskalation in Hinterkappelen verstehen will, muss nach Münchenbuchsee schauen. Dort plante Bauunternehmer Hofer beim ehemaligen Restaurant Löwen eine Überbauung. Gleich gegenüber – Überraschung – steht eine Migros-Filiale.

Damals lief die Sache umgekehrt als heute. Die Migros Aare machte Einsprache gegen Hofer, unter anderem wegen zweier Velounterstände. Laut Hofer ging es der Migros aber um mehr, nämlich um 39 Autoparkplätze, die sie für sich beanspruchte, deren Nutzungsrecht aber Hofer besass. Am Ende unterzeichneten die beiden eine Vereinbarung.

Hofer hielt sich jedoch nicht an seinen Teil und reichte Straf­anzeige gegen die Migros wegen Erpressung und Nötigung ein, namentlich gegen die beiden damaligen Geschäftsleitungsmitglieder Anton Gäumann und Beat Zahnd.

Die Migros wiederum reagierte, indem sie Hofers Firma Honag AG beim kantonalen Handelsgericht anklagte. Beide Verfahren sind noch hängig, wie die Parteien auf Anfrage bestätigen.

Warf Migros Hofer aus Zirkel?

Kurioseste Episode des Streits: Hofer behauptete, er sei wegen der Migros aus dem exklusiven Presidents Club des Fussballclubs YB ausgeschlossen worden (damaliger Mitgliederbeitrag pro Jahr: 26'000 Franken).

Die Migros habe YB mit dem Rückzug des Sponsorings gedroht, rund einer Million Franken. YB knickte ein und warf Hofer raus. Die Migros allerdings bestreitet Ho­fers Schilderung. Die Vorwürfe seien absurd. YB-Insider be­stätigten damals aber dieser Zeitung, dass die Migros durchaus Druck gemacht habe. So oder so: Hofer war aus dem Zirkel draussen.

Hofer bestreitet Racheakt

Und nun folgt die Rache. Hofer selber legt Wert auf die Tatsache, dass es ihm gerade nicht um Rache gehe. Sein Argument: «Das Vorhaben der Migros ist schlicht nicht zonenkonform», weil es sich bei der Wiese um Kulturland handle.

Jedem Bauern, der in seiner Landwirtschaftszone auch nur ein Verkaufshäuschen aufstellen wolle, werde dies verboten, so Hofer. Warum gerade der wesentlich grössere Eingriff der Migros nun mit einer Ausnahme bewilligt werden sollte, sei nicht nachvollziehbar.

Als Beispiel nennt er das Migros-Provisorium auf der Kasernenwiese im Berner Breitenrain. Dieses vereitelte der Statthalter damals tatsächlich, weil es nicht zonenkonform war.

Verhandlung ausgeschlossen

Hofer ist sich seiner Sache sicher: «Ich rechne fest mit einem Bauabschlag.» Nun muss die Gemeinde Wohlen entscheiden. ­Danach käme der Fall an die kantonale Baudirektion.

Weitere Stationen – sie würden eine jahrelange Verzögerung bedeuten – sind das Verwaltungs- und das Bundesgericht. «Wenn es sein muss, ziehe ich die Sache bis zum Ende durch», sagt Hofer. Der ­letzte Satz in seiner Einsprache sagt alles: «Aufgrund der klaren Rechtslage verzichte ich auf eine Einspracheverhandlung.»

Sie werden wohl keine Freunde mehr. (Berner Zeitung)

Erstellt: 17.05.2017, 06:09 Uhr

25 Millionen Franken für einen neuen Laden und 35 Wohnungen

Die Migros-Genossenschaft Aare hat in Hinterkappelen Grosses vor. Sie will den in die Jahre gekommenen Chappelemärit durch einen Neubau ersetzen. Gleichzeitig mit einem neuen Verkaufsladen entstehen in der Überbauung 35 Wohnungen. Insgesamt investiert die Migros rund 25 Millionen Franken. Das Baugesuch wurde bei der Gemeinde Wohlen bereits eingereicht.

Der eigentliche Zeitplan sah vor, Anfang 2018 mit dem Abbruch und dem Neubau zu beginnen. Bis zu diesem Zeitpunkt sollte das Ladenprovisorium schräg vis-à-vis stehen und die Grundversorgung der Be­völkerung während der zweieinhalb Jahre Bauzeit sicherstellen. In das Provisorium ziehen die heutigen Mieter des Chappelemärit mit ein – Denner, ein Coiffeur, eine Drogerie, ein Kiosk. Die Eröffnung des Chappelemärit ist 2020 vorgesehen.

Es war ein grosses Anliegen der Gemeinde Wohlen, dass die Migros während der Bauzeit ein Provisorium aufstellt. In Hinterkappelen mit seinen über 4500 Einwohnern gibt es sonst keine grössere Einkaufsmöglichkeit. Die Suche nach einem möglichen Standort gestaltete sich sehr schwierig. In der Bauzone wurde keine geeignete Fläche gefunden. Deshalb wurde auf die nun zur Diskussion stehende Parzelle in der Landwirtschaftszone ausgewichen.

Das Vorhaben in der Landwirtschaftszone braucht eine Ausnahmebewilligung, die das Amt für Gemeinden und Raumordnung (AGR) in Aussicht gestellt hat. Das AGR knüpfte diese an Bedingungen. So musste die ursprünglich vorgesehene Fläche des Provisoriums reduziert werden. Zudem muss die Migros nachweisen, dass der fruchtbare Boden erhalten bleibt. hus

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