Langenthal

«Es wäre nicht mehr das Gleiche»

Langenthal Vollblutfasnächtler Rolf Uhlmann organisiert heuer zum 23. Mal den Langenthaler Fasnachtsmarkt. Obschon der schweizweit einzigartige Anlass immer beliebter zu werden scheint, ist dessen Fortbestand keineswegs in Stein gemeisselt.

«Solange wir noch Fun haben, machen wir weiter»: OK-Chef Rolf Uhlmann (48) will ein Ende des Langenthaler Fasnachtsmarktes nicht vorwegnehmen. Trotzdem gibt er sich zurückhaltend, was die Übernahme der Organisation durch junge Kräfte anbelangt. Der Markt sei eben «unser Ding», sagt er.

«Solange wir noch Fun haben, machen wir weiter»: OK-Chef Rolf Uhlmann (48) will ein Ende des Langenthaler Fasnachtsmarktes nicht vorwegnehmen. Trotzdem gibt er sich zurückhaltend, was die Übernahme der Organisation durch junge Kräfte anbelangt. Der Markt sei eben «unser Ding», sagt er. Bild: Marcel Bieri

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Finden Sie nicht, das OK-Team des Langenthaler Fasnachtsmarkts trägt etwas gar dick auf?
Rolf Uhlmann: Wie kommen Sie darauf?

Lange Zeit wurde mit dem Slogan «Treffpunkt der Fasnachtsszene Schweiz» geworben. Heuer betiteln Sie Ihren Markt gar als «den einzig Wahren». Als ob es keine anderen Märkte gäbe, die dem Thema Fasnacht gewidmet sind . . .
Natürlich gibt es in der Schweiz noch ein paar andere fasnächtliche Märkte. Den Zentralschweizer Fasnachtsmarkt in Brunnen beispielsweise, der im Januar stattfindet – und notabene jünger ist als unserer. Oder jenen im sankt-gallischen Altstätten. Dieser Markt ist jedoch dezentral gelegen und von daher eher ein Insider-Märit. Viele andere sind in der Zwischenzeit aber wieder verschwunden: Nidau, Oberdorf, Zofingen, Liestal, Ittigen oder Emmen. Bei den beiden Letzteren war das Problem ebenfalls, dass sie zu wenig Ausstrahlung über die Region hinaus gehabt haben. Den Langenthaler Fasnachtsmarkt gibt es nun seit 23 Jahren. Kein anderer Markt konnte sich über einen solch langen Zeitraum und mit diesem ­Erfolg bestätigen.

Langenthal wird am kommenden Samstag also effektiv wieder zum Treffpunkt der Schweizer Fasnachtsszene?
Absolut. Für viele Teilnehmer steht das Kaufen und Verkaufen gar nicht im Vordergrund. Es geht darum, mit Gleichgesinnten in Kontakt zu kommen und zu quatschen. Viele Aussteller sagen: «Dabei sein ist alles.» Ein Jahr rentiere es für sie mehr, ein anderes eben etwas weniger. Auch für die auftretenden Guggen ist der Markt eine Plattform. Langenthaler Fasnächtler sind auf diese Weise schon an Engagements in Belgien herangekommen. Sie wurden in Langenthal von Belgiern rekrutiert.

Der Markt findet also auch im Ausland immer mehr Beachtung?
Ich habe das Gefühl, ja. Vor allem scheint es, als würden immer mehr deutsche Besucher den Weg nach Langenthal finden. Und deren Herkunft verschiebt sich immer mehr gen Norden. In diesem Jahr befinden sich unter den Standmietern gar einige Fasnächtler aus Köln.

Wie haben sich in den letzten Jahren die Besucherzahlen entwickelt?
Es kommen schätzungsweise jährlich zwischen zehn- und zwölftausend Leute nach Langenthal – je nach Wetter halt. Die Anzahl ist in den letzten sechs bis acht Jahren stabil geblieben.

Das Interesse der Besucher scheint also ungebrochen. Doch wie sieht es bei den Ausstellern aus? Drei Wochen vor dem Markt waren erst drei Viertel der Standplätze vergeben.
Das beunruhigt uns nicht im Geringsten. Erfahrungsgemäss gehen bis zum Schluss sämtliche der rund 165 Plätze weg. Letztes Jahr haben wir sogar noch rund 15 zusätzliche Stände aufgebaut, weil der Andrang so gross war. Dass kurz vor dem Anlass noch mehrere Plätze frei sind, hat mit unserer Organisation zu tun. Die Anmeldung und andere administrative Dinge werden komplett über unsere Website ab­gewickelt. Dadurch können alle jederzeit sehen, wie viele Plätze noch verfügbar sind. Gewisse Aussteller wägen ab, sie schauen auch aufs Wetter. Das sind die Kurzentschlossenen. Wer will, kann sich theoretisch auch erst einen Tag vor dem Fasnachtsmarkt anmelden.

Aber wenns doch auch bei den Ausstellern läuft wie geschmiert: Warum bauen Sie den Märit nicht noch weiter aus?
Grösser werden, mehr Stände aufstellen – ein ewiges Thema. Es gibt vor allem zwei Punkte, die dagegen sprechen. Erstens wollen wir die Qualität der angebo­tenen Artikel auf dem jetzigen Niveau halten. Das geht aber nur dann, wenn der Markt eine überblickbare Grösse hat – so wie jetzt. Zweitens spielt das Marktmaterial eine wichtige Rolle. Wir beziehen momentan sämtliche verfügbaren Marktstände der Gemeinden Langenthal und Huttwil. Dieses Material muss beim Auf- und Abbau auseinander­gehalten werden. Würden wir noch von weiteren Ortschaften Marktstände beziehen, wäre das für unsere Helfer kaum mehr zu bewältigen.

Sie haben vorhin die Qualität der Artikel angesprochen. Darüber – beziehungsweise über die Qualität der Stände – lässt sich jedoch streiten.
Das müssen Sie mir erklären.

Bei gewissen Anbietern – so hat man das Gefühl – fristen die feilgebotenen Fasnachtsartikel eher ein Schattendasein. Dafür floriert bei diesen Standbetreibern das gastronomische Angebot: ein Kafi Luz hier, ein Gläschen Weisswein da . . .
Solche Dinge ausschenken zu dürfen, wollen wir bewusst nicht verbieten. Dafür lösen wir eine Gesamtbewilligung. Ich werte es sogar als Stärke des hiesigen Fasnachtsmarkts: Die Cliquen haben trotz des offiziellen Bar- und Foodbereichs beim Choufhüsi die Gelegenheit, den Gästen an ihrem Stand etwas anzubieten und ins Gespräch zu kommen. Und da wären wir wieder beim Thema: Der Markt soll nicht nur Markt sein, sondern auch ein Stelldichein der Fasnächtler.

Eine solche Haltung geht aber letztlich zulasten Ihres eigenen Umsatzes. Das OK betreibt vor dem Choufhüsi die offizielle Fasnachtsmärit-Bar.
Der Kuchen ist doch gross genug. Letztlich können alle in ausreichender Form profitieren. Auch die Restaurants im Stadtzentrum haben etwas davon. Wir achten darauf, dass unser Essensangebot nicht übertrieben gross ist.

«Der Kuchen ist doch gross genug. Letztlich können alle in ausreichender Form profi­tieren.»

Rolf Uhlmann, OK-Chef

Im Veranstaltungsheft machen Sie die Standhalter darauf aufmerksam, dass nicht verkaufte Masken, Kostüme und dergleichen unter keinen Umständen liegen bleiben dürfen. Wie muss man sich das vorstellen? Ist Langenthal nicht nur der Treffpunkt, sondern auch der «Ghüderchübel» der Fasnachtsszene Schweiz?
Ah ja, die Abfallproblematik. Wir haben den Aufruf heuer erneut reingenommen. Das Thema ist allerdings nicht mehr so akut wie auch schon. Wir haben das mittlerweile recht gut im Griff. Beim Wegräumen der Stände am Nachmittag sind die helfenden Langenthaler Fasnächtler sowie die Mitarbeiter des Werkhofs dafür besorgt, dass die Standbetreiber ihre Fasnachtsutensilien wieder mitnehmen. Früher ist es aber tatsächlich vorgekommen, dass ganze Maskenbestände liegen gelassen wurden. Diese zu entsorgen, hat uns erhebliche Kosten verursacht.

Mit dem Markttreiben, der Gas­tronomie und der Guggenpower kommts um die Mittagszeit alljährlich zum «Gstungg» vor dem Choufhüsi. Warum den Markt nicht wieder zurück auf den Wuhrplatz und in die Jurastrasse verlegen – so wie damals während der Sanierung der Marktgasse?
Die Platzverhältnisse waren damals tatsächlich sehr ideal. Trotzdem sind wir wieder gerne in die Marktgasse zurückgekehrt. Einerseits ist sie vom Akustischen her für die aufspielenden Guggen besser geeignet. Andererseits gibt die Gasse – zusammen mit der St. Urbanstrasse bis hinauf zum Coop – auch optisch mehr her.

2018 können Sie das 25-Jahr-Jubiläum feiern. Wie lange wirds den Fasnachtsmarkt darüber hinaus noch geben?
Solange das mittlerweile 23-köpfige OK-Team seinen Spass dabei hat, den Anlass zu organisieren, wird der Fasnachtsmarkt fortbestehen. Irgendwann wird es einer Mehrheit im Team aber wohl zu viel Aufwand werden.

Dann rücken hoffentlich junge Langenthaler Fasnächtler nach, die den Markt weiterführen ­wollen.
Auch wenn das so wäre: Wir haben das Gefühl, es wäre dann nicht mehr das Gleiche. Wir gehen momentan nicht davon aus, dass wir die Organisation weiter- oder abgeben werden. Wenn eine Mehrheit des jetzigen Teams nicht mehr will, dann wird es das höchstwahrscheinlich gewesen sein mit dem Langenthaler Fasnachtsmarkt.

23. Fasnachtsmarkt: Samstag, 22. Oktober, Stadtzentrum Langenthal. Marktbetrieb: 9 bis 15.30 Uhr. Guggenpower und Festbetrieb: 9 bis 20 Uhr, vor dem Choufhüsi.

(Berner Zeitung)

Erstellt: 19.10.2016, 06:23 Uhr

Zur Person

Rolf Uhlmann (48) rief den Langenthaler Fasnachtsmarkt vor 23 Jahren zusammen mit einem guten Freund ins Leben. Sie überzeugten die Langenthaler Fasnachtsgesellschaft (LFG) von der Idee. Die LFG hat bis heute das Patronat inne – wobei der Anlass heute finanziell komplett auf eigenen Beinen steht. Rolf Uhlmann ist Mitglied der LFG. Er engagiert sich auch nebst dem Fasnachtsmarkt für die hiesige Fasnacht. Früher war er Mitglied der Guggenmusik Strosse-Füdeler. Er arbeitet bei der Firma Calag im Bereich Beschriftung als Verkaufsberater.paj

Im und am Rebstock

An der Spitalgasse im Restaurant Rebstock gehen auch ausserhalb der närrischen Tage viele Langenthaler Fasnächtler ein und aus. Es ist auch das Stammlokal der Langenthaler Fasnachtsgesellschaft (LFG). Kein Wunder, wird die Päng-Rätschbox jeweils an der Aussenwand des Restaurants montiert. Ab dem 11.?November hängt der Kasten wieder, in welchen Beiträge für die Fasnachtspostille eingeworfen werden können. Ausserdem findet im Rebstock ab dem 14. November jeweils montags ab 17.30 Uhr der offizielle Fasnachtsstamm statt.paj

Oktoberfeste – Die Partys danach

Offiziell endet der Fasnachtsmarkt um 15.30 Uhr. Vor dem Choufhüsi geht der Festbetrieb mit der Guggenpower jedoch bis 20 Uhr weiter. Danach geht in der Markthalle traditions­gemäss das Oktoberfest der Blächsuger über die Bühne – heuer bereits zum neunten Mal. Innert Kürze war das Fest ausverkauft.

Wer trotzdem hinwill, sollte tagsüber am Fasnachtsmarkt oder abends vor der Halle Augen und Ohren offenhalten. Manch einer ist so schon kurzfristig noch zu einem Ticket gekommen. Wer leer ausgeht, kann den Fasnachtsmarkt auch anderswo ausklingen lassen. Ein weiteres Oktoberfest konnte sich in den letzten Jahren im Restaurant Braui etablieren. Ob Freitag oder Samstag: Ab 19 Uhr gibts Hofbräuhaus-Bier und Oktoberfest-Spezialitäten – musikalische Unterhaltung inklusive. Auch die Blächsuger laden übrigens bereits am Freitagabend zu «bayrischer Gemütlichkeit» in die Markthalle ein. Die Guggenmusik Pouseblooser veranstaltet derweil am Samstag wieder das Halli-Galli im Höfli bei der Spanischen Weinhalle, mit spontanen Guggenauftritten.paj

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