Venezuela

Nun reicht es auch den Medizinern

VenezuelaDie schwere Versorgungskrise Venezuelas hat auch das Gesundheitssystem erfasst. Ärzte schlossen sich am Mittwoch den Protesten der Opposition an.

Heftige Proteste in Venezuela: Nun schlossen sich auch Ärzte den Demonstrationen der Opposition an (17.05.2017).

Heftige Proteste in Venezuela: Nun schlossen sich auch Ärzte den Demonstrationen der Opposition an (17.05.2017). Bild: Keystone

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Daniela Chacron wurde das linke Bein amputiert. Eine Operation, die bei frühzeitiger Behandlung ihrer Krebserkrankung gar nicht nötig gewesen wäre. Doch in Venezuela fehlt es an allem. Eine Chemotherapie war aufgrund des Medikamentenmangels nicht möglich.

«Es ist eine dramatische Situation, einer 14-Jährigen ein Bein amputieren zu müssen», sagte Dr. Rubén Limas, der zuständige Arzt einer Privatklinik in der Hauptstadt Caracas, dem spanischsprachigen Programm von CNN. Doch solche Situationen häufen sich. Daher protes­tieren nun auch Ärzte gegen die Regierung.

Die schwere Wirtschafts- und Versorgungskrise in Venezuela hat auch das Gesundheitssystem erfasst. Medikamente und Utensilien wie Handschuhe und Wattetupfer sind Mangelware.

Viele Krankenhäuser verfügten nur noch über 3 Prozent der nötigen Medikamente und Geräte, berichtete die Zeitung «Universal». Mit dem Fall des Ölpreises 2014 rutschte Venezuelas Wirtschaft, die zu über 90 Prozent von Öl­exporten abhängig ist, in die Rezession. Oppositionelle Experten werfen der sozialistischen Re­gierung aber auch jahrzehnte­lange Misswirtschaft vor.

Wie dramatisch die Lage ist, verdeutlicht ein Bericht des Gesundheitsministeriums von letzter Woche. Demnach ist die Sterberate bei Säuglingen im ver­gangenen Jahr um 30 Prozent ­gestiegen. Mehr als 11 400 Kinder erlebten ihren ersten Geburtstag nicht mehr. Die Müttersterblichkeit stieg um rund 65 Prozent an. Längst ausgerottet geglaubte Krankheiten wie Diphterie und Malaria sind in mehreren Regionen wieder aufgetaucht.

Bei Präsident Nicolás Maduro löste der Bericht allerdings Unmut aus. Er entliess die Gesundheitsministerin. Seine Regierung hatte die Veröffentlichung des jährlichen Gesundheitsberichts 2014 eingestellt.

Die Ärzteschaft will die Situation nicht weiter hinnehmen und schloss sich am Mittwoch den Protesten der Opposition an. «Nein. Ich werde nicht mehr unter diesen unmenschlichen Bedingungen arbeiten», riefen Mediziner bei einer Demonstration in der Stadt Valencia, östlich von Caracas, wie «El Nacional» berichtete. In der Hauptstadt selbst gingen die Ärzte ebenfalls auf die Strasse, ihr Protestzug wurde aber von der Polizei gestoppt. Bereits am Dienstag hatten Mitarbeiter in Kliniken in ­Caracas aus Protest die Arbeit niedergelegt.

Seit Anfang April protestieren Oppositionelle gegen die Re­gierung von Maduro. Sie fordern Neuwahlen und wehren sich gegen eine geplante Verfassungsänderung. Bisher kamen bei den Protesten 43 Menschen ums Leben. (Berner Zeitung)

Erstellt: 19.05.2017, 12:24 Uhr

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