Zwei Präsidenten spielen Kalten Krieg

Russland-Korrespondent Axel Eichholz über das Duell der Präsidenten Donald Trump und Wladimir Putin.

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Der Himmel erbarme sich dieser Erde. Die beiden atomaren Supermächte werden von unberechenbaren Präsidenten angeführt. In russischen Medien wird ernsthaft über die Möglichkeit des «ganz grossen Kriegs» diskutiert.

Der ganz grosse Krieg ist ein anderes Wort für Apokalypse. Selbst in der kältesten Zeit des Kalten Kriegs liessen Politiker keinen Zweifel daran, dass der Weltkrieg vermieden werden kann und muss. Zünder, die ihn hätten auslösen können, etwa die Kuba-Krise, wurden im letzten Moment noch entschärft.

Jetzt scheinen die selbst gebastelten neuen Auslöser gefährlicher als diejenigen aus der Zeit der globalen Konfrontation. Der gefährlichste heisst Ukraine. In der russischen Geschichte stürzte das Land jedes Mal in eine tiefe Krise ab, wenn es zwischen Moskau und Kiew Zerwürfnisse gab – ob unter Peter I. im Krieg gegen Schweden, im Bürgerkrieg von 1918 bis 1920 oder im Zweiten Weltkrieg. 2014 nutzte Präsident Wladimir Putin die Besetzung der Krim, um die russische Nation hinter sich zu bringen.

Die von den Zaren im 18. Jahrhundert eroberte Halbinsel wurde nie als ukrainisch empfunden. Das Dumme ist nur, dass die Ukraine 1994 ihre ehemals sowjetischen Atomwaffen Moskau überliess. Dafür garantierten ihr die Unterzeichner des Budapester Vertrages, darunter Russland, die territoriale Integrität.

Moskau liess nach dem Machtwechsel in Washington die Erwartung durchblicken, Trump könnte bei Putins Treiben in der Ukraine ein Auge zudrücken. Am Mittwoch fragte dieser via Twitter, ob sein Vorgänger Obama mit Putin nicht zu lasch umgegangen sei. Der Präsidentensprecher Sean Spicer hatte einen Tag früher sogar erklärt, der Präsident erwarte von Moskau Unterstützung bei der De­eskalation in der Ostukraine und die Rückgabe der Krim. Die Äusserungen aus den USA schlugen in Moskau wie eine Bombe ein.

In der Vergangenheit hatte Putin den zum angeblichen Erzfeind stilisierten schwarzen US-Präsidenten immer wieder provoziert. An dieser Stelle seien der Whistleblower Snowden, der bis heute die russische Gastfreundschaft geniesst, und Syrien erwähnt.

Was am Ende bei dieser neuen Politik der beiden Präsidenten herauskommt, ist momentan völlig unklar. Trumps Forderung nach der Rückgabe der Krim kann Putin nicht erfüllen. Er würde sich damit zu Hause unmöglich machen. Genauso wenig kann der US-Präsident ihm den Bruch aller erdenklichen Völkerrechtsnormen vergeben. Die westliche Welt würde es niemals schlucken.

In Bonn werden die Aussenminister Russlands und der USA, Sergei Lawrow und Rex Tillerson, dieser Tage zusammenkommen. Tillerson ist für Moskau ein weitgehend unbeschriebenes Blatt. Was Lawrow angeht, so ist er ein international hoch erfahrener Diplomat. Sein spezielles Problem ist aber, dass er absolut nichts unternehmen darf, ohne den Präsidenten zu fragen. Also wäre ein Treffen zwischen Trump und Putin dringend erforderlich. Dieses scheint aber frühestens am Rande des G-20-Gipfels im Juli möglich. (Berner Zeitung)

Erstellt: 17.02.2017, 09:58 Uhr

Axel Eichholz, Russland-Korrespondent
ausland@bernerzeitung.ch

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