Langenthal

So richtet sich 3M neu ein

LangenthalEben erst bezogen, stellt das brandneue Gebäude von 3M Emea ein Meilenstein für die Entwicklung des nördlichen Bahnhofareals dar. Bis zu 300 Mitarbeitende aus über 30 Nationen tummeln sich fortan in den modernen Büros.

Wie ein Spiegel:?In der Fassade des 3M-Gebäudes werden  vorbeifahrende Züge wiedergegeben.

Wie ein Spiegel:?In der Fassade des 3M-Gebäudes werden vorbeifahrende Züge wiedergegeben. Bild: zvg

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Fast so zahlreich wie an einer UNO-Konferenz sind die vertretenen Landesflaggen im kürzlich fertiggestellten 3M-Gebäude beim Langenthaler Bahnhof. Kleine Fähnchen auf den Bürotischen zeigen, welchen Nationalitäten die daran Tätigen angehören.

«Die in Langenthal arbeitende Belegschaft repräsentiert über dreissig verschiedene Länder», sagt Mario Tomaselli, Projektleiter des 3M-Neubaus. Auf einer Fläche von 5800 Quadratmetern finden zwischen 250 und 300 Angestellte einen Arbeitsplatz. Etwa zwanzig Schweizerinnen und Schweizer gehören derzeit der hiesigen Belegschaft an. Bei diesem Verhältnis ist es kein Wunder, dass Englisch die unumstrittene Firmensprache ist. Ihren Hauptsitz hat die Post-it-Herstellerin ohnehin in den USA.

Langenthal als zentraler Hub

Bezogen wurde der Neubau beim Bahnhof Anfang Oktober (wir berichteten). Er dient einer Tochterfirma als Hauptsitz – diese heisst 3M Emea GmbH (Europa, Mittlerer Osten und Afrika). Für diese Gebiete wird fortan von Langenthal aus die Beschaffung und die Logistik von 3M-Produkten organisiert. Der hiesige Standort dient als zentraler Hub. Hergestellt wird vor Ort nichts.

Rund 40 Millionen Franken seien letztlich in den Bau investiert worden, sagt Mario Tomaselli. Ein augenfälliges Ergebnis dieses finanziellen Engagements sind die modernen, sehr offen gestalteten und damit lichtdurchfluteten Büros. «Wir wollten Räume entwerfen, die die neuen Arbeits- und Kommunikationsmethoden von 3M unterstützen», erklärt Alfred Paul von der Marazzi + Paul Architekten AG. Was der Architekt damit meint, zeigt sich bei einem Rundgang durchs Gebäude: Informelle Treffen zwischen Mitarbeitenden, kurze ­Gespräche oder auch längere Meetings sind praktisch überall möglich.

Erleuchtetes Atrium: Sowohl die offen gestalteten Räume als auch die LED-Lampen im überdeckten Innenhof sorgen für eine lichtdurchflutete Atmosphäre im neuen Gebäude. Es gibt Büros und Sitzungszimmer in fast allen erdenklichen Grössen und Varianten. Die sogenannten Shared Offices sind eine Art Mischform aus Doppelbüro und kleinem Sitzungsraum. Wer sich indessen in eher ungezwungener Atmosphäre austauschen will, geht in die Break-out-Zonen im obersten Stockwerk des Gebäudes. Diese modern möblierten Pausenräume werden ergänzt von einer Küche und einer Aussenterrasse mit Blick auf das angrenzende Bahnhofareal.

Gegen 35 Mitarbeitende haben gemäss Auskunft der Personalabteilung ihren Wohnsitz in Langenthal oder der näheren Um­gebung. Projektleiter Tomaselli sagt, er wisse von einigen Angestellten, die sich derzeit überlegen würden, ebenfalls nach Langenthal zu ziehen. Diese Neuzuzüger haben einen Einfluss auf den Steuerhaushalt der Stadt (siehe Kasten). Viele, die auswärts wohnen, kommen mit dem Zug zur Arbeit.

Die Lage beim Bahnhof kommt also nicht von ungefähr, sie spielt für die Firma eine wichtige Rolle. Dass die Pendler gut vertreten sind, zeigt auch die Nutzung der firmeneigenen Parkmöglichkeiten: Von einhundert Plätzen würden nur zwei Drittel genutzt, so Tomaselli.

Vom Büro direkt zum Fitness

Im Erdgeschoss befindet sich eine Kantine, die jedoch den Mitarbeitenden vorbehalten bleibt. Diese danken es der Firma, indem sie sich sogar im Essbereich zum informellen Bürogespräch treffen. Auf derselben Etage befinden sich weiter eine Umkleidezone mit Duschen, ein Fitness- und Yogaraum sowie Schulungsräume, in denen – wenn die Trennwände entfernt werden – bis zu 250 Personen Platz finden.

Der neue Hauptsitz der 3M Emea GmbH ist der erste Meilenstein zur Entwicklung des nördlichen Bahnhofgebiets. Das bisher industriell genutzte ­Geiser-Areal soll in ein Geschäfts- und Wohnviertel umgenutzt werden. Auf die industrielle Vergangenheit des Areals hat das Architekturbüro beim Neubau Bezug genommen: Die gewellten Wände des benachbarten Fabrikkomplexes spiegeln sich in der Materialisierung der 3M-Fassade wider, wenn auch in filigranerer Ausführung. Die vorbeirauschenden Züge und die Betriebsamkeit auf den Geleisen wird auch wiedergegeben – und zwar anhand der sich überlappenden Grau- und Rotflächen.

(Berner Zeitung)

Erstellt: 21.10.2016, 13:01 Uhr

Sonderabkommen für Neuankömmling

Eine «Erfolgsgeschichte auf diversen Ebenen» ist die Ansiedlung der Firma 3M in Langenthal für Thomas Rufener (SVP). Am Bahnhof sei in den letzten Monaten eine Visitenkarte für das gesamte Areal entstanden, sagt der Stadtpräsident.

Er hofft, dass der Zuzug von 3M wie ein Katalysator wirkt für die künftige Entwicklung des Gebiets Bahnhof-Nord. Von einem Erfolg kann die Stadt aber auch aus finanzieller Sicht sprechen. Gegen 35 Mitarbeitende von 3M haben sich bis heute in der Region niedergelassen (siehe Haupttext), schätzungsweise deren 20 bis 25 haben ihren Wohnsitz in Langenthal. Sie werden also vor Ort besteuert. Thomas Rufener spricht von einem erfreulichen Aspekt, betont aber gleichzeitig, dass man nicht vordergründig auf die Besteuerung von möglichst vielen 3M-Mitarbeitenden aus sei. Die Stadt könne schliesslich auch anderweitig profitieren. «Die Zugezogenen kaufen hier ein und konsumieren auch vor Ort», nennt Rufener Beispiele. Ein weiteres Potenzial sieht er für die Hotellerie. 3M wird künftig Arbeitsreisende im Gebäude in Langenthal empfangen. Man wird also auf Beherbergungsmöglichkeiten angewiesen sein.Darüber hinaus bezieht die Firma ihren Strom beim lokalen Energieversorger.

Was die Steuereinkünfte anbelangt, so wird dies für Langenthal laut Rufener vor allem bei den Privatpersonen Auswirkungen zeitigen. Als juristische Person profitiert 3M im Rahmen der Ansiedlung in Langenthal von einem Steuerabkommen. Den Weg hierhin fand die Unternehmung im Zusammenhang mit der kantonalen Wirtschaftsförderung. Gelängen Ansiedlungen im Zuge dieser Förderung, so sei ein steuerliches Sonder­abkommen die Norm, sagt ­Rufener.

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