Langenthal
Aktualisiert am 07.08.11, um 12:46 von Simon Binz
 

Das ist der Mann hinter dem Projektor des Sommerkinos

Jürg Ingold ist Operateur des Langenthaler Sommerkinos.  Hansjörg Sahli
Jürg Ingold ist Operateur des Langenthaler Sommerkinos. Hansjörg Sahli
Quelle: az Solothurner Zeitung
«Ganz grosses Kino», das bedeutet für Jürg Ingold, seit vielen Jahren Operateur beim Langenthaler Sommerkino, einzigartige Emotionen und Momente: «Mal wird gelacht, mal geweint und nicht selten auch gestaunt.» von Simon Binz
 

Es liegt etwa 44 Jahre zurück, als Jürg Ingold seinen ersten «Winnetou-Film» im damaligen Kino Scala in Bümpliz gesehen hatte. An diesem Abend entdeckte er seine Leidenschaft für die Medien Film plus Kino, und diese Leidenschaft habe ihn bis heute nicht mehr losgelassen. «Das Kino ist für mich ein Ort, an dem fast alles möglich ist. Es entstehen grosse Emotionen, mal wird gelacht, mal geweint und nicht selten auch gestaunt», erzählt Jürg Ingold.

Heute, genau gleich wie damals, interessiere ihn ebenfalls die ganze Technik, welche Kino überhaupt erst möglich mache. Sei es analog oder digital, in den Kinos komme immer erstklassiges Material zum Einsatz. «Das ist mit auch ein Grund, warum ich heute gerne als Operateur tätig bin. Dabei ist mir die Vorführqualität meist wichtiger als der Film», erklärt der Bettenhausener. Er sei eigentlich nicht der grosse Filmkenner, ihm sei vielmehr wichtig, einen Film mit der gleichen Sorgfalt ans Publikum zu bringen, wie sie in der Produktion aufgewendet wurde. «Gefällt mir der Film auch noch – umso besser.»

Alten Projektor erworben

Vor rund 25 Jahren habe er einen gut erhaltenen 35-Millimeter-Projektor samt Zubehör erworben und so zusammen mit anderen Filmbegeisterten ein Wald-Kino in Herzogenbuchsee ins Leben gerufen. «Leider waren wir damals dem Geschehen der Zeit ein bisschen voraus und mussten das Ganze aufgeben», sagt Jürg Ingold. Später ergab sich für ihn
die Möglichkeit, einige Vorstellungen für das Kulturzentrum «Chrämerhuus» in Langenthal zu machen. Daraus haben Rita Soom und Marcel Marti hinterher das Sommerkino gegründet. «Das war mein Weg ans Open-Air-Kino Langenthal», erklärt der Operateur.

Auch beruflich hatte es den 53-Jährigen vor genau 30 Jahren zum Film beziehungsweise zum Fernsehen hingezogen. Rund ums Fernsehen sei halt alles ein bisschen kleiner als im Kino, aber keineswegs uninteressanter. «Ich arbeite als Video-Editor und habe so die Möglichkeit, Beiträge für Fernsehsendungen zu schneiden», erklärt Jürg Ingold. «Doch jetzt wird erst einmal eine Weile Sommerkino gemacht», fügt der Video-Editor gut gelaunt an.

Grosser Auwand im Vorfeld

Damit am Open-Air-Kino alles glatt läuft, steht im Vorfeld ein grosser Aufwand an. Einen Tag vor der offiziellen Eröffnung wird bei Dämmerung die Bildprojektion eingerichtet, der Ton getestet und richtig eingestellt. Am Tag der ersten Aufführung erfolgt dann der ganze technische Teil. «Ich muss die einzelnen Filmrollen zusammenkleben, in der Regel sind das etwa sechs pro Film», erklärt der Operateur. Ebenfalls sollen am Anfang des jeweiligen Filmes Trailer und Teaser kommender Kinofilme angehängt sein. Danach wird der Ablauf geschrieben, damit jeder Programmteil im richtigen Bild und Tonformat gezeigt werden kann. Am Tag der Eröffnung läuft dann die erste Show. «Dabei ist mir ein möglichst perfekter Ablauf wichtig», sagt Jürg Ingold. Das heisst: Musik, Leinwandfahrt, Anfangsgong, Platzlicht und Begrüssungsdias, all das soll flüssig ablaufen.

Während die Zuschauer mit dem breiten Filmangebot voll auf ihre Kosten kommen werden, ist Ingold hinter dem Projektor und überwacht den Ablauf. «Meine wichtigsten Aufgaben während der Aufführung sind die Kontrolle der Bildschärfe und eventuell anfallende Lautstärkekorrekturen vorzunehmen», erklärt er. Wenn die erste Filmrolle zu Ende läuft, ist Pause angesagt. Für Ingold bedeutet das, die Werbedias einzuspielen, das Platzlicht einzuschalten und die Musik einspielen zu lassen. Währendem die meisten der Besucher sich eine Erfrischung oder etwas zu essen gönnen werden, gilt für den Operateur, die 20 Minuten zu nutzen, um den Rollenwechsel vorzunehmen.

«Am Schluss des Filmes, meist bei dem Rollentitelbeginn, fahren wir das Platzlicht hoch», erzählt er und fügt an, für ihn sei damit aber noch nicht Feierabend. Die Filme müssen wieder in die einzelnen Rollen zerlegt und Trailer, Teaser und Werbung weggeschnitten werden. Anschliessend verpacke er die Filme und sende sie zurück an den Verleiher. Kurz darauf schon beginnt Jürg Ingold mit der Vorbereitung des nächsten Programmes. Diesen Ablauf wird er bis und mit 17. August immer wieder durchführen und hofft, dass es auch 2012 und ferner auf der Langenthaler
Piazza wieder heissen wird: Film ab!

(Der Sonntag)
Klimaschutz

Post kauft CO2-Zertifikate im grossen Stil Aktualisiert um 12:11

Zahnimplantate

Straumann 2011 mit Gewinneinbruch wegen starkem Franken Aktualisiert um 20:11

WTA-Turnier Monterrey

Tennisspielerin Stefanie Vögele scheitert in der 1. Runde Aktualisiert um 10:16

Champions League

Gilbert Gress: «Bayern muss, Basel darf. Das ist ein grosser Vorteil.» Aktualisiert um 20:12 von Franziska Zambach, Dean Fuss, Moritz Kaufmann

Leser-Empfehlungen auf Facebook
az-Leser empfehlen: