SCB zahlt Zeche für Lugano-Hooligans

Weil Lugano-Hooligans einen Bernmobil-Bus beschädigt hatten, wendet die Stadt das Hooligan-Konkordat an, verlangt pro Gästefan 5 Franken. Der SCB könnte die Kosten auf die Tessiner Fans abwälzen – er zahlt aber selbst.

Die Tifosi des HC Lugano kriegen für die Anreise nach Bern keinen Sonderzug.

Die Tifosi des HC Lugano kriegen für die Anreise nach Bern keinen Sonderzug. Bild: Keystone

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Die Überraschung ist perfekt: Am nächsten Dienstag trifft der SCB im Playoff-Final zu Hause auf den HC Lugano. Bei dieser Affiche ist auch neben dem Eis noch buchstäblich eine Rechnung offen. Berns Sicherheitsdirektor Reto Nause (CVP) macht seine Drohung wahr: Die Stadt Bern ergreift anhand des Hooligan-Konkordats Massnahmen gegen die Lugano-Fans.

Zum einen müssen pro Eintritt im Gästesektor 5 Franken an Bernmobil überwiesen werden. Zum anderen gibt es keinen Fanzug aus dem Tessin, die Anreise ist nur individuell oder mit Car möglich. Dies, weil Tessiner Anhänger beim letzten Spiel in Bern einen Bus von Bernmobil verschmiert, Scheiben beschädigt und im Stadion Pyros gezündet hatten. Dabei wurde ein Anhänger des HC Lugano verletzt.

Die beiden Massnahmen gelten nur für das erste Heimspiel des SCB am kommenden Dienstag. «Wir haben zurzeit ausschliesslich das erste Playoff- Finalspiel bewilligt», sagt Reto Nause. «Wir werden die Situation nach jedem Spiel neu beurteilen.» Sprich: Sollten sich einzelne Anhänger des HC Lugano nicht benehmen, schliesst die Stadt härtere Sanktionen nicht aus.

900 mal 5 Franken

Gemäss den Regeln des Konkordats verlangt die Stadt den Aufpreis von 5 Franken pro Gästefan vom Veranstalter, also vom SCB. Der SCB könnte diese Kosten allerdings problemlos auf die Tessiner Fans abwälzen. Doch das tut er nicht. Alle Stehplatztickets – auch diejenigen im Gästesektor – werden für 50 Franken verkauft. «Wir wollen keine Ungleichbehandlung der Fans», sagt SCB-Mediensprecher Christian Dick. «Wir wollen auch auf den Rängen einen fairen, sportlichen Wettkampf.»

Der Gästesektor umfasst 900 Stehplätze. Wenn der Sektor am Dienstag ausverkauft ist, zahlt der SCB 4500 Franken für die Schäden der Tessiner Hooligans. Die bei Bernmobil angerichteten Schäden kosten allerdings 7500 Franken.

Auch der SCB-Sprecher betont, dass diese Entscheidung ausschliesslich für das erste Heimspiel gilt. Sprich: Sollten sich einzelne Anhänger des HC Lugano nicht benehmen, dürfte der SCB kaum willens sein, für weitere Sanktionen zu bezahlen.

Jean-Jacques Aeschlimann vom HC Lugano begrüsste gestern den Entscheid des SCB: «Das ist im Sinne des Sports», so Aeschlimann. Der HC Lugano werde tun, was er könne, damit es auf und neben dem Eis zu einem friedlichen Spektakel komme.

Das Duell SCB - HC Lugano in den Playoffs sei «unwahrscheinlich, aber denkbar». So urteilte diese Zeitung bei der Berichterstattung über den Bernmobil-Bus, der am 23. Januar von Lugano-Fans beschädigt wurde. Die Stadt Bern schickte die Rechnung der Reparatur an den HC Lugano. Doch die Tessiner dachten nicht daran, diese Rechnung zu begleichen.

Vor zwei Jahren trat der Kanton Bern dem verschärften Hooligan-Konkordat bei. Kernstück der Regelung ist eine Bewilligungspflicht für Fussball- und Eishockeyspiele der obersten Ligen. Die Gemeinden können ihre Bewilligungen an Auflagen knüpfen. Sie können zum Beispiel verfügen, dass die Fans mit Zügen anreisen müssen, sie können Sektoren schliessen, Geisterspiele anordnen oder Spiele absagen.

Heimspiel 2: YB/SCB - Lugano

Niemand will, dass es so weit kommt. «Es hängt namentlich von den Fans ab», sagt Reto Nause. «Wir hoffen, dass die Vorfälle im Januar ein einmaliger Ausrutscher waren und dass der Playoff-Final in geordneten Bahnen über die Bühne gehen kann.»

Beim zweiten Heimspiel am Samstag, 9. April, stellt sich erneut eine Herausforderung. Bevor 20.15 Uhr der Match auf dem Eis beginnt, startet 17.45 Uhr das YB-Heimspiel. «Wir müssen von Match zu Match schauen und die Massnahmen auf die Sicherheitslage abstimmen», so Nause. YB-Gegner an dem Abend ist übrigens auch Lugano. (Berner Zeitung)

Erstellt: 29.03.2016, 15:00 Uhr

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