Wo Klänge das Kopfkino anwerfen

Mit der CD «Schabernack» präsentiert das Ensemble Les Passions de l’Ame um die Geigerin Meret Lüthi ein Programm voller Energie und mit cineastischem Anspruch.

Über die Ohren alle Sinne ansprechen: Les Passions de l’Ame erarbeitet Stimmungen und Klänge auf der Basis von Bildern.

Über die Ohren alle Sinne ansprechen: Les Passions de l’Ame erarbeitet Stimmungen und Klänge auf der Basis von Bildern. Bild: Guillaume Perret

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Meret Lüthi mag keine halben Sachen. Was sie anpackt, soll zum Goldstück werden. So auch der neuste Wurf, den die Geigerin mit ihrem Ensemble Les Passions de l’Ame am 20. Mai im Yehudi Menuhin Forum in Bern präsentiert. Mit der kürzlich erschienenen CD «Schabernack» greift Lüthi auf ein Konzept zurück, das bereits am Lucerne Festival 2015 zum Thema Humor auf grosse Begeisterung gestossen ist.

In den Werken von Schmelzer, Walther, Biber und Fux treiben Figuren wie lallende Musketiere, Kuckucke oder Pulcinella aus der Commedia dell’Arte Schabernack. Auch das in der Barockzeit grosse Faszination auslösende Perpetuum mobile wurde in Noten gefasst.

Auch für zeitgenössischeOhren reizvoll

Doch der Humor drückt sich nicht bloss in Tierimitationen und in der Nachahmung von Aussermusikalischem aus: «Wenn es Spielraum für den Interpreten gibt, kann auch da eine Humormöglichkeit entstehen», sagt Meret Lüthi.

Gemeint sind deplatzierte Noten und Triller sowie die den Stücken immanente Rhetorik. Mit viel Hingabe schärft sie die humoristischen Elemente der Kompositionen und nutzt den Interpretationsspielraum, den die Quellen insbesondere in Bezug auf die Perkussion ermöglichen.

Ich will, dass die Leute denken, sie seien im Kino.Meret Lüthi, Les Passions de l’Ame

«Ich habe eine sehr genaue Vorstellung in meinem Kopf. Das heisst, ich sitze Stunden an meinem Klavier oder am Cembalo und spiele und lese vor allem sehr viel.» In Rücksprache mit dem Perkussionisten und den anderen Ensemblemitgliedern entsteht so Musik, die auch für zeitgenössische Ohren reizvoll ist.

Pro Stück ein ungeschriebenes Geheimnis

Meret Lüthis Anspruch zeigt sich nicht nur in der Musik, sondern auch in der Gestaltung des CD-Covers und des Booklets. «Für mich war von Beginn an klar, dass ich ein visuelles Konzept will, das dem auditiven entspricht.»

Für jedes Werk entstand deshalb eine Fotografie, deren Bedeutung sich erst bei längerer Betrachtung erschliesst. Auf der Basis von Bildern erarbeitet die Leiterin mit ihrem Ensemble die Stimmungen und Klänge, die sie sich für die Musik vorstellt.

Die gemeinsame Assoziation sorgt im Konzert für Stabilität, die wiederum Raum für Spontanität im Spiel ermöglicht. Diesen Zugang offenbart sie auch dem Zuhörenden, denn «es ist wie der Wunsch, dass das Publikum pro Stück ein ungeschriebenes Geheimnis von uns erfährt».

Über das Gehör soll sich für das Publikum eine Welt öffnen: «Das ist meine Maxime: über die Ohren alle Sinne anzusprechen.» Dies gelingt durch prägnante Rhythmen, feurige Tutti-Klänge und Lautmalerei, die Lüthis Leitidee entspricht: «Ich will, dass die Leute denken, sie seien im Kino.»

Konzert: Samstag, 20. 5., 19.30 Uhr, Yehudi Menuhin Forum Bern. CD: «Schabernack», Sony. (Berner Zeitung)

Erstellt: 19.05.2017, 08:47 Uhr

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