Rolf Knie: «Kunst war noch nie politisch»

Der Clown, Schauspieler und Maler Rolf Knie stellt zurzeit seine Gemälde auf Schloss Bümpliz aus. Bei einem Gespräch erzählte der 67-Jährige unter anderem von seiner Beziehung zu Bern.

Rolf Knie stellt seine Bilder im Schloss Bümpliz auf. Gestern Abend wurde die Ausstellung eröffnet.

Rolf Knie stellt seine Bilder im Schloss Bümpliz auf. Gestern Abend wurde die Ausstellung eröffnet. Bild: Christian Pfander

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Herr Knie, Sie wurden in Bern geboren. Was verbindet Sie mit dem Ort?
Rolf Knie: Meine Hebamme war Verena von Allmen, die Frau von Bundesrat Rudolf Gnägi (1917–1985, Anm. d. Red.). Wenn sie in den Zirkus kam, hat sie später immer gefragt, wie es «ihrem» Kind gehe. Ich bin hier aufgewachsen, ging in Belp zur Schule. Meine Mutter war eine Dubois. Ich bin von Bern geprägt worden. Es geht so weit, dass ich es sexy finde, wenn eine Frau Berndeutsch spricht.

Warum stellen Sie ausgerechnet auf Schloss Bümpliz aus?
Ich habe vor vielen Jahren schon mal dort ausgestellt. Es war ein grosser Erfolg. Punkto Galerien bin ich hier im Gegensatz zu Zürich wenig verwurzelt.

Bevor Sie Maler wurden, waren Sie Clown und Schauspieler. Wann haben Sie gemerkt, dass Sie auch malen können?
Diese Frage habe ich mir auch gestellt. Als ich irgendwann meine alten Bücher aus der Schulzeit in Belp angesehen habe, stellte ich fest, dass sie alle vollgemalt waren. Jahre später hat der Lehrer mir Kinderzeichnungen von mir zurückgegeben, und ich habe ihm dann im Austausch dafür aktuelle Zeichnungen geschenkt. Während meiner ganzen Jugendzeit sass ich im Zoo und skizzierte Tiere. So richtig angefangen hat es 1977, als Emil Steinberger bei uns im Zirkus gastierte. Zusammen mit Hans Falk (Schweizer Maler, 1918–2002, Anm. d. Red.) bildeten wir ein Trio infernale, das den ganzen Tag malte.

«Die Aufmerksamkeit war bei mir lange grösser als die Qualität der ­Bilder.»

Emil Steinberger hat Ihnen ­angeblich das perspektivische Zeichnen beigebracht ...
Ja, das stimmt. Ich hatte ja im Gegensatz zu ihm keine Ausbildung. Alles, was ich mache, habe ich nie gelernt; und alles, was ich gelernt habe, habe ich nie gemacht (lacht). 1980 habe ich eine erste Ausstellung mit Skizzenbildern gemacht. Diese verkauften sich im Nu. Da habe ich Blut geleckt.

Sie waren sofort ein Publikumsliebling. Die Kunstszene hat Sie hingegen nie ganz anerkannt. Wurmt Sie das?
Das wurmt einen schon. Aber vielleicht hatte die Kunstszene anfangs gar nicht so unrecht. Die Aufmerksamkeit war bei mir lange grösser als die Qualität der Bilder. Nicht ganz arriviert zu sein, hat auch sein Gutes. Es wirkt wie Benzin im Motor. Man will sich beweisen.

Ihre Kunst ist apolitisch ...
Kunst war noch nie politisch. Das ist Blödsinn. Abgesehen von Picassos «Guernica» vielleicht.

Dann ist sie pure Dekoration?
Was hat denn Michelangelo oder Leonardo da Vinci gemacht? Sie haben Kirchen und Königshäuser dekoriert. Damit diese schöner aussehen. Punkt.

Wie war es eigentlich, in einem Zirkus aufzuwachsen? Für viele Leute ist das ein Traum ...
Das ist es auch. Man ist zum Beispiel für zwei Wochen auf der Allmend in Bern. Dahinter befinden sich Fussballplätze. Danach ist man plötzlich in Genf und hat wieder ganz neue Kollegen. Es ­ergeben sich intensive Freundschaften mit Artistenkindern. Man lebt in einem ständigen Ferienzustand, geniesst intensiv den Moment, weil man weiss, dass nichts von Dauer ist.

Für jemand anders wäre das schwierig ...
Ich bin da hineingeboren worden. Auch mit Tieren aufzuwachsen, gehörte dazu. Das ist doch für ein Kind etwas Wunderbares!

Mit fünf Jahren hatten Sie Ihren ersten Auftritt. Woran erinnern Sie sich?
Ich trat als Clown auf. Wenn ich die damals getragene nach Schminke riechende Pappnase anziehe, kommen sofort alle Erinnerungen zurück.

«Rölfli, du musst Clown werden» sagte sein Vater zu Rolf Knie. Bild: Christian Pfander

War es der Wunsch Ihres Vaters, dass Sie für kurze Zeit eine Handelsschule besuchten?
Ja. Mein Vater hatte aber auch noch andere Träume. Ich war Fussballer, habe beim FC Zürich bei den Junioren gespielt. Als ich die Handelsschule abgebrochen habe, bedauerte mein Vater insbesondere, dass ich aufhörte, Fussball zu spielen. Ich war Stürmer und richtig gut.

Warum sind Sie nicht Profi geworden?
Die Schule hat mich angegurkt. Und mein Bruder Fredy Knie war schon im Zirkus dick drin. Ich sah ihn in der Zeitung auf Fotos mit jungen Mädchen. Ich wusste, ich wollte auch Zirkus machen.

In den Siebziger- und Achtzigerjahren wurden Sie als Clown ­bekannt. Was für einen Typus verkörperten Sie?
Ich und der Clown Gaston Häni waren ein Traumduo. Wir waren in allen Fernsehsendungen zu Gast, bei «Teleboy» oder «Verstehen Sie Spass?». Wir haben uns ein wenig an Laurel und Hardy orientiert. Ich war Laurel, auch wenn ich nicht so dick war.

Wie wichtig war das Medium Fernsehen? War das ein Novum in Ihrer Familie?
Ja, aber mein Vater Fredy Knie senior hat das kommen sehen. Er hat mir schon als Kind gesagt: «Rölfli, du musst Clown werden. Du wirst ein kleines Schminkköfferchen und eine Pappnase haben und im Fernsehen kommen. Das ist die Zukunft. Du wirst so mehr verdienen als mit zwanzig Elefanten und dreissig Pferden.»

«Ich bin dagegen, dass man Tiere aus dem Zirkus ­verbannt.»

Heute spricht man von einer Zirkuskrise ...
Der Zirkus wird es in der Tat sehr schwer haben. Das hängt mit der ganzen Tierproblematik zusammen. Aber wenn Zirkus gut gemacht wird, hat er eine Chance. Ich bin dagegen, dass man Tiere aus dem Zirkus verbannt. Der Zirkus erlaubt es, zu Tieren eine Beziehung aufzubauen. Nur Tiere, zu denen wir eine Beziehung haben, wollen wir auch schützen. Zirkus wie Zoo, wenn richtig ­geführt, erlauben es, eine Beziehung zu den Tieren aufzubauen.

Es gibt Stimmen, die sagen, Tiere sollten sich nicht produzieren müssen ...
Ja. Es gibt auch Leute, die sagen, Skifahren sei Umweltverschmutzung. Das Problem ist, das viele Profilierungsneurotiker sich dazu äussern, aber wenig Fachleute. Ich bin soeben in Thailand gewesen und habe dort lebensgrosse Elefantenskulpturen gemacht. Ich verstehe sie als Hommage an die Zirkuselefanten. Diese werden aus dem Zirkus verschwinden. Wir hatten beim Circus Knie bereits seit der Gründung von 1919 Elefanten. Das ist eine Tradition, die jetzt ausstirbt.

Wie kam es eigentlich dazu, dass Sie auf Zirkusleinwand malen?
Ich war am Skizzieren, als mir das Papier ausging. Da nahm ich ein Stück Zelt. Ich bin ein Zirkusmann, und das trägt viel zu meiner Glaubwürdigkeit bei.

Geniessen Sie eigentlich Ihre Prominenz?
Jeder Künstler braucht Anerkennung. Ich geniesse es aber auch, ein paar Monate im Jahr unerkannt auf Mallorca zu sein. Ich bin dann Tag und Nacht in meinem Atelier und entwickle neue Ideen, auch für den Salto Natale, mein Zirkusprojekt mit meinem Sohn Gregory Knie.

Ausstellung: bis zum 26. 3., Schloss Bümpliz, Bern.

(Berner Zeitung)

Erstellt: 19.03.2017, 11:36 Uhr

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