Das FBI gibt keine Ruhe

FBI-Direktor James Comey bestätigt anhaltende Ermittlungen wegen der russischen Einmischung in die US-Präsidentschaftswahlen. Im Visier: Mitglieder des Wahlkampfteams von Donald Trump.

FBI-Chef James Comey: «Gab es eine Koordination zwischen Trumps Wahlkampfteam und Moskau?»

FBI-Chef James Comey: «Gab es eine Koordination zwischen Trumps Wahlkampfteam und Moskau?» Bild: Keystone

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Als der Chef der Bundespolizei FBI das Wort zu seinem ersten Statement ergreift, knisterte es im Sitzungsraum des Geheimdienstkomitees vor Spannung. Normalerweise, so Direktor Comey, bestätige seine Behörde «keine laufenden Ermittlungen». In Fällen, in denen ein überragendes öffentliches Interesse bestehe, gebe es aber Ausnahmen. «Das ist einer dieser Fälle.»

Dann packt Comey aus. «Das FBI untersucht als Teil einer Spionageabwehroperation die Bemühungen der russischen ­Regierung, sich in unsere Präsidentschaftswahlen 2016 einzumischen.» Dabei gehe es auch um die Frage, «ob es eine Koordination zwischen Mitgliedern des Trump-Wahlkampfteams und den Russen gab».

Weil es sich um andauernde ­Ermittlungen handle, «können wir nicht sagen, was wir tun und wen wir untersuchen». Comey versicherte, «den Fakten zu folgen, wohin sie auch führen».

Keine Belege

Ausdrücklich verneinte der FBI-Direktor die via Twitter verbreitete Behauptung von Präsident Donald Trump, sein Vorgänger habe das Abhören seines Wolkenkratzers in New York angeordnet. «Wir haben keine Information, die diese Tweets bestätigen. Das Justizministerium informiert mich, dass es ebenfalls keine Informationen hat.»

NSA-Direktor Mike Rogers, der neben Comey auf dem «heissen Stuhl» des Geheimdienste­ausschusses sass, verneinte seinerseits, die Briten oder andere Partner der USA seien beauftragt worden, etwas zu tun, das seinem Dienst verboten ist. «Es gab keine Anweisung oder eine Bitte an die Briten, für uns zu überwachen», sagte Rogers. «Das widerspräche unseren Abkommen.»

Trumps Sprecher Sean Spicer hatte vergangene Woche eine ­solche Kooperation suggeriert. Nach massiven Protesten aus London musste er sich dafür aber bei den britischen Schlapphüten entschuldigen.

Alles «Fake-News»

Das war nicht, was der Präsident wollte. In einem morgendlichen Twitter-Sturm versuchte Trump die überparteiliche Anhörung vorab zu torpedieren. Alle Berichte über eine Zusammenarbeit mit Russland seien «Fake-News», schrieb er.

Die FBI-Ermittlungen erhöhen den Druck auf Präsident Trump, der im Zusammenhang mit der Russland-Affäre bereits den Rücktritt seines nationalen Sicherheitsberaters Michael Flynn in Kauf nehmen musste. Ins Visier geraten sind nun auch die Kontakte anderer Verbündeter Trumps.

Hartnäckige Gerüchte

Allen voran Roger Stone, der ­bereits zugab, Verbindungen zu ­Wikileaks und dem Hacker Guccifer 2.0 gehabt zu haben. Von grossem Interesse ist auch die Reise des aussenpolitischen Wahlkampfberaters Carter Page im Juli 2016 nach Moskau, die von J. D. Gordon, einem anderen Mitglied des Wahlkampfteams Trumps mit Russland-Beziehungen, genehmigt worden war.

Äusserst hartnäckig halten sich in den USA auch Gerüchte, nach denen Trump-Getreue bei der Überwachung zweier russischer Banken ins Netz des FBI gegangen seien.

(Berner Zeitung)

Erstellt: 20.03.2017, 19:06 Uhr

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